Schuldenkrise in Griechenland und Europa macht Wirtschaftspresse zum Boulevard

In diesen Wochen hat man das Gefühl, Wirtschaftsschlagzeilen befassen sich nur noch mit Griechenland und Goldman Sachs. Ich will das Thema inhaltlich heute nicht erneut stressen, sondern einfach einmal auf die Boulevardisierung der Schlagzeilen der Wirtschaftspresse hinweisen. Ähnlich wie im Herbst 2008/Winter 2009 (siehe dazu z.B. Der Tag, an dem Wirtschaft stillsteht) gefällt sich die Presse im Wettrennen um die schrillsten Aufmacher. Hier meine Top 10 (die Bild ist übrigens nicht dabei):

IWF/Bundesbank/Brüssel warnen: Griechenland-Virus könnte gesamte EU befallen

Querdenker prophezeien: Schuldenorgie wird Finanzmärkte ins Chaos stürzen

Spekulanten: Chef-Finanzaufseher spricht von "Angriffskrieg gegen Euro-Zone"

Franck Biancheri im Interview: . . . → Read More: Schuldenkrise in Griechenland und Europa macht Wirtschaftspresse zum Boulevard

Eine Ursache der Finanzkrise verdeutlicht die Schelte der Credit Suisse

In Deutschland interessiert sich zwar kaum einer für die Aufarbeitung der Finanzkrise bzw. man hat in Vorverurteilungen bereits die Bösewichter bei Bankmanagern, Aufsichtsbehörden und Politikern ausgemacht. Der Blick Log interessiert sich aber auch für die Feinheiten der Krisenursachen (siehe dazu die beiden Mindmaps fundamentale Krisenursachen und Mindset). Die Lektüre eines Artikels von Torsten Riecke über die Credit Suisse rief nun wieder Mechanismen ins Gedächtnis, die ebenfalls zum Gau der Finanzmärkte beigetragen haben.

Thorsten Riecke schrieb in der Printausgabe des Handelsblatts (paid content) zu den Quartalszahlen der Schweizer Großbank, die übrigens nicht mit Staatshilfe gerettet werden musste (Unterstreichungen durch Blick Log):

“Mit ihrem Fokus auf risikoarme Erträge schneidet die Schweizer Bank schlechter ab als die Konkurrenz. Die Märkte sind enttäuscht. Sie verlangen höhere Gewinne.”

Die Credit Suisse versucht, eine langweilige Investmentbank zu werden, und ist dafür von den Börsianern abgestraft worden. Obwohl die Eidgenossen mit gut zwei Mrd. Franken einen ordentlichen Gewinn und mit 22 Prozent eine glänzende Eigenkapitalrendite ablieferten, sackte der Börsenkurs um mehr als fünf Prozent ab. Konzernchef Brady Dougan musste sich von Analysten fragen lassen, warum seine Bank im ersten Quartal weniger stark von dem boomenden Geschäft auf den Kreditmärkten profitiert hat als die Konkurrenz. Dougans Antwort, dass die Credit Suisse stabile Erträge bei geringen Risiken biete, überzeugte die Experten nicht. Die Märkte schauen stärker auf Ertragszahlen als auf Risikoparameter.

Hier sind also einmal die Analysten, die durch ihre abgestumpfte Fragestellung der Bank quasi ihre konservativere Risikopolitik vorwerfen. Sie haben offenbar einem Herdentrieb folgend vergessen, dass ihre Forderungen nach hohen Renditen die Risikobereitschaft der eigenen Finanzbranche erst herausgefordert haben.

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Warum sich der Blick Log nicht für das Comeback von Schumacher in der Formel 1 interessiert

Wenn man sich vor zwei Wochen einem Thema nicht entziehen konnte, dann war es das Comeback von Michael Schumacher in der Formel 1. Als Blog unterliegt man bei solchen Hypes leicht der Versuchung, diesem ebenfalls zu folgen, um damit die Besucherzahlen nach oben zu treiben. So hätte ein Wirtschaftsblog über die ökonomische Wirkung dieses Comebacks und die Freude von Sponsoren und Medien schreiben können.

Was mich aber viel mehr interessiert hätte, wäre eine exemplarische Untersuchung eines Medienhypes am Beispiel des Comebacks von Schumacher. Der Spiegel hatte in seiner Ausgabe vom 8. März einmal eine Darstellung über die Chronik einer Hysterie zur Schweingrippe. Einen Bericht in der Art bezogen auf die “Schumi-Hysterie” hätte ich sofort gelesen. Continue reading Warum sich der Blick Log nicht für das Comeback von Schumacher in der Formel 1 interessiert

Medienkrise und Paid Content: Wie im Web Geld verdienen (Video)

Die Verleger fühlen sich von Google enteignet und verlangen staatliches Eingreifen, einige denken laut über Bezahlinhalte nach, und in den USA übernehmen bereits gemeinnützige Stiftungen die Finanzierung investigativer Reportagen. Derweil verdienen journalistische Einzelkämpfer teils gutes Geld. Was machen sie anders? Oder was wäre noch denkbar? Ein Video des Handelsblatts.

