Interview mit Matthias Lamberti von Yavalu.com: Mit automatisierten Anlageempfehlungen einer überbezahlten Branche ein Schnäppchen schlagen

by Dirk Elsner on 24. Juni 2011

Vergangene Woche hatte wir hier in dem Beitrag „Persönliche vs. automatisierte Anlageberatung: Ersetzt Yavalu den Anlageberater“ den neuen Anlageservicedienstleister aus München Yavalu vorgestellt. Ein paar Fragen waren für noch offen geblieben.

Ich bin ja bekanntlich kein professioneller Journalist, sondern habe mich auf die Dinge beschränkt, die mich interessieren. Wer weitere Fragen zu Yavalu.com hat, der kann sie gern in die Kommentare posten. Ich werde diese dann an Matthias Lamberti weiterleiten oder ihn bitten, diese gleich hier zu beantworten.

Blick Log: Was hat Sie aus der Erfahrung Ihrer Bankenzeit motiviert zu der Gründung von Yavalu?

Matthias Lambert: Ich persönlich bin der Meinung, dass die Finanz- bzw. Bankenbranche eine der überbezahltesten Branchen ist, die ich kenne. In den letzten Jahren, gerade während meiner Bankenzeit, habe ich immer wieder nach einer passenden Lösung gesucht mein Geld erfolgreich anzulegen. Sämtlichen Bankern und Finanzanlageberatern bin ich dabei eher mit scheelem Blick begegnet, vor allem wenn das vermeintliche Versprechen aufkam „Geld vermehre sich aus sich selbst heraus“. Eine Geldanlage ohne Risiko gibt es nicht. Daher rührt auch meine Grundmotivation. Der Markt für innovative Online Finanzdienstleistungen ist leider noch dramatisch unterversorgt. Im Gegensatz dazu floriert das Vermögensverwaltungs- und Anlageberatungsgeschäft. Die meisten leisten aber schlechtes und verdienen viel zu viel, der Anleger zahlt. Bisher ist die Finanzbranche doch geschaffen für Banken nach dem Motto: „No Profit: –> You pay, Yes Profit: –> You pay even more“. Da war ein neues und vor allem anlegerorientiertes Konzept, längst überfällig.

BL: Was können Sie zum Algorithmus verraten, der aus dem Profil den Anlagevorschlag ermittelt?

ML: Zum Algorithmus kann ich Ihnen alles verraten, schließlich soll es für den Anleger transparent sein. Der Fokus der Plattform liegt ja auf der reinen Geldanlage, also auf dem Management des liquiden Vermögens. Anleger sollten sich hierbei immer für eine breit gestreute Aufteilung ihres Geldes auf verschieden Anlageklassen entscheiden, die ihrer persönlichen Risikoneigung und ihren finanziellen Zielen entspricht, das ist nichts neues. Die Leitfragen lauten demnach: Was ist das Ziel der Geldanlage? Wann braucht man das Geld wieder? Welche Risiken ist man bereit einzugehen? Das decken wir mit unserem Fragebogen ab, darüber hinaus ja auch noch etwas mehr in Bezug auf die Ertragsverwendung. Unser Algorithmus wertet dann die Angaben des Kunden aus und präsentiert ihm ein auf sein Risikoprofil zugeschnittenes Portfolio. Hierbei orientieren wir uns bewusst „nicht“ an irgendwelchen Optimierungsmodellen (Markowitz, Black Litterman & Co.) sondern an dem was dem Kunden am Markt angeboten wird. Wir haben eine Datenbank hinterlegt mit allen am Markt zugänglichen Vermögensverwaltungslösungen von Banken, Verwaltern, Finanzinstituten, und diese den einzelnen Risikoprofilen zugeordnet, das ist ja auch gängige Praxis, dass es am Markt auch Risikoklassifizierungen gibt. Dabei war uns wichtig, dass es eine signifikante Trennschärfe zwischen den Risikoprofilen gibt um die passende Zuordnung zu gewährleisten. Je nach Risikoeinstellung des Kunden, wird ihm dann ein passendes Portfolio zugeordnet. In einfachen Worten also: Wir orientieren uns am Markt/Best Practice und bieten dem Kunden daraufhin eine zugeschnittene Allokation an.

BL: Würden Sie das Verfahren eher als aktive oder als passive Anlagestrategie bezeichnen?

ML: Das ist absolut eine passive Anlagestrategie mit regelmäßigem Rebalancing. Da wir weder Stock Picking noch Market Timing betreiben, sondern nach einen systematischen und regelbasierten Prozess vorgehen, und dies mit ausschließlich reinen passiven Produkten umsetzen ist es passiv. Ein zusätzlicher Mehrwert wird über das Rebalancing erreicht.

BL: Ist für ein späteren Schritt doch vielleicht vorgesehen, dass man die Aufträge direkt über Yavalu an seine Bank weiterleiten kann? Ich könnte mir vorstellen, dass einige Kunden daran Interessen haben könnten.

ML: An eine sogenannte „One Klick Buy“ Option ist absolut gedacht. Das wird den Investmentprozess und die Geldanlage für den Kunden noch deutlich vereinfachen und es wird wie Sie auch schon sagen, vom Markt gefordert. Hier führen wir auch schon die ersten Gespräche.

