Aktionäre finden Facebook nicht gut und disliken das Soziale Netzwerk

by Dirk Elsner on 22. Mai 2012

Jetzt reicht es aber erst einmal mit Facebook. Ich will hier ja keinen Facebook-IPO-Watchblog machen und keine Ratschläge zur Geldanlage verteilen. Andererseits mag ich ja die Wirtschaftsgeschichten, um die ein großer Wirbel veranstaltet wird, insbesondere wenn sich anschließend herausstellt, dass wieder einmal alles anders läuft, als es die “Experten” erwartet haben. In diesen Tagen eignet sich neben dem Failtrade der einst so hochgejubelten US-Bank JP Morgan vor allem der Börsengang von Facebook als Musterbeispiel, wie wenig sich die ökonomische Realität an das hält was “Experten” oder Unternehmen der Öffentlichkeit vermitteln (wollen). Jetzt muss ich doch ein hoffentlich letztes Mal ran, weil die gestrigen Verluste der Facebook-Aktie bemerkenswert waren. Der Kursverlauf dürfte arg die Nerven der Erstzeichner und vor allem der Altaktionäre strapaziert haben. Sie fühlten sich Ende letzter Woche noch deutlich reicher.

Und so sah der Handelstag via. Bloomberg aus:

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Medien und Blogs zerlegten aber gestern den ganzen Tag die Aktie verbal.

The Collapse Of Facebook Is A National Obsession war auf Business Insider zu lesen. Die FTD befürchtet wegen des hohen Ausgabepreises, dass Gier die Facebook-Aktie beschädigt hat. Die deutsche Ausgabe des Wall Street Journals sieht, dass auch am zweiten Handelstag die Aktie alles andere als eine Erfolgsgeschichte ist und glaubt, dass selbst die Optimisten nun das Handtuch zu werfen. Zero Hedge weidet sich genüsslich im unliken des sozialen Netzwerk: FadeBook Enters Bear Market; -20% From Highs Vom Faceflop schreibt Marc Schmidt bei den Börsenbloggern und das Handelsblatt sieht die Aktie am zweiten Tag als einen „regelrechten Albtraum“. Wohltuend hebt sich von den Kommentare Patrick Bernau auf FZA.net ab mit "Warum der Börsengang von Facebook kein Fiasko ist".

Ausgesprochen peinlich ist der massive Kursverfall aber für die Konsortialbanken, die ja letzte Woche in Abstimmung mit Facebook die ursprüngliche Preisspanne von zwischen 28 und 35 US$ auf 34 bis 38 angehoben hatten (siehe dazu auch WSJ "Fehlstart von Facebook weckt Kritik" und FTD "Die Patzer von Morgan Stanley"). Da mutet es fast schon trotzig an, dass sich der Preis der Aktie gestern im alten Korridor bewegte. Ich hatte gestern ja bereits berichtet, dass der Konsortialführer Morgan Stanley am Freitag 2 Mrd. US$ für die “Verteidigung” des Emissionspreises ausgeben hatte. Nicht bekannt ist bisher, in welchem Umfang sich die weiteren Konsortialbanken, darunter bekanntlich auch die Deutsche Bank, an der Stützung beteiligt haben und welches Kursrisiko sie dafür zu tragen haben. Bemerkenswert ist freilich, dass sie die Verteidigung der 38 US$-Marke so schnell aufgegeben haben.

Aber selbst wenn die Konsortialbanken ihre Risiken begrenzt halten können, der Schaden für künftige Börsengänge ist immens. Welcher Kaufinteressent wird einem Emissionskonsortium in den nächsten Monaten die Preisfindung für den Erstverkaufspreis abnehmen? Selbst wenn bei den künftigen Emissionen die Preise nicht so aggressiv wie bei Facebook gesetzt werden, hat die Glaubwürdigkeit stark gelitten. Und die Investmentbanken können sich diesmal auch nicht einfach auf die große Vergesslichkeit der Märkte verlassen. Facebook war eine Leuchtturmemission. An den Flopp werden sich Anleger und Beobachter noch lange erinnern.

Aber was heißt hier eigentlich Flopp? Beobachter neigen bei der Beurteilung der Kapitalmärkte stets dazu die aktuelle Entwicklung in die Zukunft zu extrapolieren. Zwar hat sich meine Warnung von letzter Woche bestätigt und die Erstkäufer wurden zu Muppets gemacht, dennoch kann es morgen schon wieder anders laufen. Das ist wie beim Fußball, nicht immer gewinnt der Favorit und nicht immer gewinnt der, der am schönsten spielt. Und die Argumente, die bei einem niedrigeren Preis für einen Kauf sprechen, sind ja eine Woche später nicht alle weggefallen.

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