Regulating for an independent media: The problems of political and commercial bias

Matthew Ellman Fabrizio Germano*

Is there a crisis in the media and journalism? This column alleges that advertising has seriously interfered with the quality, accuracy, and breadth of content and programming in the media. It calls for vigorous competition in media markets and public funding of informative media as a public good.

There is a crisis in media and journalism, and policymakers have to tackle both political and commercial influence in the media.

Political bias has been thoroughly analysed in the economics literature, but commercial bias has received markedly less attention than it deserves. For decades, commercial interests delayed public awareness of tobacco health risks. The literature on tobacco and public health contains the most systematic evidence. Health risks went essentially unreported in the mainstream press for decades (Baker 1994;Bagdikian 2004).

Reporting on climate change and its causes suffered similar delays. More recently, some critics are suggesting that business interests (especially of insurance and pharmaceutical companies) are impeding an informed and balanced media debate on healthcare reform in the US. Others claim that a truly independent media could have helped to avert or mitigate the current financial and housing crises.

In a recent article, we show how advertising can seriously interfere with the quality, accuracy, and breadth of content and programming in the media (Ellman and Germano 2009). Biased content is most likely when competition amongst media outlets is limited or when advertisers are large and can threaten to withdraw their advertising business from the media. The analysis extends to media dependence on any business or state actors that can substantially affect media company profits.

Analysing the delicate interaction between advertisers, financiers, media outlets, and media audiences within a two-sided markets framework generates new insights for policymakers. Our work points to the need for independent media and makes the case for promoting competition and public funding.

Mechanisms of influence

There are two basic mechanisms, beyond direct ownership, through which businesses can distort media reporting. First, the media earn a share of advertising surplus and can therefore benefit from making advertising more effective. Frequent reporting on cancer lowers returns to tobacco advertising. Reports linking carbon emissions to global warming may put off viewers from buying fuel-intensive cars. Dumbing down appears to enhance most types of television advertising.

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Mindmap zum Brainstorming über Paid Content

Vor einigen Wochen hatte ich angesichts des Hypes zum Thema Paid Content gestanden, dass ich bereit wäre, für Qualitätsjournalismus im Netz zu zahlen, wollte dabei jedoch nicht in der Breite meine Wahlmöglichkeiten beschränkt werden. In dem Beitrag hatte ich dann über verschiedene Modelle sinniert, wie ich sie mir als intensiver Medienuser vorstellen könnte. Darunter war ein Modell, dass ich Qualitätscontainer nannte und in ähnlicher Form derzeit von Google konzipiert wird. Jedenfalls hatte ich am Ende des Beitrags geschrieben, ich hätte Interesse an einem gemeinsamen Brainstorming über verschiedene Modelle, ihre ökonomischen Konsequenzen und die Auswirkungen auf die Webnutzung. Heute wollen wir uns zu diesem kleinen Brainstorming zwischen Medienmachern und Mediennutzern treffen und ich bin  gespannt, was dabei raus kommt. Wir werden sicher Schlüssel zu Midas Schatzkammer entdecken.

Und ich habe etwas gemacht, was man eigentlich vor einem Brainstorming nicht machen sollte, nämlich vorher darüber nachgedacht. Andererseits sortiere ich für Themen, insbesondere, wenn sie nicht zu meinen Kernkompetenzen gehören, gern meine Gedanken. Daher habe ich das Thema Paid Content bei der Lektüre verschiedener Beiträge ebenfalls in eine Mindmap gegossen. Verlags- und Medienfachleute, die sich diese Mindmap anschauen bitte ich um Nachsicht für nicht fachgerecht verwendete Begriffe, ich komme halt nicht aus der Branche. Dafür denke ich in Zahlungskategorien und als Blogbetreiber und Medienkonsument in Nutzenkategorien.

 

Die Map ist ein erster Wurf, der mir geholfen hat die Ansätze und Kriterien verschiedener Ideengeber zu strukturieren. Das kann man sicher auch anders darstellen. Aber diese Map, die ich ähnlich “leben lassen” möchte wie die Mindmaps zu Opel, Arcandor oder der Finanzkrise, darf sich weiter entwickeln.  Und ich nehme natürlich gern Anregungen, Änderungsvorschläge entgegen und ergänze diese darin. In die Mindmap selbst lassen sich außerdem Erläuterungen und Links einfügen. Ein Klick auf Map maximieren vergrößert die Darstellung.

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Kreditkarten: Die ausgebliebene Medien-“Monsterwelle”

Der Blick Log hat sich seit Beginn der heißen Phase der Finanzkrise im September 2008 an der medialen Übertreibungen der Finanz- und Wirtschaftskrise gestört. Dies lag vor allem an der Befürchtung, dass die negative Übertreibung bestimmter Sachverhalte bei einem ohnehin verunsicherten Publikum zu einer Verstärkung der Verunsicherung führen kann. Genauer hatte ich das in dem Artikel “Medien als Beschleuniger der Finanzkrise und des Wirtschaftsabschwungs?” betrachtet.

Ein typisches Beispiel für mediale Übertreibungen waren die Berichte über die Kreditkartenrisiken. Meine Lieblingsartikel in diesem Zusammenhang waren “Die nächste Monsterwelle heran” (Handelsblatt) und “Die nächste Kreditkrise naht” (Financial Times) und stammen aus der Hochzeit der Verunsicherung Mitte November 2008.

