Inflation oder was nun?

by Isik on 31. März 2010

"Achtet nicht auf den Mann hinter dem Vorhang" Der Zauberer von Oz

Gastbeitrag von Erkan Isik*

Es ist von einer hohen Inflation auszugehen, so der Tenor von einigen populären Wirtschaftsbüchern wie z.B. der reisserische Titel von Stefan Risse "Inflation kommt!“. Auch Herr Henkel mit seinem Buch "Die Abwracker" reiht sich in den Club der Inflationisten ein, in dem er indirekt empfiehlt, sich zu verschulden. Denn eine hohe Inflation so seine Meinung würde Schuldner begünstigen. [1] Der Begriff Lastenausgleichsgesetz und insbesondere Paragraph 15 des LAG  „Sparerschäden“ hat er als Ökonom wahrscheinlich mental unterdrückt. Auch wenn eine hohe Inflation drohen würde, wäre der betroffene Schuldner gar nicht in der Lage seine Schuld vollständig zurückzuführen, da sein Einkommen gar nicht so schnell steigen würde wie die Lebenshaltungskosten.

Nichtsdestotrotz soll mein Beitrag keine Kritik an den zuletzt genannten Autoren sein, sondern es geht konkret um die Frage, ob eine hohe Inflation in der nächsten Zeit zu erwarten ist? An dieser Stelle kann diese Frage noch nicht beantworten werden. Fakt ist nur, dass wir derzeit eine inflationäre Entwicklung an den Börsen haben, die durch die laxe Geldpolitik der Zentralbanken befeuert wurde. Im krassen Gegensatz dazu scheint der reale Sektor eher deflationäre Tendenzen aufzuweisen. Dies erkennt man vor allem an den Preisrückgängen von diversen Konsumgütern und Dienstleistungen. Passend hierzu möchte ich folgende Charts darstellen, die ich vom Blogger Mike Shedlock entnommen habe:[3]

<>Restaurants

Verbesserungsarbeiten an Häusern

Home Improvements 

Weitere Grafiken

Telekommunikation

 

Telecom
Bücher und Zeitungen

PKW

Elektronik

Körperpflegeprodukte

</>

<>Der deflationäre Druck ist in den oben dargestellten Charts gut zu erkennen, aber man sollte nicht dem Irrtum verfallen Inflation bzw. Deflation mit Preisen bzw. Preisentwicklungen zu begründen. Die Preisentwicklung von Gütern und Dienstleistungen in die eine oder andere Richtung ist nur das Ergebnis einer Inflation bzw. Deflation.

Nach der österreichischen Schule der Ökonomie bedeutet Inflation eine Ausweitung der ungedeckten Geldmenge und Deflation eine Verringerung der ungedeckten Geldmenge. [2] Marc Faber, ein Anhänger der österreichischen Schule der Ökonomie, begründet eine kommende Hyperinflation durch die Gelddruckorgie der Zentralbanken. Ferner ist ungedecktes Geld mit Schuldgeld gleichzusetzen, ergo benötigt man Kreditnehmer, die bereit sind, sich zu verschulden. Da aber viele Regierungen weltweit und auch private Haushalte (vor allem in den USA) hoch verschuldet sind, gibt es ein Schuldenproblem oder das Fehlen von Nachschuldner, die für dieses zinsbasierte Wirtschaftssystem nun notwendig wären. Aus diesem Grund wären die Zentralbanken gar nicht in der Lage trotz Druckerpresse diesen immensen Schuldenberg abzutragen. Lt. Mike Shedlock und Steve Keen einem Universitätsprofessor aus Sydney droht uns daher eine Schuldendeflation. [3][4] Es ist zweifelsohne, dass die Kreditvergabe der Banken stark rückläufig ist und der Kreditmarkt quasi ausgetrocknet. Somit fliesst keine ausreichende Liquidität in die reale Wirtschaft. Aufgrund der Heldentaten der Regierungen und Zentralbanken werden Zombiebanken und Zombieunternehmen am Leben gehalten und die eigentlichen „market-to-market“ Bewertungen der Kredite (Schulden in den Büchern der Banken) steigen unaufhaltsam an. [3] Seit 2006 wird von der FED die Geldmenge M3 nicht mehr veröffentlicht, auch wenn der Markt zu Recht mutmasste, dass die FED die sich dort abzeichnende Inflationsrisiken verstecken wollen. Dankenswerterweise haben die unabhängigen Volkswirte von www.shadowstats.com diese Geldmenge weiterberechnet: [5]

</>

<></></></></></>

Trotz der Billionen an Dollars, die der FED-Chef Bernanke, in den Markt gepumpt hat, ist die Geldmenge M3 regelrecht eingebrochen. Ergo, deutet das ganze neben dem rückläufigen Krediten auf wachsende Deflationsgefahren hin und ist daher alles andere als inflationär. Auch der Chart der Geldmenge M3 der EZB  sieht nicht anders aus: [6]

Monetary Aggregate M3

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Die Antwort auf die eingangs gestellte Frage lautet: „Nein, eine hohe Inflation ist in nächster Zeit nicht zu erwarten“. Irgendwann werden auch die Märkte auf diese fundamentalen Tatsachen reagieren und die Investoren werden aufhören diesen Unsinn über eine aufkommende Erholung zu glauben. Dann wird der unangenehme Wendepunkt an den Märkten eingeleitet werden.

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[1] Die Abwracker: Wie Zocker und Politiker unsere Zukunft verspielen von Hans Olaf Henkel, Campus Verlag 2009

[2] http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96sterreichische_Schule

[3] http://globaleconomicanalysis.blogspot.com/2010/03/inflation-where.html

[4] http://www.dealersgroup.com.au/kb/cf24-steve-keen.pdf

[5] http://www.shadowstats.com/imgs/sgs-m3.gif?hl=ad&t=

[6] http://sdw.ecb.europa.eu/home.do?chart=t1.2

* Erkan Isik ist Betreiber des kürzlich erstellten Blogs www.wirtschaftsblase.de.

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