Hintergrund zum Fußball-Wettskandal: Wie die Fifa illegale Wettpraktiken aufdeckt

by Dirk Elsner on 21. November 2009

Die Schlagzeilen zum neuen europaweiten Wettskandal sind bekannt und müssen hier nicht wiederholt werden (siehe sonst Links am Ende des Artikels). In einigen Berichten ist von Frühwarnsystemen der Uefa- und des DFBs die Rede, mit den die Wettmärkte überwacht werden. nach einem inem Bericht der NZZ heißt es, die Systeme hätten keine Erkenntnisse über Spielmanipulationen in Deutschland geliefert. Wie dieses System funktioniert wird freilich nicht berichtet. Daher hier ein wenig Hintergrund dazu:

So ist in einer Darstellung der Fifa mehr über das Frühwarnsystem zu erfahren, das erstmals zur Fußball WM 2006 getestet wurde:

Verschiedene Wettskandale in Verbindung mit Fußballspielen und die hieraus resultierende Sorge um die Korrektheit und die Integrität des Spiels haben die FIFA veranlasst, Maßnahmen zum Schutz des Fußballs zu ergreifen. Aus diesem Grund wurde die Early Warning System GmbH (EWS) gegründet. … Dabei sollen Auffälligkeiten im Wettgeschäft rechtzeitig erkannt, Manipulationen im Fußballspiel vorgebeugt und die Fußballgemeinschaft auf die Risiken, die sich durch das Wettgeschäft ergeben, aufmerksam gemacht werden.

Die FIFA kann Missbräuche, die mit Sportwetten getrieben werden, nicht verunmöglichen. Sie kann jedoch mit der Early Warning System GmbH vor allem dafür sorgen, dass der Fußball nichts von seiner Attraktivität und seiner Integrität einbüßt. Um das Frühwarnsystem so effizient wie nur möglich zu gestalten, ist vor allem die Zusammenarbeit von Buchmachern und Wettanbietern gefragt. ….

Carsten Koerl von der Sportradar AG referierte über das Phänomen „Spielmanipulation“ und erläuterte, wie durch eine analytische Beobachtung des Wettmarktes etwaige Betrugsversuche bereits frühzeitig erkannt und den betroffenen Verbänden und Behörden gemeldet werden können. Auch er unterstrich dabei die Wichtigkeit einer engen Zusammenarbeit mit der Wettindustrie, um das weltweite Problem der Spielmanipulation möglichst effektiv bekämpfen zu können.

….

Gelangt die EWS nach sorgfältiger Analyse zu dem Ergebnis, dass ein begründeter Verdacht auf Manipulation des überwachten Spiels besteht, tritt der so genannte Alarmfall ein.

Auf der Seite des Unternehmens, das die Plattform zur Früherkennung für die EWS konzeptioniert und realisiert hat, gibt es weitere Einzelheiten:

Hierbei handelt es sich um eine zentrale Plattform, die von der Early Warning Systems GmbH (EWS) betrieben wird und auf die Anbieter von Sportwetten zugreifen können. Wettanbieter können über die Plattform Auffälligkeiten (z.B. Gerüchte über mögliche Manipulationen) bzw. Unregelmäßigkeiten (z.B. erhöhte Wetten auf Außenseiter) melden und deren Einstufung vornehmen (Gerücht, leichte Einsatzauffälligkeit, starke Einsatzauffälligkeit und sehr starke Einsatzauffälligkeit). …

Je nach Einstufung der Meldung durch den Wettanbieter bzw. unter Berücksichtigung der Gefahreneinschätzung durch Early Warning System, kann an definierte Verteilergruppen (z.B. alle angeschlossenen Wettanbieter) eine E-Mail mit dem Hinweis auf das vermutete Vorliegen einer Unregelmäßigkeit verschickt werden. Detaillierte Informationen können über die zugangsgeschützte Plattform jederzeit abgefragt werden.

Basierend auf den zur Verfügung gestellten Informationen, kann jeder Wettanbieter reagieren und so z.B. die Wetthäufigkeit auf das entsprechende Ereignis auf dem eigenen System beobachten und das entsprechende Ereignis gegebenenfalls aus dem Wettangebot entfernen.