Mir ging es in meinen unten stehenden Artikeln nicht um Verharmlosung, sondern um Einordnung und realistische Darstellung der tatsächlichen Situation und Risiken.

Immerhin hat nun das Handelsblatt nun vorläufig die Kreditkartenkrise für beendet erklärt, sieht aber immer noch eine Welle rollen:

“Die einst boomende US–Kreditkartenbranche steht vor einem politisch und wirtschaftlich erzwungenen Umbruch. Obwohl es erste Anzeichen der Besserung gibt, dürfte ihr etwa die hohe Arbeitslosigkeit bis ins kommende Jahr hinein hohe Ausfallraten bescheren. Und die Welle rollt von jenseits des Atlantiks auf Europa zu.”

Immerhin ist es diesmal keine Monsterwelle.

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Paid Content für journalistische Medien: Der Blick Log würde ja zahlen, wenn …

Es war klar, dass alle Medien gleich auf den Vorschlag von Rupert Murdoch anspringen, die “Kostenloskultur” im Netz abzuschaffen. Unter dem Druck schrumpfender Einnahmen wittern Verlage nun Morgenluft und wollen intensiver nachdenken, wie sie die Internetnutzer zur Kasse bitten können. Der “technologische Analphabet” Rupert Murdoch will ausgerechnet mit der „Sun“ vorangehen, der Springer-Verlag gleich (mit der Bild?) hinterher. Konkrete Strategien bleiben derweil im Morgennebel verdeckt. Ich bin daher sehr gespannt, wie Murdochs Wende in der Praxis umgesetzt wird.

Eine hohe Aufmerksamkeit ist ihm garantiert. Die professionellen Pressemedien begrüßen die Initiative, bleiben aber skeptisch, was den Erfolg betrifft.  So schreibt etwa das Handelsblatt:

Bei den meisten Verlagen dürften die Netz-Abo-Einnahmen nicht reichen, um den Einbruch bei den Anzeigenerlösen auszugleichen. Andererseits fehlen wirtschaftliche Systeme, um ein Bezahlen pro Artikel zu ermöglichen – abgesehen davon, dass die Nutzer sich bei diesen Diensten zunächst registrieren müssten.

Tatsächlich scheinen die Ideen zur erfolgreichen Monetarisierung weiter zu fehlen. Als Vorbilder werden zwar durchgehend das Wall Street Journal und die Financial Times genannt. Starke Zweifel bestehen indes, ob dieses Modell von Fachmedien auch auf andere Rubriken ausgedehnt werden kann. Erfolgreich wäre eine Monetarisierung dann, wenn der Barwert durch in welcher Form auch immer erfolgte Berechnung von Content höher wäre als der Verlust an Werbeeinnahmen, der wegen des erheblichen Besucherrückgangs erwartet wird.

Unbestritten ist, dass der Traffic stark abnehmen würde, wenn der gleiche und bislang kostenlose Inhalt künftig berechnet würde. Nutzer, die sich jetzt täglich Meinungen zu ihren Lieblingsthemen von verschiedenen Medien holen, sind nicht bereit, sich bei vielen Websites für einen fixen Monatsbeitrag registrieren zu lassen. Ich scanne regelmäßig (täglich bis wöchentlich) zwischen 30 und 50 journalistische Medienseiten (ohne Blogs), einige davon nur zu speziellen Themen. Es ist doch klar, dass ich dafür nicht jeweils 5 € zahlen werde.

In Deutschland wäre ich bereit, für Handelsblatt Online, dessen Printausgabe ich ohnehin abonniert habe, sogar noch zusätzlich für den Onlineauftritt zu zahlen. Je nach Preis vielleicht zusätzlich für FAZ oder FTD. Aber eigentlich möchte ich mich nicht auf drei Medien beschränken.

Eine Preis für Einzelbeiträge aus dem Archiv wäre im Prinzip ok, wobei die Preishöhe hier entscheidend ist. Vor kurzem habe ich für den Abruf eines Artikels aus der C´t 30 Cent bezahlt. Der Preis war fair und ich habe ihn bezahlt, obwohl ich die Zeitschrift ebenfalls im Abo beziehe. 2 € dagegen für einen Einzelartikel aus der FAZ mögen im kommerziellen Umfeld gerechtfertigt sein, in keinem Fall allerdings für die private Nutzung. Da braucht mir auch keiner mit “Qualitätsjournalismus hat seinen Preis” zu kommen.

Ich habe mal darüber nachgedacht, was mir der Internet-Informationskonsum insgesamt pro Monat wert wäre. Auf jeden Fall mehr als GEZ-Entgelt, Digital-Kabel und Pay-TV, also in der Summe etwa 30 bis 50 Euro je nach Nutzungsvolumen. Allerdings wäre es für mich ein absolutes No-Go jeweils einzelne Artikel über eine umständliche Prozedur (wie jetzt bei click and buy) freischalten zu müssen.