BL: Welche Kriterien werden bei der Auswahl der etfs berücksichtigt? Kosten, Preisbildung, Volumen etc.?

ML: Der Markt für ETFs ist mittlerweile ja auch schon wieder so komplex geworden, dass die Grundgedanken der Einfachheit, Flexibilität und Transparenz immer mehr verloren gehen und der Ottonormalverbraucher keine Chance mehr hat sich selbst ein vernünftiges Bild zu machen. Hier sind wir wieder beim Thema, dass die Finanzbranche Dinge häufig unnötig kompliziert macht. Deshalb haben wir einen systematischen Auswahlprozess entwickelt der in mehreren Schritten nach verschiedenen Handels-, Kostenparametern und Abbildungsgenauigkeiten geeignete ETFs rausfiltert. Im Detail schauen wir uns also die einzelnen Indizes an, die in Frage kommen (nach dem Risikoprämien Ansatz), im Anschluss filtern wir für den jeweiligen Index alle ETFs raus die angeboten werden und ranken diese nach Volumens-, Liquiditäts-, Kosten- und Abbildungsgenauigkeitskritieren. Passend zum jeweiligen Kundenziel und der damit verbundenen Allokation wird dann ein individuelles ETF-Portfolio erstellt.

BL: Eine weitere Frage betrifft die neuerdings aufkommende Kritik an ETFs, die mittlerweile in einigen Untersuchungen aufkommen. Sind wirklich alle ETFs geeignet für die Anlage oder schlummern nicht gerade auch in den Instrumenten besondere Risiken?

ML: Die aktuell vorzufindende Kritik an ETFs kann ich zum Teil sehr gut nachvollziehen. Der Markt für ETFs ist mittlerweile auch schon wieder so komplex geworden, dass die Grundgedanken der Einfachheit, Flexibilität und Transparenz immer mehr verloren gehen und der Ottonormalverbraucher keine Chance mehr hat sich selbst ein vernünftiges Bild zu machen. Hier sind wir wieder bei dem Thema, dass die Branche immer wieder gerne Dinge häufig unnötig kompliziert macht, um den Anleger auch teilweise zu verwirren und möglichst oft eine Beratung anzubieten. Dass immer mehr Zweifel am Nutzen einer teuren Anlageberatung aufkommt ist aber auch nichts neues mehr, da die Beratung (der Produktverkauf) meistens am Bedarf vorbeigeht. Um den Anleger bei seiner Investitionsentscheidung zu begleiten und zu unterstützen, haben wir deshalb einen mehrstufigen Auswahlprozess für ETFs entwickelt. Mittlerweile sind ja über 1000 ETFs in Deutschland handelbar von denen 80 bis 90% eher exotische Produkte darstellen, die in der Regel nicht für Ottonormalverbraucher geeignet sind. Sozusagen als Gralshüter der ursprünglichen und wahren ETF-Lehre versuchen wir durch die Auswahl der größten, liquidesten und günstigsten Produkte die für den Anleger passenden ETFs auszuwählen. Anleger sollten sich deshalb auch hier wieder für eine breit gestreute Vermögensaufteilung entscheiden, die ihrer persönlichen Risikoneigung entspricht.

BL: Denken Sie über das Angebot via App für iOS und Android nach?

ML: Ja. Auch hier sind wir schon in der Konzeption. Das Angebot soll dann noch intuitiver auf mobilen Endgeräten/Tablets zu bedienen sein.

BL: Wie wird der Datenschutz sicher gestellt? Ich schätze Anleger interessiert dies, weil Yavalu ja die Kontendaten einlesen kann, wenn der Kunde dies will.

ML: Wir sind uns bewusst, dass den Kunden ein besonders sensibler Umgang mit allen personenbezogenen Daten, die die Kunden an yavalu übermitteln, äußerst wichtig ist. Der Schutz der persönlichen Informationen ist deshalb für uns von größter Bedeutung. Kontodaten werden vom Kunden ja ausschließlich beim Bezahlvorgang angegeben (ansonsten gibt es ja keine Berührungspunkte im Anlageprozess mit irgendwelchen Kontodaten) und hier stellen wir den Datenschutz absolut sicher, nach marktüblichen Sicherheitsstandards und Zertifikaten/Verschlüsselungen.

BL: Und abschließend: Wie ist der Name entstanden und hat der eine besondere Bedeutung?

ML: Namensfindung ist ja immer wieder ein spannendes Thema bei einer Unternehmensgründung. Hat man einmal einen guten Namen gefunden ist die Domain nicht mehr frei, auch wenn noch nicht einmal Content oder ein Unternehmen hinterlegt ist. Also muss man verschiedene Varianten ausprobieren. Unser Ziel ist es ja jedem Privatanleger eine Lösung an die Hand zu geben mit der er seine persönliche Geldanlage einfach umsetzen kann, ehrlich und unabhängig informiert wird und nachhaltig erfolgreich ist. So ist aus diesen Grundgedanken, dass es bei unserem Service um eine Lösung für den Kunden /Anleger geht (und nicht wie heute üblich die Finanzindustrie eher für Banken designet ist), aus „Dem Kundenwert“ bzw. dem „Vermögen/Wert des Kunden“ yavalu entstanden. Eine Plattform die genau diesen Ansatz garantiert, basierend auf den Grundwerten Einfachheit, Transparenz und technischer Finesse.

 

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