Ich brauche ein Derivat: Oder warum das Gezerre um die Schuldenkrisenfonds ESM und EFSF nervt

by Dirk Elsner on 2. April 2012

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Gegen die Kopfschmerzen der Schuldenkrisedebatte (Foto: flickr/James Tan Chin Choy)

Nach dem Schuldenschnitt für Griechenland herrschte ja so ungefähr eine gefühlte Woche Pause in der Diskussion um die europäische Schuldenkrise. Endlich konnten sich alle auf ihre Kernkompetenzen stürzen. Griechenland beschäftigte nur noch die Anlegerschützer, weil den umtauschfreudigen Kleinanlegern niemand gesagte hatte, dass sie für eine griechische Anleihe plötzlich 483 Einzeltitel in ihr Depot eingebucht bekamen, die natürlich alle Verwaltungskosten verursachen.

EZB-Chef Draghi gab Entwarnung: „Das Schlimmste ist vorüber“  und die Stimmung an den Finanzmärkten war so freundlich wie das Wetter in der zweiten Märzhälfte in Deutschland. Eigentlich hätte man ja alles so lassen können. Dann aber musste die OECD mal daran erinnern, dass es sie auch noch gibt. Das klappte optimal mit einer Forderung nach einer “Brandmauer” (welche PR-Agentur hat diesen Begriff eigentlich statt Rettungsschirm eingeführt?) im Umfang von 1.000.000.000.0000 Euro

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung fordert plötzlich, den Rettungsschirm durch eine Brandmauer zu ersetzen. Irgendwie ist das ja auch plausibel, denn nach einem Gewitter regnet es nicht nur, sondern es kann ja auch brennen. Der OECD-Donnerschlag hatte immerhin den Vorteil, dass man sich wieder dem beliebten Rettungsfondsschach zuwenden konnte. Vor allem waren nun erst einmal alle am überlegen, wie hoch denn die verschiedenen Volumina mit Garantien, Kapitaleinlagen und was auch immer eigentlich sind. Sogar die FAZ fragte vergangene Woche: “Wie groß ist der dauerhafte Euro-Krisenfonds wirklich? Bis heute ist das nicht wirklich klar, mir übrigens auch nicht.

Jedenfalls fanden es die Franzosen wohl witzig, ebenfalls eine Aufstockung (oder ist es in Wirklichkeit vielleicht sogar eine Abstockung?) der Fondsvolumina zu fordern. Der Reflex aus Deutschland durfte mit Blick auf die Innenpolitik nicht ausbleiben. Schäuble musste natürlich einen Billionen-Rettungsschirm ablehnen. Das Wall Street Journal fand dann heraus, dass die Europäische Kommission am liebsten 940 Milliarden Euro hätte. Nahe genug an der Billion für Frankreich und gesichtswahrend für Deutschland, weil das Tera nicht erreicht wird.

Mich nervte das Ping-Pong-Spiel allein schon deswegen, weil mich die gesamten Rettungsschirmkonzepte nicht überzeugen. Als ich dann am Samstag Morgen auf FAZ Online las, Euro-Staaten rechnen sich ihre Brandmauer schön hoch, hätte ich eigentlich erst einmal ein Derivat benötigt. Verschiedene Finanzminister sprechen von verschiedenen Zahlen. Einige reden von 800 Mrd. andere von einer Billion.
Das echte Haftungsrisiko zu bestimmen, das aus den komplizierten Transaktionen resultiert, können vermutlich nicht einmal mehr Spezialisten. Schaut man sich allein die Umschuldungsdetails für Griechenland an, dann müsste man die Bedingungen von 24 Einzelpapiere studieren, um herauszufinden, wer wann unter welchen Bedingungen für welche Papiere haftet und welches Formular ddafür ausfüllen muss.

Nun könnte man denken, das reicht alles schon. Nein, denn die EZB, die ja mal gerade ohne jede Regierungsbeteiligung 1 Billion Euro den schwächelnden Banken ebenfalls auf Risiko der EURO-Länder verteilt hat, schaffte es am Samstag noch einen drauf zu setzen. Ausgerechnet das deutsche EZB Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen warnt nun den Bundestag vor einer Mitsprache. Wenn das nicht ein zu früh online gegangener Aprilscherz der Süddeutschen war, dann möchte man ihm sofort zustimmen und sagen: “Genau liebe Abgeordneten des Bundestages. Hört auf den Asmussen und stimmt einfach nicht über die Drucksache 17/9045 ab.

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