Bundestagswahl: Presse- und Blogreaktionen (+ Link zu archivierten Twittermeldungen)

by Dirk Elsner on 28. September 2009

Der Souverän hat gesprochen und einen neuen Bundestag zusammengesetzt (Ergebnisse hier beim Bundeswahlleiter). Nach der Wahl sprechen und schreiben sehr Viele. Die Diskussionen über die Ergebnisse haben gerade erst begonnen. Ein Streifzug durch die Schlagzeilen von Leidmedien und Blogs. Alle Tweets vom 27. September ab 13.30 Uhr zur Bundestagswahl sind hier im Blick Log archiviert.

HB: Jetzt müssen sich die Liberalen beweisen:  Mit der klaren Mehrheit für Union und FDP steht Deutschland vor einem politischen Neuanfang. Schwarz-Gelb kann die bisherige Regierungspolitik korrigieren – hin zu mehr Eigenverantwortung und Leistungsgerechtigkeit.

FAZ: Wahlsieger WesterwelleDie Wucht eines Jahrhundertergebnisses: Auch in der Stunde seines bisher größten Erfolgs und inmitten des frenetischen Jubels seiner Anhänger gibt Guido Westerwelle seine neu erworbene Ernsthaftigkeit nicht preis.

FTD: Wahlergebnis zwingt FDP zur personellen Erneuerung: Fast 15 Prozent: die Liberalen sind im Bund so stark wie nie zuvor und dürfen wieder regieren. Nun brauchen sie Spitzenkräfte für etliche Minister- und Staatssekretärsposten sowie die Fraktionsführung – die Personaldecke könnte knapp werden.

Focus: Vier Fäuste und ein Halleluja: Die Tigerente ist gerade einmal ein paar Stunden alt, aber so richtig rollt sie noch nicht. Die Kanzlerin fremdelt in der „Berliner Runde“ mit ihrem neuen Partner. Koalitionskuschelig sieht anders aus.

TAZ: Die Zeit des Konsens ist vorbei: Wenn sich der Nebel gelichtet hat, werden wir erkennen, worum es in den nächsten vier Jahren geht: weniger sozialer Ausgleich und Steuersenkungen für Besserverdienende.

FTD: Die Große Koalition ist beendet – zum Glück: Nach allen Befürchtungen, dass sich Deutschland wohlig in dem Schmusebündnis aus CDU, CSU und SPD einrichtet, ist das Wahlergebnis eine Erleichterung: Die Bürger haben der Großen Koalition ein Ende gesetzt.

Zeit: Und jetzt wieder Politik: An diesem Debakel wird die SPD noch lang zu knabbern haben – am Ende wird sie wohl zu Rot-Rot-Grün finden. Doch auch auf Merkel kommen schwere Zeiten zu.

FR: Die Krisenregierung: Deutschland hat gewählt – Schwarz-gelb kann regieren. Trotzdem: Der Niedergang der Volksparteien hat nun auch CDU und CSU nachhaltig erfasst. Die SPD ist nur noch ein Schatten ihrer selbst. Gewinner sind die Kleinen – am eindeutigsten die FDP.

Freitag: Verdienter Pyrrhussieg: So gut haben die Grünen bei einer Bundestagswahl noch nie abgeschnitten. Das sollte nicht über ihre Schwächen im Osten und bei jungen Wählern hinwegtäuschen

WGN: Rücktritt!: Hiermit fordere ich als Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands den Rücktritt des SPD Parteivorsitzenden und seiner Stellvertreter bis zum kommenden Freitag. Die Festlegung einer kommissarisch amtierenden Parteiführung ist bis zur Neuwahl gesondert zu bestimmen.

HB: Merkel zittert sich zur Kanzlerschaft: Ein schlechtes Ergebnis eingefahren und doch gewonnen: Dank einer starken FDP kann Angela Merkel Kanzlerin bleiben und zusammen mit der FDP wie gewünscht eine schwarz-gelbe Regierung bilden. Im Adenauer-Haus ließ sich Merkel bejubeln – während CSU-Chef Seehofer zerknirscht eine Watschn für seiner Partei eingestehen muss.