Aus dem gerade geschriebenen wäre also eine Schlussfolgerung, die Qualitätsmedien schließen sich in welcher Form auch immer zusammen, schaffen eine einheitliche technische Abrechnungsform, die z.B. in einer Art Qualitätscontainer einen pay-per-view oder noch besser eine Flatrate ermöglichen. Abgerechnet werden könnte dann etwa über ein Browser Add-on. Bei einer Flatrate würde dann einfach das gezahlte Entgelt vom Container-Owner auf die Medien nach Nutzung verteilt werden. Skeptiker werden hier Probleme sehen, weil triviale Nachrichten mehr Klicks anziehen als anspruchsvolle Informationen.

Beim Pay-per-View bleibt aber das Problem des Informationsparadoxons. Das Informationsparadoxon nach Arrow beschreibt die Problematik, dass der Wert von Information erst ermittelbar ist, wenn die Information bereits bekannt ist. Ist die Information jedoch bereits bekannt, muss sie nicht mehr beschafft werden. Bewertung und Handel von Information wird so vor die schwierige Aufgabe gestellt, die Information auf der einen Seite unter Verschluss zu halten, auf der anderen Seite aber einen marktgerechten Preis zu bilden.

Den besten Ausweg aus diesem Paradoxon hat für mich bisher PaperC entwickelt. Hier kann ich den Content kostenlos ansehen und in tausenden Büchern ohne Zahlung blättern und lesen. Man zahlt dann, wenn man eine Seite weiterverwenden will, also Textteile kopieren, speichern, ausdrucken will. Das System ist einfach zu bedienen. Man loggt sich einmal ein und löst mit wirklich einem Klick die Zahlung aus. Den Preis von 5 Cent pro Seite halte ich dabei für ausgesprochen freundlich. Ich persönliche wäre auch bereits 10 Cent pro Seite zu bezahlen oder eine bestimmte Nutzungspauschale.

Natürlich gibt es weitere Möglichkeiten, die Inhalte professioneller Medien zu monetarisieren. So verstehe ich bis heute nicht, warum Zeit und Spiegel ihre kompletten Archive kostenlos zur Verfügung stellen. Archive sind bares Geld wert. Man könnte aus meiner Sicht hier mehr verlangen als nichts, sicher aber nicht 2 € pro Artikel wie die FAZ.

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Basic über Buzzriders

“Blogger Robert Basic hat ein neues Projekt: Buzzriders. Damit will ein Stück weit von der Medienkrise profitieren – und den klassischen Verlegern zeigen, wie Inhalte einmal anders präsentiert werden können. Handelsblatt-Redakteur Thomas Knüwer sprach mit Basic über den neuen Online-Dienst und was der mit Bürgerjournalismus zu tun hat.” Quelle Handelsblatt

Die Blicke auf ausgewählte Schlagzeilen: Technik, Medien und Blickrand

dpa: Radikaler Umbau soll DPA aus der Krise helfen:   Die Kunden kündigen, die Ansprüche steigen. Deutschlands größte Nachrichtenagentur DPA steht massiv unter Druck und plant eine engere Verzahnung von Text, Bild, Grafik, Audio und Video. Konkurrent DDP erzielt dagegen ein Rekordergebnis – und rechnet einer Konsolidierung der Branche.

HB: Was das neue iPhone 3G S zu bieten hat

FAZ: Twitter Massenphänomen ohne Geschäftsmodell: Twitter ist in kürzester Zeit zum neuen Liebling der Internetbranche aufgestiegen und mittlerweile mehr als ein Forum für Banalitäten. Spätestens seit den Wahlen in Iran ist die politische Relevanz der Mikrobotschaften unumstritten.

Mikroblogging – „Es . . . → Read More: Die Blicke auf ausgewählte Schlagzeilen: Technik, Medien und Blickrand

Lesehinweis: über das Gerede von der Krise und mediale Ansteckungseffekte

Rudolf Bretschneider geht in einem Artikel heute in der Wiener Zeitung den Ansteckungseffekten in Krisenzeiten nach. Er zeigt, wie sich die Finanzkrise von Fachpublikationen in die Wirtschaftsteile der Tagespresse und anschließend auf die Titelseiten hocharbeitete. Bretschneider macht auf das Phänomen aufmerksam, wie häufig die Finanzkrise mittlerweile für viele Pseudoerklärungen missbraucht wird:

“Die “Krise” dient zur Pseudoerklärung für vieles. Sie bedient das weitverbreitete Bedürfnis, eine Ursache für ein (neues) Phänomen zu benennen; und weil sie so allgegenwärtig erscheint, braucht man oft nur wenige Gedankenschritte, um von ihr auf das zu Erklärende zu kommen. Strenge Beweisführung, die bei sozialen . . . → Read More: Lesehinweis: über das Gerede von der Krise und mediale Ansteckungseffekte

Medien-Monitoring: Offline googeln lassen

Einen Einblick in die Arbeit von Medien-Monitoring-Firmen liefert Dirk Böttcher im Artikel Schnipsel-Jagd in brandeins. Medien-Monitoring? Das sind Firmen, die in Old-School-Manier monatlich 30 000 Printausgaben von 1100 Tages- und Wochenzeitungen, rund 800 Publikums- und Kundenzeitschriften, 900 Fachmagazine und 1300 Anzeigenblätter durchschauen und für Unternehmen, Politiker und Medien Presseschauen zusammenstellen nach Wunschkriterien. “Was nach zwanghafter Sammelwut klingt, gilt einer Umfrage der Universität Leipzig zufolge für mehr als 80 Prozent der europaweit befragten PR-Professionellen als wichtigstes Instrument für die Erfolgsmessung der eigenen Arbeit,“ schreibt Böttcher als Erklärung. Und weiter:

