Alle Kombinationen gespielt: US-Giga Jackpot u.a. von Hedgefonds aus Chicago geknackt

by Dirk Elsner on 1. April 2012

Day 284 - Mega conflict

Unglaublich (Foto: flickr/dave77459)

Gestern noch wurde den ganzen Tag in den USA gerätselt, wer denn den Weltrekord-Jackpot der Mega Million Lotterie in Höhe von 640.000 Mio. US$ am Freitag geknackt haben könnte. Zunächst war nur bekannt geworden, dass Spieler aus Kansas, Maryland und Illinois sich den größten Jackpot aller Zeiten teilen. Am Abend meldete der stets gut informierte Insiderdienst Zerofools, dass unter den Gewinnern der in Chicago beheimatete Hedgefonds  DISA-Vantage-Funds war. Zerofools bezog sich auf eine Mail des Eigentümers John Falcone an seine Investoren. Für den DISA-Vantage-Funds, der sonst in die Glückspielindustrie investiert und u.a. Anteil an Wynn Resorts und MGM hält, war die Kalkulation lt. Falcone ganz einfach:

Bei einer Ausschüttung von 640 Mio. US$ und einer Chance auf den Jackpot von 1:176 Millionen sowie einem Lospreis von 1 US$ pro Tipp, brauchte man für den sicheren Gewinn nur alle 175.711.536 Kombinationen (fünf Richtige aus 56 + eine Superzahl zwischen 1 und 46) zu tippen (Regeldetails hier). Das kostete einen Spieleinsatz von 176 Mio. US$ + eine Kommission von 5% für die Investmentbank GS Morgan, die die papierintensive Transaktion eingefädelt und abgewickelt hat.

Falcone kann nun für seinen Fonds 213,33 Mio. US$. einstreichen. Das klingt auf dem Papier zunächst nach einer Riesenrendite und einem Gewinn von 28,53 Mio. US$ (Provision für GS Morgan bereits abgezogen). Dennoch zeigte sich Falcone in seiner Mail verärgert, denn er hat mit maximal einem weiteren Gewinner gerechnet. Er hätte dann 135,2 Mio. US$ Gewinn gemacht. Die Crux an der Mega Million Lotterie ist nämlich: der Gewinn wird entweder auf 26 Jahresraten verteilt oder bei sofortiger Barauszahlung auf 462 Mio. US$ reduziert, was bei drei Gewinnern 154 Mio. US$ entspricht. Damit hat DISA-Vantage tatsächlich einen Verlust von fast 31 Mio. US$ realisiert.

Fonds-Investoren zeigen sich bereits verärgert und streben eine Sammelklage an. So hat lt. des US-Blogs “Asset Writedowns” der Asset Manager Bill Pimco, der für die Pensionskasse FM Local in DISA-Vantage-Funds investiert hat, Falcone vorgeworfen, er hätte da wohl etwas verwechselt: “Laut der Fondsbedingungen investiert DISA-Vantage in Wertpapiere der Glückspielindustrie. Darunter habe ich Aktien, Anleihen und Derivate auf Casinogesellschaften und Wettanbieter verstanden, nicht aber Lottoscheine.”

Das könne man allerdings auch anders sehen, sagte Gregor Schmidt, Senior Deputy Vice President der deutschen Niederlassung von GS Morgan. Schließlich sei ein Lottoschein ebenfalls ein Wertpapier, mit einem an bestimmte Bedingungen geknüpften Zahlungsversprechen. Pimco solle sich doch lieber um seine Pensionskasse kümmern und das Muppetspielen anderen überlassen.

Die Mail von John Falcone kann hier auf Zerofools nachgelesen werden.

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