Die Bankensichselbsthilfe für Griechenland = Finanzmarktstabilisierungsgesetz 2.0

by Dirk Elsner on 6. Mai 2010

Immer häufiger reibt man sich ja als Leser von Wirtschaftsschlagzeilen die Augen. Ein bemerkenswertes Beispiel war etwa im Handelsblatt zu finden mit “Deutsche Banken helfen Athen mit „beträchtlichen Summen”. In dieser und ähnlicher Form fanden sich zahlreiche Überschriften auch in der “Qualitätspresse” In bester PR-Manier entstand so am Dienstag und Mittwoch beim flüchtigen Beobachter “ der Eindruck, Banken seien plötzlich großzügig geworden. Diesen Eindruck, den viele Banken vielleicht selbst gar nicht vermitteln wollten, haben allerdings nur wenige eingeordnet und entsprechend relativiert (siehe unten).

Die Zeichnung von KfW-Anleihen für Griechenland, die vom Bund garantiert werden, hätte ich sogar meiner Großmutter empfohlen. Wenn das nicht sicher ist, dann ist gar nichts mehr sicher.

Die Aufrechterhaltung von in Anspruch genommenen Kreditlinien für griechische Banken liegt ja ganz offensichtlich ebenfalls im Interesse hiesiger Finanzhäuser. Im normalen Kreditgeschäft der Banken ist es Ouzo, sorry Usus, Kredite nicht sofort zu kündigen, wenn die Sicherheitenlage problematisch ist. Durch die Kündigung könnte eine Insolvenz ja gerade erst herbei geführt werden und damit wäre die Rückzahlung erst recht gefährdet. Das Bestehenlassen von Kreditlinien schafft außerdem keinen Cent zusätzlicher Liquidität.

Über den Umfang des Kaufs ungesicherter griechischer Staatsanleihen darf man gespannt sein. Für denkbar halte ich einzig die Wiederanlage fällig gewordener Staatsanleihen und zwar dann, wenn sich durch den hohen Marktzins ein Credit Default Swap finanzieren lässt, der die Bank gegen einen Ausfall absichert.

Um hier nicht falsch verstanden zu werden. Ich mache den Finanzhäusern keinen Vorwurf, dass sie so handeln. Sie müssen und sollen so handeln, weil sie andernfalls unvertretbare hohe Risiken eingehen und Ärger mit der Bankenaufsicht bekommen oder sich sogar der Untreue verdächtig machen. Ich stimme aber mit der Wertung von f.luebberding vollkommen überein, der auf weissgarnix schreibt:

 

“Nun ist den Banken noch nicht einmal der Vorwurf zu machen, dass sie sich ohne jedes Risiko ein Stück vom griechischen Kuchen abschneiden wollen. Es ist ihnen aber der Vorwurf zu machen, die deutsche Öffentlichkeit mit solchen dämlichen Manövern auf den Arm zu nehmen.”

Mit solchen Verdrehungen wird der für diese Verbindlichkeiten haftende Bürger einfach nicht ernst genommen, sondern regelrecht in die Irre geführt. Möglicherweise ist es sogar noch schlimmer, wenn das stimmt, was Wolfgang Münchau in der FTD unter der Überschrift “Auf dem Weg in die nächste Lüge” schreibt:

“Den Märkten wird signalisiert, dass die vereinbarten Kredite den sogenannten Junior-Status haben. Das bedeutet, dass sie im Falle einer Staatspleite Griechenlands zweitrangig bedient werden. Zuerst werden die Besitzer griechischer Staatsanleihen ausbezahlt, und wenn dann noch was übrig bleiben sollte, bekommen die europäischen Regierungen ihr Geld wieder zurück.”

Trifft dies zu, dann gehen natürlich die in diesem Beitrag angestellten Berechnungen nicht auf, weil die nun bürgenden Länder ein deutlich größeres Risiko tragen, als die übrigen Gläubiger (vorwiegend Finanzinstitute und institutionelle Anleger). In Wirklichkeit ist also die Hilfe für Griechenland vor allem ein Finanzmarktstabilisierungsgesetz 2.0. Die begriffliche Ähnlichkeit des gestern durch den Bundestag gejagten Gesetzentwurfs ist daher wohl kein Zufall: Finanzstabilitätsgesetz – WFStG

Weitere Beiträge zur “Hilfe für die Finanzmärkte”

Börsennotizbuch: Die deutsche Finanzbrache will sich an Griechenlandhilfen beteiligen

Acemaxx-Analytics: Der Witz des Jahres: Banken helfen Griechenland

Egghat: Griechenlandrettung und die Bankensolidarität – die doppelte Verarschung

 Spiegelfechter: Teure Intransparenz

FTD: Vorteile einer Pleite – Komplott gegen die Griechen: Deutschland und die anderen Euro-Länder retten mit ihren Milliarden nicht Griechenland, sondern einzig und allein sich selbst. Athen würde mit einem Bankrott besser fahren.

Spon: Hilfsbeitrag der Finanzhäuser für Griechenland ist verschwindend gering und erfolgt aus Eigeninteresse.

Spon: Skeptische Finanzmärkte: Euro schliddert in Existenzkrise: Der Absturz des Euro ist ein erschreckendes Signal: Die Finanzmärkte bezweifeln, dass Griechenland seine Probleme in den kommenden Jahren lösen kann. Die Europäische Zentralbank fürchtet nun einen Flächenbrand – es geht um nicht weniger als die Existenz der Gemeinschaftswährung.

HB: Schon komisch: Hier wird dir geholfen Wer hilft hier eigentlich wem? Die deutschen Banken den griechischen Banken? Die deutschen Banken den deutschen Banken? Oder die deutschen Banken der schwarz-gelben Bundesregierung vor den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen?

Presseschau: Die Berliner Jo-Ackermann-Show: Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert das Treffen der Banken-Chefs mit Finanzminister Wolfgang Schäuble zur Griechenland-Krise. Für das Wall Street Journal ist die Griechen-Rettung schon heute gefloppt und eine Umschuldung dringend erforderlich. Laut Business Times ist Schanghai das neue London. Fundstück: Banker sind keine Dinosaurier.

NZZ: Deutsche Banken leisten Beitrag an Griechenland-Hilfe: Kreditlinien werden verlängert – Weitere europäische Banken im Boot.  Die deutsche Finanzwirtschaft leistet einen eigenen Beitrag im Kampf gegen die griechische Schuldenkrise. Die Banken verlängern ihre Kreditlinien für die Regierung in Athen und die griechischen Banken, und zwar um mindestens drei Jahre. weiter lesen «Deutsche Banken leisten Beitrag an 
Griechenland-Hilfe»

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