“Tatsächlich bedient der allmorgendliche Pressespiegel Eitelkeiten einzelner Personen in den Führungsetagen, . . . → Read More: Medien-Monitoring: Offline googeln lassen

Bloggerstreit mit Süddeutscher und Spiegel Online

Eine putzige Debatte in der Blogosphäre hat das „Süddeutsche Zeitung Magazin” mit einem Themenheft ausgelöst. Befeuert von Medienblogger Stefan Niggemeier hat sich die Blogosphäre eingeschossen auf die SZ und weitere Medien, die einen recycelten Artikel des Reuters Mitarbeiter Felix Salmon leicht modifiziert nachdruckten, um damit wieder einmal ein Schüssschen auf die deutsche Blogszene abzufeuern.

Von der SZ gut kalkuliert springt die gewohnt empfindliche Bloggerszene sofort auf die Provokation an (siehe den Kommentarthread bei Stefan Niggemeier). Egghat weist darauf hin, dass es zu Salmons Beitrag bereits eine durch den US-Blog Creditwritedown (“The German econblogger space is just fine”)  ausgelöste Mini-Debatte gegeben hat. Schade, dass die nachdruckenden Websites dies komplett ignorieren, zumal Edward Harrison im Gegensatz zu Salmon tatsächlich als renommierter US-Blogger gilt.

Wohl typisch für Deutschland, dass Blogs und Medien, wenn sie sich ausnahmsweise mal miteinander beschäftigen, gegeneinander anstänkern und damit in den USA wohl Kopfschütteln auslösen dürften. Dort ist man viel weiter und probt längst neuen Formen der Zusammenarbeit. Das würde ich mir für die deutschsprachige Szene ebenfalls wünschen.

Zarte Versuche der FAZ, des Handelsblatts, der Zeit, des Freitag und sogar der Bild zeigen, dass etwas gehen kann. Natürlich ist das zaghaft, aber es zeigt eine gewisse Experimentierfreude. Und genau die vermisse ich bei Spiegel Online der Süddeutschen oder der FTD. Das hat praktische Konsequenzen: Medien, die sich über Verlinkungsdienste wie Twingly (Handelsblatt, Wirtschaftswoche, Bild) oder gar eigene Beiträge (Zeit, Freitag) den Bloggern öffnen, erhalten von der Blogosphäre größere Aufmerksamkeit in Form von Links. Auch wenn kein deutscher Blog die Reichweite einer Arinna Huffington erreicht, nimmt die relative Bedeutung der Blogs und ihrer Links in der Summe zu.

Den Bloggern tut dennoch ein wenig Respekt vor den “klassischen” Medien gut, denn Blogs benötigen sie als zentralen Nachrichtenlieferant und als Multiplikator. Ohnehin ist mir nicht klar, warum man sich gegenseitig immer wieder über die jeweils andere Gruppe erheben muss. Wer sich selbst erhöht, der fällt tiefer, hat bestimmt mal ein schlauer Mensch gesagt. Beide Seiten sollten ihre jeweils arrogante und selbstgefällige Grundhaltung in die Klischeekiste packen und überlegen, wie sie gemeinsam Produktives für die Infojunkies leisten können. Ideen gibt es dazu genug.

Die großen Onlinemedien könnten anerkennen, dass die Stärke von guten Blogs gerade darin besteht, ihre Nachrichten aufzunehmen, anzureichern, neu zu interpretieren und den Denkhorizont zu erweitern. Dies können traditionelle Onlinemedien gar nicht selbst leisten. Sie sind nicht in der Lage, in einem Beitrag die Vielfalt der Blogosphäre und deren Know-how abzubilden. Blogs dagegen können je nach Lust und Engagement ihrer Betreiber bestimmte Themenschwerpunkte viel intensiver abdecken und mir ihrer persönlichen Note versehen. Dass sie dabei stilistisch manchmal daneben liegen, sollte auch für Textästheten verkraftbar sein.

Nur eine Randnotiz ist, dass Spon Salmon als einen der erfolgreichsten US-Blogger zu Wirtschaft und Finanzen bezeichnet. Salmon mag ein guter Journalist sein, als Blogger nimmt ihn die Blogszene nicht wahr.

Hm, jetzt habe ich mich doch intensiver mit dieser Debatte befasst, als ich das vorhatte. Dabei hätte eigentlich gereicht auf die humoristische Antwort im Blog Stilstand zu verweisen mit “Des Deutschen Internetphobie

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Medien mit Schweinegrippe angesteckt

Etwas kleinlaut klangen am Wochenende erste Rückzugsgefechte einiger Medien zum Hype der vergangenen Woche: Die Schweinegrippe (aka Mexicogrippe, aka H1N1). Aber so wirklich will sich noch keiner verabschieden von dem erregenden Erreger. Während RP-Online von vorsichtiger Entwarnung schreibt und die NZZ einräumt “Schweinegrippe breitet sich langsamer aus”, will man bei Bild ein Abschlaffung verhindern und setzt auf ”Keine vorzeitige Entwarnung”.

