Warum Manager keine Atomphysiker werden können

by Pressemeldung on 6. Mai 2010

Pressemitteilung der accadis Hochschule Bad Homburg

Die fulminante Pleite des Arcandor-Konzerns, vormals KarstadtQuelle, und dazu noch das eklatante Versagen des Top-Managers Thomas Middelhoff sind für Professor Florian Pfeffel, Wirtschaftsethiker an der accadis Hochschule Bad Homburg, ein Indiz, dass in Deutschlands Chefetagen häufig die Tristesse der Mittelmäßigkeit Einzug gehalten hat. "Das Beispiel Middelhoff oder auch das diverser Bankenmanager machen dies deutlich", sagt er.

Den Grund für Mittelmäßigkeit im Management vermutet er in den Inhalten eines BWL-Studiums, das sich vom intellektuellen Anspruch her von dem eines Ingenieur-oder Naturwissenschaftsstudiums oder auch eines VWL-Studiums unterscheidet. Auf vielen Feldern der Betriebswirtschaftslehre können auch durchschnittlich Begabte durch viel Fleiß, viel Geld und gutes Networking sowie dem Deckmantel der so genannten Kommunikations- und Präsentationsfähigkeiten trotz mangelnder Kompetenz den Studienabschluss erreichen und die Karriereleiter erklimmen.

Ein Atomphysiker oder ein Ingenieur könnten mangelnde Fähigkeiten nicht lange verdecken. "Spätestens wenn der zweite Statiker oder die numerische Simulation die Ergebnisse überprüft, ist es mit der Herrlichkeit vorbei", erklärt Pfeffel.
Der Wirtschaftswissenschaftler will damit nicht die These vertreten, dass "alle Manager schlecht seien", vielmehr geht es ihm darum, Betriebswirtschaftsstudium und Führungskräfteentwicklung, die es mittelmäßigen Talenten erlauben, Karriere zu machen, kritisch zu hinterfragen.

Zu schwacher Kompetenz gesellt sich dann in der Regel noch mangelndes Werteverständnis. "Diese Manager verdienen sehr viel Geld, machen große Fehler und sahnen vor ihrem Abtritt noch einmal im großen Stil ab ohne äußerlich erkennbares Verantwortungsbewusstsein für den hinterlassenen Scherbenhaufen", konstatiert der Wirtschaftsethiker.

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