Grünweißer Respekt: Der rote Uli Hoeneß hat die Management-Bühne verlassen, leider

by Dirk Elsner on 28. November 2009

Als fußballerisch im Norden verankerter Mensch bin ich nun wahrlich kein Anhänger des FC Bayern. Das Gegenteil ist der Fall. Sportlich freue ich mich über jede Niederlage der Truppe von der Säbener Straße. Und auch Uli Hoeneß hat mir in den vergangenen Jahrzehnten als Freund des SV Werder Bremens häufig die Stimmung vermiest. Die bitterste Zeit war sicher, als der FC Bayern 1995 Trainer Otto Rehagel engagierte  und damit eine 4 Jahre dauernde Durststrecke einleitete, die erst 1999 zu Ende ging. Damals löste Thomas Schaaf als Cheftrainer ausgerechnet Felix Magath ab.

Trotz dieser unangenehmen Erinnerungen und schmerzlicher Niederlagen, habe ich großen Respekt vor der Leistung und dem Lebenswerk von Ulrich Hoeneß. Vermissen werde ich ihn vor allem als  menschelnden Manager, der sich nicht hinter einer glatten Fassade und Management-Denglish versteckt hat, sondern der durch seine Offenheit und Verlässlichkeit polarisiert hat.

Mag sein. dass die aktuellen Lobeshymnen auf ihn, eine Spur zu gesteuert wirken. Dennoch wirken sie authentisch. Hoeneß hat im Vergleich zu vielen anderen Managern von Großunternehmen und Finanzinstituten sehr glaubhaft den Eindruck entwickelt, dass sein Unternehmen für ihn an erster Stelle steht und nicht sein persönlicher Nutzen bzw. sein eigenes Bild in der Öffentlichkeit. Hier unterscheidet sich Hoeneß fundamental von den Middelhoffs, Eicks und Wiedekings dieser Welt, für die ihre Aufgabe ex-post betrachtet nur Mittel zum persönlichen Zweck war.

Natürlich ist Ulli Hoeneß selbst nicht zu kurz gekommen. Aber es macht für die Leitung eines Unternehmens einen großen Unterschied aus, ob der Job aus Leidenschaft gemacht wird und die eigenen Bedürfnisse im Zweifel zurückgestellt werden. Während viele Top-Manager heute ihre öffentlichen Auftritte durch PR-Profis inszenieren lassen, schert sich Hoeneß in keinster Weise um die gedrechselte Selbstdarstellung. So wirken die meisten Bilder, die wir von Top-Managern sehen, blutleer, steril und gephotoshopt. Wir zweifeln daher auch intuitiv ihre inhaltlichen Botschaften an, weil wir spüren, diese Botschaften passen nicht zu der Person. Hoeneß dagegen kommt authentisch und damit sehr glaubhaft rüber. Und das er sich zeitweise in der Wortwahl vergreift, macht ihn erst recht sympathisch. Und so etwas mögen nicht nur das Medien und Publikum, das mögen auch die Mitarbeiter.

Hoeneß steuert nun nicht mehr den Management-Alltag des FC Bayern. Zurückziehen wird er sich sicher nicht. Er muss aber dem Nachwuchs eine Chance lassen, sich zu entwickeln. Dabei ist zu hoffen, dass sich Christian Nerlinger nicht am heutigen Manager-Bild orientiert, sondern seinen eigenen Weg findet. Uli Hoeneß sollte er dabei nicht kopieren.

Und von einer erstaunlichen und für mich neuen Geschichte von Hoeneß weiß der Weser Kurier:

“Vielleicht wäre die ganze Bayern-Werder-Hoeneß-Lemke-Geschichte, die ganze deutsche Fußballgeschichte anders gelaufen, wenn vor rund 40 Jahren Werder nicht so knauserig gewesen wäre. Damals hatte man den Trainer Udo Lattek an der Angel. Er hätte auch ein junges Talent mit nach Bremen gebracht: Uli Hoeneß.”

 

Weitere Berichte

FAZ: Uli Hoeneß: Der Helmut Kohl des Fußballs

Weser Kurier: Vom Feind zum Vorbild Der Bremer Blick auf die Ära Hoeneß

HB: For ever „Mr. FC Bayern“

FTD: Ein Phänomen wie Fuß und Ball

SZ: Hoeneß wechselt und bleibt doch «Mr. FC Bayern»

Focus: Uli Hoeneß: Monetenjäger und Titelhamster

Kreiszeitung: Ein Hoch auf Uli Hoeneß

Eurosport: Bundesliga – Allofs: "Hoeneß ist ein Vorbild"

FTD: 30 Jahre Uli Hoeneß bei den Bayern

Eines Tages: Uli Hoeneß‘ Abschied

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