Warriors

(Quelle: flickr/Sarihuella)

Unter den Schlagzeilen auch die eine oder andere Skurilität, wie ebenfalls auf RP-Online, die schreiben: Landwirt hat offenbar Schweine angesteckt. Andere, wie z.B. das Handelsblatt setzen weiter auf den Bedrohung mit Schlagzeilen wie “Wie die Schweinegrippe die Wirtschaft bedroht” oder “Schweinegrippe-Fälle verdoppelt”. Auch die Aussichten verheißen nichts Gutes, denn “Wall Street blickt auf Stresstests und Grippevirus”.

Wenig mediale Selbstreflektion ist bisher zu finden. Immerhin gibt sie, wie z.B. von Michael Miersch in in seinem Leitartikel in der Welt am Sonntag :

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Psychologie der Schweinegrippe: Mehr Medienfurcht als Gefahr

“Schweinerei!” wird so manch ein Chefredakteur gestern morgen geflucht haben, als er hörte, dass in Mexiko nach neuen Zahlen der Behörden  “nur” 26 Fälle der Mexicogrippe bestätigt wurden und statt über 100  “nur” sieben Infizierte gestorben sind. Mittlerweile sieht auch Spiegel Online erste Zweifel an der Gefährlichkeit der Influenza.

Die angebliche “Hysterie” zur “Seuche” findet vorwiegend in den Köpfen der Redaktionen statt. Ich kann mir schon vorstellen, wie in diesen Tagen Fotografen die Innenstädte in der Hoffnung durchstreifen, die ersten Bürger mit Mundschutz herumlaufen zu sehen. Dann werden flux die Fotos mit der Überschrift betitelt: “Schweinegrippe: Panik in deutschen Metropolen”. Glücklicherweise sind die Bürger dieses Landes besonnener, als es die um ihre schwindenden Auflagen fürchtenden Redakteure erwartet haben.

Hier zunächst der Hypevergleich in Google-Trends zu Schweinegrippe, Klinsmann und Wirtschaftskrise.

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Die aktuelle Berichterstattung zur Influenza-Epidemie erinnert an die Zeit als die Vogelgrippe das Thema Nummer 1 war. “Die Menschen waren besorgt, sie versuchten, sich mit dem Medikament Tamiflu einzudecken, das bald ausverkauft war in den Apotheken. Panik, obgleich es am Ende laut Weltgesundheitsorganisation keinen einzigen Toten, noch nicht einmal einen Erkrankten in Europa gegeben hat. Die Vogelgrippe blieb im Wesentlichen auf Südostasien beschränkt.” So die Einleitung zu einem einem aufschlussreiches Interview im Deutschlandfunk zur “Psychologie der Schweinegrippe” mit dem Risikoforscher Professor Ortwin Renn (Podcast dazu hier). Renn hält die Gefahr einer Pandemie in Zusammenhang mit der Neuen Grippe für gering. Renn sagte weiter:

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Handelsblatt Inside

Am vergangenen Mittwoch hatte ich die große Freude, das Handelsblatt in Düsseldorf besuchen zu können. Ich habe mich dort mit Olaf Storbeck getroffen, der die Ökonomie-Seite der Zeitung verantwortet. Es war längst nicht mein erster Besuch bei einem Medium. Aber bisher hatte ich noch nie das Vergnügen, bei einer Konferenz lauschen zu dürfen. Dies ist beim Handelsblatt möglich, weil die Blattmacher sich nicht abgeschottet hinter Glaswänden einschließen, sondern an einem Konferenztisch am Rande eines Großraumbüros tagen.

In dieser Mittagskonferenz ging es um die Platzierung der Beiträge für die Printausgabe des nächsten Tages. Zwei Dinge sind mir dabei besonders aufgefallen:

1. Es hat sich wieder einmal bestätigt, und das läuft bei anderen Medien nicht anders, wie sehr bei Themen nach Konfliktstoffen gesucht wird. Sie eignen sich wohl einfach besser als Aufmacher. Auch in dieser Konferenz spielten die Flut negativer Meldungen eine zentrale Rolle.

2. Beeindruckt hat mich die Sorgfalt, mit der vorgegangen wird. So wurde ein heikles Thema in der angedachten Form wieder verworfen, weil es nur eine Quelle gab: “Bring mir eine zweite Quelle, dann setzen wir das an eins.” hieß es vom Leiter der Runde.

Im Zweifel, so Storbeck, habe das Handelsblatt so zwar manchmal eine wichtige Schlagzeile verpasst, weil man keine zweite Quelle hatte. Noch häufiger sei es aber, dass Konkurrenzblätter eine nur durch eine Quelle bestätigte Exklusivmeldung später zurücknehmen oder relativeren mussten.

Storbeck und ich nutzen das Mittagessen und den weiteren Nachmittag, um auf das Verhältnis zwischen Blogs, Wirtschaftsblogs und Medien zu schauen und haben uns die “ewige Frage” gestellt, ob und wie Medien mit dem Web selbst Geld verdienen können. Blogs und Presse tasten sich in Deutschland noch sehr langsam ab. Die Pressemedien übersehen gern, dass es in der Blogszene viele Fachleute gibt, die durchaus sehr kompetent (dabei nicht unbedingt journalistisch elegant) zu bestimmten Themen schreiben und das, wie auch der Blick Log, meist nur nebenbei. Andererseits gibt es aber auch viele Beiträge, die nur Stammtischqualität erreichen. Für Journalisten sei es hier schwer in der Informationsflut, die Qualität in den Blogs herauszufiltern.

