“Fair Trade funktioniert nur auf der Basis des Minimumpreises”

by Dirk Elsner on 5. März 2010

Die in der Wikipedia zum Thema fairer Handel zitierten Untersuchungen kommen alle zu dem Ergebnis, dass der faire Handel positive Auswirkungen auf die Produzenten hat. Dabei ist der faire Handel nicht unumstritten, denn einigen Anbietern wird vorgeworfen, sie nutzen das Fairtrade-Label hauptsächlich zu Marketingzwecken.

In einem Interview des Handelsblatts mit Andrea Illy, Vorstandschef des italienischen Kaffeerösters Illycaffè, erfährt man etwas von der Fair trade-Strategie von Illycaffe. Der Kaffeeröster sucht hohe Qualität und bezahlt Bauern deswegen Preise, die über dem Marktpreis liegen. Mit zusätzlichen Maßnahmen und der Förderung sozialer Projekte werden Bauern motiviert, die Qualität zu erhöhen. Auf die Frage, warum Illy mit dieser Nachhaltigkeit nicht wirbt antwortet er:

“Das ist doch keine Motivation für den Kauf. Die Motivation für den Kauf ist das Aroma, die Qualität. Unsere Social Practices dienen einer besseren Qualität. Den Kunden interessiert die Emotion, der Geschmack des Getränks, und nicht, wie wir das geschafft haben oder wie toll wir sind. …

Ethik ist angesagt, aber es ist nur eine Mode. Es ärgert mich natürlich, dass andere Unternehmen sich diese Mode zu nutze machen und sich als ethisch und nachhaltig definieren, wenn es in Wirklichkeit nur Marketing ist. Das ist inakzeptabel. … 

Ich glaube aber nicht, dass wir auch nur ein Gramm mehr verkaufen, nur weil die Menschen wissen, wie wir unsere Kaffeebauern behandeln.”

Illy kritisiert außerdem das Geschäftsmodell mit den Fair Trade-Labeln:

“Fair Trade funktioniert nur auf der Basis des Minimumpreises, den die Bauern bekommen, egal welche Qualität. Der Produzent und auch der Käufer muss bezahlen, um zertifiziert zu werden. Fair Trade kassiert von beiden Seiten, damit sie das Label benutzen können. Die Bauern könnten mehr verdienen, wenn die beiden Seiten nicht die Gebühren für Fair Trade abdrücken müssten !”

Illy übersieht dabei allerdings, dass das Fair Trade Label vor allem ein Signal an die Verbraucher ist, die die Angaben über “faire Handelspraktiken” sonst nicht nachprüfen können. Dazu schreibt Corinna Haitzer in einer Diplomarbeit (pdf):

“Kunden und Handelspartnern des Fairen Handels muss garantiert werden, dass Fair Trade Vertrauen verdient und festen Kriterien genügt. Daher sind Standards für die Auswahl der Handelspartner – sowohl der Import- als auch der Produzentenorganisationen in Afrika, Asien und Lateinamerika – erforderlich. Nur damit ist gewährleistet, dass alle Teilnehmer an dieser alternativen Handelsstruktur zu Recht behaupten können, Fairen Handel zu betreiben (www.weltlaeden.at 02/2006). Nur wer sich vertraglich verpflichtet, die Kriterien des Fairen Handels einzuhalten, darf sein Produkt mit dem Fairtrade-Gütesiegel auszeichnen.

Aufgrund der großen Unterschiede zwischen den Produkten gibt es zwar eine Reihe von Basiskriterien, die es für einen Fair Trade Unternehmer zu erfüllen gilt, jedoch darüber hinaus existiert für jede Warengruppe ein spezifischer Anforderungskatalog, den die Produzenten erfüllen müssen, wenn sie ihre Erzeugnisse unter dem Fairtrade-Siegel verkaufen wollen. Diese spezifischen Kriterien werden in Zusammenarbeit mit den betroffenen Produzenten und internationalen Entwicklungsexperten festgelegt. Sie lassen sich in drei Kategorien einteilen: Soziale, Wirtschaftliche und Umweltstandards.”

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