Twitter-Automatisierung: Wann unterhält sich das Social Web nur noch mit sich selbst oder warum folgt die Sparkasse Köln Bonn alugueis_

by on 8. Juli 2011

imageFür einen Blog ist ja heute die ergänzende Nutzung von Social Media selbstverständlich geworden. Twitter, Facebook und bald Google + sind also sozusagen Standards für das Cross Posting und den erweiterten Austausch mit Lesern und Blogkollegen.

Natürlich freue ich mich über die hohe Followerzahl von mittlerweile über 860 Personen. Ich selbst schaue von Zeit zu Zeit, wem man folgen könnte, um interessante Tweets zu ergattern und natürlich über diesen Weg neue Leser für den Blick Log zu gewinnen. Besonders freue ich mich aber wenn ich mich mit Lesern, Blogkollegen und Journalisten über Twitter austauschen kann. Und Dank der Smartphonetechnik benötigt man dazu nicht mal mehr einen PC.

Nun gehe ich vielleicht zu bodenständig an Twitter heran, denn nach einem Tweetwechsel mit einem Twitterkollegen und ein paar Recherchen im Netz entdeckte ich, dass es mittlerweile Software gibt, mit der man das “follown” und “unfollown” automatisieren kann und, was mich noch mehr erschrocken hat, selbst das Absenden von automatisch generierten Tweets ist heute per Software möglich. Klar, ich sende auch einen automatisierten Tweet pro Tag, nämlich wenn ein neuer Blogbeitrag veröffentlicht wird, alle anderen Tweets aber sind handmade. Aber die vollautomatische Erzeugung einer gesamten Timeline ist ja doch wirkt auf mich ausgesprochen befremdlich.

Angesichts der Automatisierung frage ich mich, ob das Social Web eines Tages dann nur noch mit sich selbst via Automaten kommuniziert. Fröhliches skriptgesteuertes Tweeten und Retweeten! Wo bleibt da der Spaß und der Sinne dieses Instruments?

Ohnehin stelle ich mir bei einigen Followern die Frage, warum sie überhaupt folgen. Ein Motiv ist klar, sie wollen, dass man zurück folgt und sich dann ihre “Produktempfehlungen” ansieht. Meist ist das ausgesprochen langweilig. Ich nenne diese Twitterer “Spitterer” (von Spam und Twittern). Ihre Tweets entpuppen sich meist als durchsichtiger und dazu noch schlecht gemachter Spam, manchmal für zweifelhafte Angebote. In der Vergangenheit habe ich diese Spamfollower konsequent geblockt und aus der follower-Liste eliminiert. Das reduziert zwar die Zahl der eigenen Follower erheblich, stört aber nicht, wenn es einem nicht auf die Quantität, sondern die Qualität der Follower ankommt.

Außerdem können einige Accounts nicht ernsthaft behaupten, sinnvoll ihre Timeline lesen zu können, wenn sie 3.000 und mehr Personen folgen. Da kann keine fruchtbare Kommunikation mehr aufkommen, es sei denn man nutzt wiederum Tools (mit Twidroyd für Android geht das z.B.), um die Timeline zu selektieren.

Wenn all die Unternehmen, die jetzt eine Social Media Strategie entwickeln, den Hinweisen der Twitter-Gurus folgen, wie man ganz schnell zu vielen Followern kommt, dann führt sich Social Media bald ad absurdum.

Vielen Personen zu folgen macht ja als Unternehmen dann Sinn, wenn dies etwa die eigenen (potentiellen) Kunden oder Leser sind. Bei einem beispielhaften Blick auf die Liste der von der Sparkasse KölnBonn verfolgen Twitterer hege ich allerdings den Verdacht, dass der Anteil der eigenen Kunden hier unter 10% liegt und man vielen Personen folgt, nur um die eigene Followerzahl nach oben zu treiben. Sinn macht das nicht. Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass jemand bei der Sparkasse KölnBonn tatsächlich jemanden folgt, der wie alugueis_ bis gestern gerade einen Tweet herausgegeben hat mit dem sinnvollen Text: “Bom dia !!!”. Ich jedenfalls hätte große Probleme, wenn ich in der Sparkasse Köln/Bonn sitzen würde, mich durch diese Timeline der Verfolgten zu quälen.

Und wer weiß, wenn man Tweets, Followen, Unfollowen automatisieren kann, wie viele Geisteraccounts es gibt, die maschinell eingerichtet werden, nur damit sie einen Beitrag für einen virtuellen Schwanzvergleich leisten.

Dr. Hansjörg Leichsenring Juli 9, 2011 um 06:56 Uhr

Ja, das ist ein ewig spannendes Thema: Quantität oder Qualität lautet dann oft die Überschrift und logisch: Jeder ist für Qualität.

Ich habe auch lange überlegt, wie ich mit neuen Followern umgehe. Anfangs hab ich nicht immer refollowed. Inzwischen tue ich es (aber nicht vollautomatisch). Warum? Weil ich nicht weiß, wer dahintersteckt und sich möglicherweise doch ein interessanter Kontakt entwickeln könnte.

Zugegebenermaßen lese ich nicht alle tweets die mich erreichen. Ich selektiere über Listen und keywords.

In regelmäßigen Abständen checke ich meine Kontakte auf Spam. Dafür gibt’s ganz nette Tools. Jemand, der 3 Monate nichts twittert, muss ich auch nicht folgen. Und jemand, der jeden Tag 100 Tweets und mehr sendet, auch nicht.

Die Erkenntnis aus dem eingangs erwähnten veränderten Refollow:
Nach meiner Schätzung sind nur rd. 5% der Follower wirklich interessiert an den Tweets die man so sendet. Soll heißen, bei 100 Followern sind es 5 bei 1000 sind es 50.
Qualität alleine funktioniert nicht.
Quantität hat auch einen Marketingwert in eigener Sache und führt auch zu mehr Qualität.

Beste Grüße

Hansjörg Leichsenring

http://www.der-bank-blog.de

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