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Bericht über Hauspreisverfall, kein Bericht über unerwartet starken Anstieg der Hausverkäufe

Wirtschaftsredakteure haben es in diesen Monaten besonders schwer. Auf jeden Fall ist ihr Job schwerer als der eines Bloggers, der abends in seiner Freizeit am virtuellen Stammtisch mal wieder über die dunkle Berichterstattung der Medien meckert oder sich tagsüber das Leid seiner Kunden über dies so mies geschriebene Stimmung anhört.

Ausriss aus Homepage der New York Times

Dabei muss ich sogar gestehen, dass ich erst am vergangenen Wochenende durch einen Blogeintrag bei Indiskretion Ehrensache erfahren habe, dass meine Abozeitung  vor knapp zwei Wochen im Ressort “Unternehmen & Märkte” das Wort Krise nicht einmal vorkommen lies. . . . → Read More: Bericht über Hauspreisverfall, kein Bericht über unerwartet starken Anstieg der Hausverkäufe

Ökonomen und Medien als Beschleuniger des Abschwungs?

Prognosen können gefährlich sein, weil sie einen Abwärtstrend verschärfen können. Jetzt erhält diese These wieder einmal “amtlichen” Beistand. Nach Robert Shiller, der vor einigen Wochen schon gemutmaßt hat, dass das Gerede von einer Depression erst recht zu ihr hin führt, hat nun erneut Klaus Zimmermann, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), seine Kritik an der eigenen Zunft aber auch an den Medien erneuert.

Dabei formuliert Zimmermann dies im Handelsblatt nicht einmal anklagend:

“Mit der Zuspitzung der Finanzkrise, die durch den Wirtschaftsabschwung eingeleitet und durch den Zusammenbruch der Lehman Brothers eskalierte, stand ab dem Herbst 2008 die Welt am wirtschaftlichen Abgrund. Inzwischen bedroht der Abschwung in vielen Ländern in einer einzigartigen Weise Beschäftigung und Wohlstand.”

“Die Einzigartigkeit besteht zunächst in der synchronen Bewegung, in der sich das Problem über die Welt verteilt. Dies ist auch eine Folge der Globalisierung mit der Konsequenz der intensiven Vernetzung der Ökonomien und der Medien. Dazu trägt bei, dass sich Stimmungen und Erwartungen von Konsumenten und Investoren heute wegen der unmittelbaren internationalen Kommunikation direkt anpassen. Dazu gehört aber auch, dass durch die Medien Dramatik inszeniert wird, indem Negativmeldungen überzeichnet und Positivmeldungen schlicht ignoriert werden. So können sich Stimmungswellen rasch verbreiten und Handlungsschocks auslösen. Da der Kern allen Wirtschaftens wechselseitiges Vertrauen ist, reagiert das Marktsystem extrem sensibel auf Vertrauenskrisen.”

Zimmermann beschreibt hier richtig das Rennen um die düsterste Prognose, von denen man den Eindruck hat, Medien und Analysten freuen sich erst, wenn die Wirtschaft eines Tages stillsteht.  Insoweit darf man Medien zumindest als Beschleuniger des Wirtschaftsabschwungs vermuten. Fehlt eigentlich nur die Überlegung, warum die Medien sich so verhalten (Vermutungen dazu hier). Als Ökonom erliegt Zimmermann aber nicht medienkritischen Spekulationen, sondern zeigt die Wirkung der Berichterstattung auf:

“Diese psychologischen Wellen konvertieren bald zu realwirtschaftlichen Phänomenen: Aus Ängsten und schlechten Erwartungen werden fallende Investitionen und Konsumausgaben, aus binnenwirtschaftlichen Einbrüchen, hier zunächst in den von der Finanzkrise erfassten Staaten, vorneweg die Vereinigten Staaten und Großbritannien, dann in den exportorientierten Nationen, darunter China und Deutschland, die von der importierten Rezession erfasst werden. Der globale Schock erfasst so über die weltweite Vernetzung alle Ökonomien.”

Zimmermann gewährt den Lesern in der Folge einen Einblick in die Probleme wissenschaftlicher Prognosen und fasst diese zusammen: Continue reading Ökonomen und Medien als Beschleuniger des Abschwungs?

Medienkrise = Werbekrise = selbstgemachte Krise?

Ein Beitrag am Mittwoch hat mich auf den Gedanken gebracht, dass die derzeit viel diskutierte Medienkrise möglicherweise eine selbst gemachte Werbekrise sein könnte und nicht etwa eine Inhaltekrise, wie es etwa Don Alphonso schreibt.  Dazu vertrete ich an dieser Stelle die These, dass die werbetreibenden Industrie ihre Anzeigen auch deswegen zurückgefahren hat, weil das negative Umfeld den erwarteten Nutzen der Werbung erheblich reduziert.