Ziel der von MULTA MEDIO realisierten Plattform ist es, weltweit die ganze Buchmacher- und Wettanbieterszene vertraglich in das Frühwarnsystem einzubinden, damit es Personen, die zu Wettzwecken Spiele manipulieren wollen, nicht mehr gelingt, ihre Machenschaften zu entfalten. Mit dem Anschluss an das Warnsystem wird den Buchmachern und Wettanbietern attestiert, dass sie das Ziel der FIFA, die Integrität des Fußballs vor schädlichen Einflüssen aus dem Wettbereich zu schützen, mittragen.

Noch mehr Details gibt es in dieser z.T. technischen Darstellung:

“Je nach Einstufung der Meldung durch den Wettanbieter bzw. unter Berücksichtigung der Gefahreneinschätzung durch Early Warning System, kann an definierte Verteilergruppen (z.B. alle angeschlossenen Wettanbieter) eine E-Mail mit dem Hinweis auf das vermutete Vorliegen einer Unregelmäßigkeit verschickt werden. Detaillierte Informationen können über die zugangsgeschützte Plattform jederzeit abgefragt werden. Basierend auf den zur Verfügung gestellten Informationen, kann jeder Wettanbieter reagieren und so z.B. die Wetthäufigkeit auf das entsprechende Ereignis auf dem eigenen System beobachten und das entsprechende Ereignis gegebenenfalls aus dem Wettangebot entfernen.

Ziel der von MULTA MEDIO realisierten Plattform ist es, weltweit die ganze Buchmacher- und Wettanbieterszene vertraglich in das Frühwarnsystem einzubinden, damit es Personen, die zu Wettzwecken Spiele manipulieren wollen, nicht mehr gelingt, ihre Machenschaften zu entfalten. …

Der authentifizierte Wettanbieter erhält eine Liste aller vom System veröffentlichten Spielpaarungen angezeigt. Zu jeder Spielpaarung kann der Wettanbieter eine Warnmeldung mit der entsprechenden Eskalationsstufe erfassen und speichern. Das worflowbasierte System leitet die Meldung an die Rolle „EWS-Mitarbeiter“ weiter und schickt parallel zur Benachrichtigung der entsprechenden Mitarbeiter – je nach Konfiguration des Systems – eine E-Mail bzw. eine SMS.

Der EWS-Mitarbeiter erhält in zwei Listenansichten (Eingang und Ausgang) alle im System gespeicherten Warnmeldungen angezeigt. Neue Warnmeldungen (mit dem internen Status „Neu“) werden hervorgehoben dargestellt. Zu jeder Warnmeldung kann durch Mitarbeiter der EWS der Status verändert werden und ein Informationstext hinzugefügt werden. Handelt es sich um eine Meldung die im System publiziert werden soll, kann der EWS-Mitarbeiter eine Verteilerliste auswählen und die entsprechende Information über die Spielpaarung und den Verdacht der Störung versenden. Jeder im Verteilerkreis eingetragene Nutzer erhält die Meldung über den Workflow in seiner Ansicht zugeordnet. Zusätzlich wird eine Benachrichtigung per SMS und/oder E-Mail an den Wettanbieter versandt.”

Ob die beschriebenen Methoden tatsächlich dazu geeignet sind, Spielmanipulationen über auffälligen Wetten aufzudecken, darf bezweifelt werden. Das Erkennungssystem arbeitet vermutlich mit statistischen Methoden. Abweichungen von erwarteten Einsätzen wird man aber nur feststellen können, wenn das System auch die Buchmacher auswertet, bei denen die Manipulatoren ihre Wetten einreichen.

Meldungen zum Fußball-Wettskandal

Focus: DFB-Schiedsrichter im Visier der Ermittler

NZZ: Fussball-Wettskandal ungeahnten Ausmasses

Wie der Fußball-Wettskandal wirklich ablief

SZ: DFB-Schiedsrichter unter Verdacht

Focus: Fußball-Manipulationen: Schlimmer als Hoyzer

Spon: Auch DFB-Schiedsrichter im Visier der Ermittler

Focus: Fußballwetten: 200 Spiele unter Manipulationsverdacht

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