Twitter Spam wird lästig: „Folge nicht denjenigen, die Dir folgen“

by Dirk Elsner on 28. Juli 2009

Seit ein paar Wochen nutze ich Twitter als „Nachrichtenmedium“ und um Artikel meines Blogs in die Welt zu tweeten. Twitter ist praktisch für unterwegs, wenn man den richtigen Feeds folgt, also etwa dem Qualitätsmedien und ausgesuchten Blogs, die über Twitter auf ihre online verfügbaren Artikel hinweisen. So erhält man die wichtigsten Schlagzeilen und mit entsprechenden Links, wenn man mehr wissen will. Meine eigenen Tweets beschränke ich für den Blick Log auf Hinweise mich interessierende Meldungen zu Themen meines Blogs. So weit, so nützlich.

Immer ärgerlicher wird dagegen der Twitter Spam. Es folgen einem mittlerweile immer mehr Personen, die allein die Absicht haben, Neugierde für die eigenen Tweets zu erwecken. Diese Tweets entpuppen sich  als billiger Spam für zweifelhafte Angebote. Die Kalkulation der Spam-Twitterer, auch Spitterer genannt, ist dabei ganz einfach: Ich folge Dir und Du folgst mir. Dazu schrieb Sophos:

“Das Ziel der Spammer ist es, unvorsichtige Nutzer dazu zu bringen, die betrügerischen Twitter-Accounts zu ihren eigenen Kontakten hinzuzufügen. Die auf diese Weise gewonnenen Kontakte sammeln Spammer in Datenbanken und nutzen sie dann für gezielte Spam- oder Virenattacken.”

Mittlerweile blocke ich diese Spams konsequent und eliminiere sie damit aus meiner follower-Liste. Das reduziert natürlich die Zahl der Follower, was mich aber weniger stört als “weibliche Money-Follow-Maschinen”  (tagseoblog). Der Tagseoblog schreibt zum wenig überraschendem Spamphänomen:

“Twitter Spam Follower nützen im Grunde denen, denen sie folgen. Denn sie erhöhen die Anzahl der Follower. Das freut den eifrigen Twitterer. Warum kritisch hinterfragen. Hauptsache viele. Da ich dieses “Twitter-Ziel” hinter vielen Account vermute, wird das Problem wohl weiter zunehmen. Oder besser gesagt: ich glaube, das Problem ist schon riesig, nur will es niemand wahrhaben. Weil es die schöne eigene Twitterkarriere so relativieren würde. Ist Twitter schon mehrheitlich von Automaten übernommen worden? … [V]iel Spaß, wenn man aus 3.000 Followern die Spam-Accounts rausfischen soll. Das Problem ist ja auch, dass sich die Anzahl der Spam-Follower mit der Anzahl der Gesamt-follower potenziert. Ist man erst mal erfolgreich von einem Spam-account infiltriert, öffnet das Tor und Schleusen für weitere. Ich werde mich auf jeden Fall bemühen, meinen Account sauber zu halten. Zum Glück sind es nur so viele, dass ich die Liste noch händisch prüfen kann. Lieber für wenige interessierte Follower als für tausend tote Teufel tweeten…

Einen anderen Spam-Form, ausgerechnet einer seriösen von mir gefolgten Zeitschrift, hat mich mit einer Direktnachricht genervt: “Vielen Dank für Ihr Interesse an ____. Wollen Sie das Heft kostenlos und unverbindlich testen? Mehr unter es folgt url.“ Habe ich irgendwie mit dem Button follow eine Einladung zu Spam erteilt? Sicher nicht. Ich fürchte, diese ist erst der Anfang, zumal sich ja mit @xyzxyz schnell weitere Spamtweets platzieren lassen. Die offenen APIs werden in Kürze dazu führen, dass dies weitestgehend automatisiert geschehen kann.

Abschließend will ich hier noch einen Twitter Mythos zerstören als das schnellste Informationsmedium. Zwar mag es richtig sein, dass die erste Nachricht von einem “weltbewegendem” Ereignis zuerst über Twitter in die Welt gepustet wird. Nur, wie in aller Welt soll diese Nachricht die Welt erreichen, wenn man nicht gerade diesem Twitterer folgt? Die “berühmte” Twitter-Nachricht vom Flugzeugabsturz im Januar in New York stammt bekanntlich von jkrums. Bekannt wurde sie erst als etablierte Onlinemedien darüber berichteten (siehe dazu medienlese).

Twitter selbst ist nur eine technische Plattform. Es wird journalistischen Online-Medien allein schon wegen der Kürze der Texte keine Konkurrenz machen können und wollen. Dazu kommt das Glaubwürdigkeitsproblem, über das ich im Juni geschrieben habe.Lesenswert über die Einordnung und Mißverständnisse über Twitter ist ein Artikel in der Zeit von Ende Juni: „Die Medien-Revolution, die keine ist„.

Twitter beschleunigt die Bekanntmachung von Nachrichten und Berichten im Web. Andere “Verlinkungsdienste”, die im Vergleich zu Twitter umständlich zu bedienen sind, werden daher so lange weiter an Boden verlieren, bis man bei Twitter mit Spams überflutet wird.

Weitere Artikel zu Twitter Spam

Blog Age: Sechs erfolgreiche Wege zu TwitterSpam

Flugzeugabsturz 2.0: Erstes Bild auf Twitter

Netzlogbuch: Personalisierter TwitterSpam

Sprechblase: Twitter-Follower-Spam: Fake Popularität

VUG: Warum Twitter-Spam funktioniert

TSB: Wem nutzt Twitter? Wie riskant ist twittern?

STS: New Poll: Should Twitter moderate Trending Tropics to prevent it from being spammed?

STS: Hashtag Contests: Clever Marketing or Twitter Spam?

TC: Here Comes Twitter Spam And How To Fight It

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