Warum sich der Blick Log nicht für das Comeback von Schumacher in der Formel 1 interessiert

by Dirk Elsner on 28. März 2010

Wenn man sich vor zwei Wochen einem Thema nicht entziehen konnte, dann war es das Comeback von Michael Schumacher in der Formel 1. Als Blog unterliegt man bei solchen Hypes leicht der Versuchung, diesem ebenfalls zu folgen, um damit die Besucherzahlen nach oben zu treiben. So hätte ein Wirtschaftsblog über die ökonomische Wirkung dieses Comebacks und die Freude von Sponsoren und Medien schreiben können.

Was mich aber viel mehr interessiert hätte, wäre eine exemplarische Untersuchung eines Medienhypes am Beispiel des Comebacks von Schumacher. Der Spiegel hatte in seiner Ausgabe vom 8. März einmal eine Darstellung über die Chronik einer Hysterie zur Schweingrippe. Einen Bericht in der Art bezogen auf die “Schumi-Hysterie” hätte ich sofort gelesen.

Schumachers Rückkehr hat mit Sicherheit keine sportlichen Gründe, denn es dürfte mittlerweile viele Fahrer geben, die ihm sportlich das Wasser reichen können oder besser sind. Der Wiedereinstieg von Schumacher folgt einer wohlüberlegten Vermarktungskalkulation. Dabei spielen die Medien eine zentrale Rolle. Die Akteure der Formel 1 konnten annehmen, dass Schumachers Comeback eine Medienhysterie entfachen würde. In der Kommunikationsforschung spricht man von Mediatisierung und meint damit die Unterordnung an die Erfolgsbedingungen der Medien. Ein übrigens hochinteressantes Thema.

Die Mediatisierung wird meist im Zusammenhang mit Tagespolitik thematisiert (siehe dazu Politikvermittlung v. Hans Mathias Kepplinger, S. 117), Jo Reichertz schreibt dazu in Aus Politik und Zeitgeschichte (12/2007):

“Mediatisierung meint … den Prozess der Ausrichtung und Gestaltung des Handelns von gesellschaftlichen Akteuren auf die Medien und deren Berichterstattung hin. … Dies versuchen politische Akteure zunehmend dadurch zu erreichen, dass sie allen „Stakeholders“ eine Visualisierung oder „Versinnbildlichung“ ihrer Politik anbieten, die ihnen die Erzeugung dieser Legitimität ermöglicht bzw. nahe legt. Politik und Politiker – obwohl schon immer auf Inszenierung angewiesen und deshalb darin ausgewiesen – müssen in erheblich gesteigertem Maße inszeniert werden, wobei sich alle beteiligten Akteure immer mehr darauf ausrichten, Ereignisse zu dramatisieren oder allgemeiner: zu theatralisieren.“

Da ich aber weder eine kommunikationswissenschaftliche Ausbildung habe, noch mich für Formel 1 interessiere, bleibt das Thema Mediatisierung der Formel 1 vorerst unbehandelt. Auf meine Merkliste für spätere Beiträge bleibt es freilich, weil die Mediatisierung auch bei manch einer Unternehmensentscheidung eine wichtige Rolle spielt.

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