Den Rücktritt von Horst Köhler finde ich außerordentlich bedauerlich. Mit ihm verlässt wichtiger ökonomischer Sachverstand das politische Berlin. Gerade in diesen Zeiten ist dies eigentlich notwendiger, als je zuvor. Als gelernter Ökonom, in wichtigen Funktionen im Finanz- und Wirtschaftsministerium, als Präsident des Sparkassen und Giroverbandes und als Präsident des Internationalen Währungsfonds brachte er umfassende Erfahrungen und Expertise mit. Das politische Deutschland hat davon profitiert.
Er allein hat zwar mit seinen Erfahrungen die Herausforderungen der Finanz- und Wirtschaftskrise nicht bewältigen können, konnte sich aber in der Wirtschafts- und Finanzwelt glaubhaftes Gehör verschaffen. Unvergessen etwa seine Bankenpredigt im November 2008. Sie hat vielen Bankern nicht geschmeckt, jedoch zum Nachdenken angeregt. Köhler verstand die Sprache der Finanzwelt und der Wirtschaft. Schade, dass er in den letzten Monaten sich nicht mehr Gehör verschafft hat.
Seine jüngste Zurückhaltung und der von niemanden eingefordert und überhastete Rücktritt könnten auf Motive für den Rücktritt hindeuten, die uns verborgen bleiben sollen. Seine unglückliche Interviewäußerung (die öffentliche Reaktion dazu hier gut nachgezeichnet von Carta) löste zwar zu Recht Fragen aus, dennoch erscheint sie mir zu dünn.
Dennoch verdient seine konsequente Entscheidung größten Respekt. Er wandelt damit in den Spuren von Margot Käßmann, die wegen eines persönlichen Fehlers und ihrer Prinzipien ihr Amt zur Verfügung stellt. Schade, dass stets die falschen Personen, so zu ihren Prinzipien stehen.
Presse und Blogreaktionen
IE: Die spätrömisch-dekadente, weinerliche Horst-Köhler-Generation
Spiegelfechter: Lübke 2.0?
Spon: Themenseite Horst Köhler: Abschied mit Tränen
FAZ: Der Bundespräsident – Kein Ersatzkaiser, kein Unterschriftenautomat
HB: Reaktionen: Zwischen Respekt, Fassungslosigkeit und Unverständnis
Spon: Köhlers Rücktritt Der unglückliche Präsident
Von diesem so oft kolportierten Sachverstand habe ich leider nicht viel gehört. So hatte er den Finanzmarkt als Monster bezeichnet und gegen Finanzjongleure und Spekulanten gewettert. Er hat sich hier in keiner Weise von den üblichen Politikerfloskeln abgehoben. Das er der Debatte einen eigenen Stempel aufgedrückt hätte, wäre mir neu. Allerdings hat er sein Image als Sparkassenpräsident wohl nie ganz ablegen können. Aber ich muss sagen bei den Kandidaten, die als seine Nachfolger herumgereicht werden graust es mir jetzt schon, wird kaum besser werden. So einen wie den Weizäcker bräuchten wir als Präsidenten wieder, aber ich fürchte solche Leute sind mitlerweile ausgestorben.
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