Der “Reiz des Morbiden – Wohnen, wo andere Urlaub machen” betitelte die FTD vor einigen Wochen eine lesenswerte Geschichte über Dauermieter im Hotel. Mich erinnerte die Story an mein Hotel in der Hamburger City, in dem ich zur Zeit Dauergast bin.
Eigentlich denkt man, das Beste, was einem Hotel passieren könnte, sind gerade diese Langzeitgäste. Sie buchen sich über viele Wochen, manche über Monate ein und kosten auf die Übernachtung umgerechnet minimalen Akquisitionsaufwand. Klar, dafür handelt man eine besondere Rate aus, aber so einen richtigen Extraservice für die Longis habe ich bisher noch nicht erlebt.
Wie gesagt, aktuell habe ich wieder das “Vergnügen”, in Hamburg Dauermieter sein zu “dürfen” und dennoch fühle ich mich vom heimische Komfortgefühl meilenweit entfernt. Ich denke oft, Hotels könnten viel mehr tun, um es ihren Dauermietern angenehmer zu gestalten.
Klar, die Familie können und sollen sie nicht ersetzen. Aber ich vermisse daneben viele Dinge, die zu Hause so selbstverständlich sind und deren Fehlen bei einer normalen Übernachtung nicht stören. Das beginnt bei unzivilen Preise für die Extras, die man eigentlich gern in Anspruch nehmen würde, es aber lässt, weil man das Spesenkonto und erst recht sein Privatkonto nicht überstrapazieren möchte. Die kleinen Extras addieren sich bekanntlich zu astronomischen Summen in Hotels: Dazu gehören etwa Telefon- und Internettarife oder Minibar, mit deren Kosten ich locker den gesamten Lebensmitteleinkauf unserer Familie für eine Woche finanzieren könnte.
Gern würde ich meine Büro-Wäsche hier lassen. Aber für die Preise einer Wochenwäsche könnte ich mich fast neu einkleiden. Immerhin kann ich einen Teil meiner Klamotten und Anzüge über das Wochenende im Kofferraum des Hotels lassen. Mehr Service wäre es allerdings, wenn Hotels anbieten, die Sachen einfach liegen zu lassen und ich sie am Montag wieder im Zimmer vorfinde.
Ein Dauerärgernis bleiben die Frühstückspreise. 15 bis 18 €, wenn man morgens nur ein Brötchen isst und zwei Tassen Kaffee möchte? Da ist ja das Frühstück selbst in der Cafebar-Apotheke Starbucks günstiger. Immerhin bieten diverse Hotels mittlerweile bessere Arrangements seit die Zahl der Frühstücker aus dem Businessbereich deutlich zurück gegangen ist (Dank der unglaublich cleveren Mehrwertsteuersenkung für Übernachtungen).
OK, vielleicht bin ich zu kleinlich oder zu knickrig, und immerhin ist das Personal hier sehr freundlich und kennt mich inzwischen. Aber wenn ich mich so unter den Dauernächtigern umhöre, dann denken viele Leidensgenossen ähnlich. Wenn man so viele Nächte in dem gleichen Hotel weit weg von zu Hause nächtigt, dann fallen einem die Kleinigkeiten eher auf, die im eigenen Heim selbstverständlich sind. Klar, hier könnte man sich abends sogar noch das Essen aufs Zimmer bringen lassen. Das macht meine Frau zu Hause natürlich nicht :-), aber dafür wird man hier auch kräftig abkassiert.
Wie wenig sich Hotels für ihre Dauergäste interessieren, offenbart auch eine Suche bei Google. “Hotel Dauergast Hamburg” bringt auf der ersten Trefferseite nur Geschichten von Dauergästen und die üblichen Hotelbuchungsservices aber kein einziges Hotel, das diese Zielgruppe zu kennen scheint.
Also liebe Hotels, macht Euch doch einmal ein paar Gedanken, wie Ihr Euren Dauergästen die Erinnerung und das Wiederkommen noch angenehmer gestalten könnt. Ich verspreche, das spricht sich sehr schnell herum. Und ich bin ganz sicher, dies lässt sich auch so einrichten, dass pro Dauergast immer noch attraktiver Deckungsbeitrag auf dem Konto bleibt.
Da empfehle ich die Google Suche nach „hotel hamburg auslastung“ und den Blick auf http://www.n-tv.de/reise/Hamburg-zieht-Besucher-an-article861507.html
Wenn am Freitag die Business Gäste auschecken warten die Wochenendtouristen bereits. Die Hamburger Hoteliers haben es offenbar einfach nicht nötig. Ich habe in München ähnlich schlechte Erfahrungen gemacht. Die Stadt ist auf dem zweiten Platz der Auslastungsquote.
Gratis Internet gibt es mittlerweile in vielen Hotels. Auch in Hamburg. Als Alternative zum Hotel bietet sich für den Dauergast auch das möblierte Appartment samt Putzfrau an.
Genau 40 Stunden,
darauf läuft es hinaus. In München hatte ich einmal für vier Monate eine möblierte Wohnung. Das lohnt sich aber tatsächlich erst ab 2 Monaten.
Erstaunlich dass es keine Kommentare zu diesem Artikel gibt. Eigentlich gäbe es da, von Leuten mit Reiseerfahrung, furchtbar viel zu
erzählen.
Zum Thema: könnte es sein, dass in Deutschland vieles, was in anderen Ländern gang und gäbe ist, einfach verschlafen wurde, die
deutsche Hotelerie bzw. Vermieter auf einem eigenen Planeten wohnen?
U.a. gibt es, anderswo, die ‚business suites‘, Kurz – Mieten, als Alternative zu Hotels.
Zum Suchwort: +short term rentals business execs London+ auf den ersten, obersten Treffer dazu geklickt, kommt dies:
http://www.gocityapartments.com/index.php?pr=StMarksEC1
sowie, ebenfalls London, UK:
http://heathrow-serviced-apartments.biz-stay.com/home.cfm
zum selben Suchwort, Toronto, Kanada:
http://www.delsuites.com/why/index.php
Dies nur mal zur Anregung.
M. E. ist das Angebot in Deutschland, ich habe dazu keine Erfahrung, offensichtlich katastrophal miserabel.
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