Natürlich hängt die Werbekrise auch damit zusammen, dass Unternehmen in Krisenzeiten zuerst ihre Werbebudgets kürzen. Ob die Streichung von Kommunikationsbudgets stets die richtige Strategie ist, zweifele ich schon deswegen an, weil gerade diese Zeiten die Chancen eröffnen, sich von Mitbewerbern abzusetzen. Zumindest könnte das für den Konsumbereich gelten, denn die Verbraucher haben bisher ihre Ausgaben nur im geringen Umfang zurückgefahren. Aber dieser Gedanken soll hier nicht das Thema sein.

Wie bereits gestern geschrieben, bin ich kein Werbefachmann sondern Betriebswirt, aber dass Anzeigen in einem negativen Umfeld schlechter wirken als in einem positiven Umfeld gehört doch zum kleinen 1×1 der Marketingkommunikation: “Schaffen Sie ein positives Umfeld für ihre Werbung, um die Akzeptanz und die Aufmerksamkeit zu erhöhen,” lautet doch sicher ein Credo der Branche.

Die Medien stehen dabei vor einem Dilemma. Einerseits steigt in Krisenzeiten das Informationsbedürfnis. Vermutlich sind die Pageimpressions für Meldungen mit negativen Schlagzeilen deutlich höher als für positive Meldungen. Anders kann ich mir jedenfalls die hohe Anzahl negativer Schlagzeilen nicht erklären, die Redakteure wohl zeitweise unter Krampf ihren Hirnen entreißen, wie die Schlagzeile “Wächst die Terror-Gefahr in der Krise?“.

Google: Besucher auf Wirtschaftsseiten

Google: Besucher auf Wirtschaftsseiten

Allerdings bestätigt die Grafik (hier die Abfrage dazu) von Google Trends, die die relativen Daily Unique Visitors meiner favorisierten deutschen Wirtschaftswebsites zeigt (sorry Spon, aber bei Wirtschaft seit Ihr nicht erste Wahl), meine These nicht zwingend. Ab der heißen Phase der Finanzkrise (Mitte September) verzeichnen zwar alle einen Anstieg der Besucher. Anschließend fällt der Trend aber deutlich zurück und offensichtlich bei allen drei unter die Vorjahreswerte.

Der Gesamtrückgang der Leser kann natürlich auch der Qualität von Google/Trends geschuldet sein. Schaut man sich die geglätteten Werte von Alexa.com, dann ist danach insgesamt ein Anstieg der Besucher zu verzeichnen:

Continue reading Medienkrise = Werbekrise = selbstgemachte Krise?

Warum gehen eigentlich positive Nachrichten unter? Konsumausgaben in den USA gestiegen

Browste man gestern durch Spiegel Online, Handelsblatt, FTD oder FAZ dann musste man diese Meldung schon mit Hilfe einer Suchmaschine suchen, um sie überhaupt zu finden. Die Redaktionen sind so sehr damit beschäftigt, dem Herdentrieb der Horrornachrichten zu folgen, dass positive Meldungen einfach liegen gelassen oder versteckt werden. So verbleibt es an einigen Blogs hängen, über diese positive Information zu berichten, wie z.B. dem Börsennotizbuch, das von den im Januar gestiegenen Konsumausgaben berichtet.

Bei Spiegel, FAZ und FTD-Online ist diese Meldung sicherheitshalber gar nicht erst auffindbar. Im Handelsblatt war die Meldung “Amerikaner geben wieder mehr Geld aus” nur sehr kurz und auch nur über die Suchhilfe auffindbar. Auf der Homepage platzierte man lieber Schreckensmeldungen. Man möchte lieber schreiben von Themen wie “Was die Welt wirklich ins Verderben stürzt” oder “Logistik schrumpft erstmals seit 1993”. Noch besser Angst machen nach dem Motto: Wächst die Terror-Gefahr in der Krise? oder Protektionismus fördern mit Schlagzeilen wie “Abwrackprämie hilft ausländischen Autobauern”.

Sorry liebe Redaktionen, ich weiß nicht, mit wem Sie den ganzen Tag über sprechen. Ich glaube aber kaum, dass es vorwiegend ihre in der Wirtschaftspraxis sitzenden Leser sind, denn dann wüssten sie, dass sie die Nase so voll haben von dem negativen Gerede und sich viele wünschen, dass zumindest die vorhandenen positiven Nachrichten wenigstens angemessen verbreitet werden (es geht nicht um die Forderung des Schönschreibens, das den Medienlaien dann gleich immer vorgeworfen wird). Sie wüssten bei ausreichender Kommunikation auch, dass viele Unternehmen aktuell viele Projekte zwar auf Halt gesetzt haben aber weiterhin  in den Starlöchern sitzen. Hier wird auf erste Anzeichen der Erholung gewartet, um dann loslegen zu können. Continue reading Warum gehen eigentlich positive Nachrichten unter? Konsumausgaben in den USA gestiegen

Willkommen

Der Blick Log ist ein privates Weblog mit Gedanken über Wirtschaft, Finanzen, Management und mehr. Beruflich berate ich für die Innovecs GmbH Banken und mittelständische Unternehmen (hier der aktuelle Flyer).

Mehr über diesen Blog und mich auf dieser Seite.

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