Spreeblick: Bundestagswahl 2009: Deutschland wird schwarzgelb: Da hat die CDU und ihre erleichterte Kanzlerin aber nochmal Glück gehabt, dass die FDP so stark zugelegt hat (worüber sich sogar die FDP wundert): Derzeit sieht es so aus, als würden CDU und FDP die nächsten vier Jahre in Deutschland bestimmen. Ansonsten: Zugewinne bei der Linken und den Grünen, beachtliche und unbedingt erwähnenswerte zwei Prozent für die Piratenpartei (das sind fast eine Million Wählerstimmen, wenn ich mich nicht irre) und natürlich:

FAZ: SPDAuf der Suche nach dem verlorenen Mut: Die schlimmsten Befürchtungen sind übertroffen und die geringsten Hoffnungen unterboten worden: Mit 23,1 Prozent rutschte die SPD auf ein historisches Tief. Wie lange Franz Müntefering sich als Parteichef hält, ist fraglich.

FTD: SPDler planen Revolte gegen Müntefering: Frank-Walter Steinmeier hat die Wahl verloren, will aber mit Franz Müntefering die Partei führen. In der SPD ist darüber ein Grollen zu vernehmen. Im Willy-Brandt-Haus treffen sich die Unzufriedenen – darunter ein noch amtierender Bundesminister.

NZZ: Deutschland hat die Chance zu einer liberaleren Politik: Das knappe Votum für eine schwarz-gelbe Option wird die Kanzlerin zu Kursänderungen zwingen. Die SPD hingegen steht vor einem Scherbenhaufen.

Focus: „Sind denn alle verrückt?“: Es ist der große Paukenschlag, das schlechteste Ergebnis der SPD in der Geschichte. Doch Steinmeier und Müntefering verstören mit Übermut und einem Weiter-so-Auftritt.

FAZ: Reaktionen nach der WahlSchockstarre bei der SPD: Führende CDU-Politiker sehen trotz der eigenen Verluste das Wahlziel der Union als „erreicht“ an“ und werten dies als „klare Bestätigung“ für Bundeskanzlerin Merkel. Der scheidende SPD-Fraktionschef Peter Struck spricht von einer „bitteren Stunde für die SPD.“

Zeit: Debakel für die CSU: Absturz für die CSU: Die Partei strebte die 50-Prozent-Marke an, doch schneidet so schlecht ab wie noch nie bei einer Bundestagswahl seit mehr als 50 Jahren.

HB: Die Linke – Die Muppet-Show mit Gysi und Lafontaine: Frenetischer Beifall brandet auf im weißen Festzelt. Draußen stehen schon mehr Anhänger der Linken, als drinnen Platz haben, als die Granden Einzug halten. Gregor Gysi lacht breit, Oskar Lafontaine winkt wächsern und lacht erst, als SPD-Chef Franz Müntefering auf dem TV-Bildschirm neben der Bühne auftaucht.

NYT: Victory Brings Risk of Conflict With Merkel’s Allies: Chancellor Angela Merkel is returning to office, and this time almost certainly with her preferred coalition partner, the pro-business Free Democrats. But Mrs. Merkel’s victory could nonetheless leave her political standing weaker in the long run because her party, the conservative Christian Democratic Union, had its worst results in 60 years.

F!XMBR: Völliger Realitätsverlust bei Frank-Walter Steinmeier und Franz Müntefering: Der heutige Wahlabend bedeutet nicht nur eine Niederlage für die SPD, das Ergebnis kommt einer Vernichtung gleich. Über die Gründe muss man nicht lange spekulieren, sie liegen in der Agenda 2010 und den Konstrukteuren begründet.

Netzpolitik: Klare Fronten: Schwarz-Gelb: Die Bundestagwahl hat für klare Fronten in einigen Themen der Netzpolitik gesorgt. Mit Schwarz-Gelb werden wir einige netzpolitische Debatten bekommen, die es so mit einer Großen Koalition nicht bekommen hätten. In Fragen der Netzneutralität erwarte ich ein Einknicken vor dem Markt, was lasche Netzneutralitätsregeln und ein Vertrauen in ein Oligopol an Kommunikationsanbietern bedeutet.

F+F: Schwarzgelb regiert. Muß gut sein, die linke Journaille guckt so traurig!: Vielleicht leide ich unter Wahrnehmungsstörungen, habe aber den Eindruck, daß die gesamte Journaille in der Glotze seit Punkt 18 Uhr traurig aus der Wäsche guckt?! Und der Steinmeier hielt eine 20-stündige Rede! Gut so! Es ist ja sonnenklar, daß Schwarzgelb hundert fünfzig Mal besser ist als Rotrotgrün!

Fefes Blog: [l] Wer 2% für die Piraten furchtbar wenig findet, der sei darauf verwiesen, dass die Grünen bei ihrer ersten Bundestagswahl 1980 nur 1,5% hatten. Es bleibt zu hoffen, dass die Piraten sich jetzt nicht enttäuscht zerlegen, sondern weiter kämpfen.

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