Geld mit Fußball … verlieren – oder doch gewinnen?

by Gastbeitrag on 27. März 2010

Gastbeitrag von Michael Singer*

Dass Fußballvereine Wirtschaftsunternehmen sind, wissen wir schon lange. Das manifestiert sich nicht nur im harten Management, Gewinn- und-Verslustrechnungen, Jahresabschlüssen und dem Zwang nach wirtschaftlicher Betriebsführung. Vereine werden auch einfallsreich, wenn es um Schuldentilgung oder Finanzierung geht.

Der Börsengang von Borussia Dortmund im Oktober 2000 war hier wohl die erste und deutlichste Verquickung zwischen Fußballverein und Wirtschaftsunternehmen. Ausgegeben zu einem Preis von 11 Euro notiert die Borussen-Aktie inzwischen aber nur noch mit ca. 10% des ursprünglichen Kurses.

Kein Geringerer als Karl-Heinz Rummenigge – immerhin Präsident von Bayern München, dessen Verein wohl keine finanziellen Probleme hat, obwohl das letzte Geschäftsjahr „nur“ noch mit einem Gewinn von 2,5 Mio. Euro abgeschlossen hat, hat nach dem Börsengang von Borussia Dortmund beim 1. Absolvententreffen des Studienganges Steuer- und Revisionswesens an der Fachhochschule Pforzheim „gestichelt“: „Ich würde Ihnen raten, kaufen Sie sich keine Fußball-Aktien. Und wenn Sie welche haben: Schnell weg damit“. Der FC Bayern München lässt sich dann auch lieber über eine Kapitalbeteiligung von Sponsoren finanzieren – ob es nun die bestehende 10%-Beteiligung von Adidas ist oder die Gerüchte im letzten Jahr, dass mit Audi über einen weiteren Einstieg verhandelt wird.

Letztes einschlägiges Beispiel ist der 1. FC Nürnberg. Unter dem Motto „Die Legende lebt – Wir sind der Club“ gab der alte Rekordmeister, der momentan wieder Chancen auf einen Verbleib in der 1. Liga sieht, eine Anleihe heraus. Finanziert werden soll damit die neue Club-Heimat. „Schwerpunkt des Neubaus ist das Fußball-Internat für die Talente des 1. FC Nürnberg – nach dem Motto: Starke Jugend, starker Club! Im Mittelpunkt des neuen Fußball-Internats stehen neben Unterrichtsräumen für theoretische Schulungen und Taktik-/Videoanalysen vor allem 15 Zimmer für die Jugendspieler und ein Zimmer für den Internatsleiter. lt. Webseite des 1. FC Nürnberg „ – so heißt es auf der Webseite des Clubs.

Die Zeichnungsfrist lief vom 10. Dezember 2009 bis zum 19. März 2010. Ich bitte schon mal vorsorglich um Entschuldigung bei Zeichnungswilligen, die diese Frist verpasst haben. Die Anleihe gab es in den Stückelungen 100, 200 und 500 Euro – übrigens auch als Schmuckanleihe, die sich der Fan zuhause an die Wand hängen kann. Die Eckdaten klingen mit 6% Verzinsung mit einem Anlagezeitraum von 6 Jahren auf den ersten Blick attraktiv – auch ohne ideelle Beweggründe. Eine echte Alternative für Festgeld, das momentan auf 5 Jahre in der Spitze etwa 4% bringt?

Bei der Club-Anleihe handelt es sich lt. Verkaufsprospekt um eine Inhaberschuldverschreibung. Emittent ist der 1. FC Nürnberg, der damit für die Sicherheit und Rückzahlung haftet. Dazu heißt es auch im Verkaufsprospekt: "Die Schuldverschreibungen stellen unbesicherte, nicht nachrangige Verbindlichkeiten des Emittenten dar, die untereinander und mit allen anderen unbesicherten und nicht nachrangigen Verbindlichkeiten des Emittenten gleichrangig sind, mit Ausnahme von Verbindlichkeiten, denen durch zwingende gesetzliche Bestimmungen ein Vorrang eingeräumt wird."

Im Falle einer Zahlungsunfähigkeit des Vereins droht also Anlegern ein Totalverlust. Dass das nicht ganz so weit hergeholt ist, zeigt die Geschichte, als der DFB 1995 dem 1. FC Nürnberg und Hertha BSC Berlin wegen Überschuldung der Vereine die Lizenz für die laufende Spielzeit entzogen hat und beide Mannschaften auf die Abstiegsplätze zur Regionalliga zurückgestuft hatte.

Auch die aktuelle finanzielle Situation des 1. FC Nürnberg ist mit 5,8 Mio. € Verlust zum Bilanzstichtag des letzten Jahres nicht gerade prickelnd. Ein Abstieg aus der 1. Liga würde das Ergebnis noch weiter belasten. Außerdem ist die Schuldverschreibung nicht börsennotiert, kann also während der Laufzeit nicht ohne weiteres verkauft werden.

Einen ideellen Wert hat die Club-Anleihe jedoch sicherlich für den Fan, der sich seine Schmuckanleihe zuhause aufbewahren kann und obendrein auch namentlich auf einer großen Tafel in der neuen Geschäftsstelle genannt werden soll. Anscheinend ist die Anleihe auch – zumindest in diesen Kreisen – gut angenommen worden. Die Zeichnungsfrist wurde nicht verlängert und man konnte sowohl im Stadion als auch in der Geschäftsstelle oder bei den örtlichen Raiffeisenbanken zeichnen. In den letzten Tagen haben das dann auch der Nürnberger Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly und der bayerische Ministerpräsident a.D. Dr. Günther Beckstein getan.

Wollen wir hoffen, dass der 1. FC Nürnberg erfolgreich wird bzw. bleibt – ein „Selbstgänger“ ist es jedoch nicht.

*Michael Singer, erfahrener Senior Controller. Website: http://www.controllinginhamburg.de/

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