Epilog zum Börsenstart: Enttäuscht die Facebook-Aktie noch mehr? (+ Haltefristen Altaktionäre)

by Dirk Elsner on 21. Mai 2012

Wenn ich mich an die letzte Börsenwoche erinnere, dann war der Hype um den Börsengang von Facebook ja irgendwie abgedreht. Ich kann mich nicht erinnern, dass ein Börsengang je eine solch hohe weltweite Aufmerksamkeit erzeugt hat. In Kommentaren am Wochenende (siehe unten) war oft zu lesen, dass Facebook mit dem ersten Handelstag die Erwartungen enttäuscht hat, weil die meisten Beobachter einen starken Anstieg erwarteten. Karoline Kopp schrieb im Wall Street Journal Deutschland gar von einem “echter Rohrkrepierer”.

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Facebook-Snapshot von Bloomberg vom 1. Börsentag

Ich weiß nicht, auf welche Beobachtungen sich die verschiedenen Autoren stützen, aber der Start ist ziemlich exakt so verlaufen, wie ich das in diesem Beitrag auf Handelsblatt Online erwartet habe. Ich habe zwar die erste Preisnotierung nicht getroffen, dafür aber den ersten Schlusskurs von 38,2318 nur um 27 US-Cent verfehlt. Auch meine Befürchtung, die Aktie könne gleich am ersten Tag von den Konsortialbanken gestützt werden, hat sich bestätigt. Nils Rüdel schrieb dazu auf Handelsblatt Online in ”Krimi ohne Happy End”:

“Weil der Kurs dort unten zu verharren drohte, hatte die Aktie ein wenig Anschub nötig. Und so schlug die Stunde der am Börsengang beteiligten Banken, die zwischendurch helfend eingriffen: Sie kauften nach Berichten des „Wall Street Journals“ und der Finanznachrichtenagentur Bloomberg bis zuletzt immer wieder Aktien, damit diese nicht unter 38 Dollar rutschen. Offenbar mit Erfolg: Der Kurs stieg zwischenzeitlich auf rund 40 Dollar an. Zum Börsenschluss ging das Papier dann mit 38,23 Dollar aus dem Handel – ein mageres Plus von 0,61 Prozent.”

So dürften vor allem diejenigen enttäuscht gewesen sein, die Facebook zum Emissionspreis von 38 US$ erworben haben. 0,61% am ersten Tag und das nur mit Stütze durch das Bankenkonsortium, das ist schon fast peinlich. Das Wall Street Journal schreibt in der US-Ausgabe sogar:

“Such a stumble would have been a significant embarrassment, particularly for a prominent new issue like Facebook, the most heavily traded IPO of all time.”

Noch frustrierter dürften allerdings die Anleger gewesen sein, die den Titel nach Börsenstart erworben haben. Die NASDAQ ertrank ja in einer Auftragsflut und konnte gar nicht planmäßig ab 17 Uhr notieren (Details dazu im Deal Journal des WSJ „Nasdaq’s Blow-by-Blow on What Happened to Facebook„. Die Aktie eröffnete mit 42,05, schoss dann bis auf 45 US$ hoch und musste am Ende des Tages vor dem Absturz unter die 38 US$ bewahrt werden.

Außerdem kann man sich fragen, warum eigentlich der deutsche Broker Lang & Schwarz für Facebook indikative Preise bis 68 US$ gestellt hat (siehe dazu auch meine Aufzeichnung im Beitrag vom Freitag in den Updates). Ein Leser hat sich in einem Kommentareintrag bitter beschwert, weil diese Preise Grundlage für die ersten Calls waren, die nun kaum noch etwas wert sind, wie etwa dieser hier. Lang & Schwarz hatte bereits am Mittwoch diverse Optionsscheine auf den Markt geworfen mit Basispreisen von 60 und 70 USD. Zumindest die Calls sind jetzt weit aus dem Geld. Ein Bedauern dürfen die Käufer aber nicht erwarten, denn solche Geschäfte sind hochriskant, was den Käufern bewusst sein sollte.

Nun bin ich gespannt, ob auch der letzte Teil meiner Erwartung zutrifft und auf fallende Kurse setzende Hedgefonds den Kampf mit den Konsortialbanken weiter fortsetzen. Konsortialführer Morgan Stanley soll jedenfalls schon viel zu tun bekommen haben, um die Verteidigungslinie von 38 US$ zu halten. Ich kann mir gut vorstellen, dass einige gut ausgestattete Marktteilnehmer nun testen könnten, wie lange die Munition der Bank und der weiteren Mitglieder des Konsortiums, darunter auch die Deutsche Bank, reicht. Nach einer vom Handelsblatt veröffentlichten Reutersberechnung könnte Morgan Stanley bis zu 2 Mrd. US$  dafür aufgewendet haben, wenn der Konsortialführer in den letzten 20 Minuten alle Aktien bei etwa 38 US$ gekauft hätte. Das entspräche übrigens ca. 52 Mio. Aktien. Fällt Facebook nur um 1 US$, wäre ein Großteil der Erlöse (lt. Börsenunterlagen 67 Mio. US$) aus diesem Konsortialgeschäft wieder futsch. Ich bin sicher, dass es Marktteilnehmer gibt, die testen wollen und dies auch können, ob und wie lange der hohe Emissionspreis verteidigt werden kann.

Für weiteren Druck auf die Aktie könnte sorgen, dass bereits Ende August weitere Haltefristen für 268 Mio. Aktien im Besitz von Altaktionären auslaufen. Dann geht es Schlag auf Schlag (siehe Tabelle). Ein richtig großer Brocken mit weiteren 1,2 Mrd. Aktien steht Ende November an. Wenn viele Altaktionäre dann Kasse machen wollen, könnte das den Kurs nachhaltig drücken oder zumindest vor einem Ausbruch nach oben abhalten. Zumindest ein Teil der bisherigen Aktionäre wird selbst bei einem Preis von 30 US$ noch die Papiere veräußern wollen, weil sie endlich Cash für ihren Einsatz sehen wollen.

Man sieht also, die Facebook-Aktie wird in jedem Fall Gesprächsthema bleiben.

Angaben zu lock-up agreements (Mindesthaltedauer der Aktien bei Alteigentümern) per Stichtag 16.5.2012

As a result of the lock-up agreements and market standoff provisions described below and subject to the provisions of Rules 144 and 701 under the Securities Act, these restricted securities will be available for sale in the public market as follows:

  • on the date of this prospectus, none of these restricted securities will be available for sale in the public market;
  • 91 days after the date of this prospectus, 268,113,248 shares held by the selling stockholders other than Mr. Zuckerberg;
  • 151 to 180 days after the date of this prospectus, approximately 137 million shares underlying net-settled Pre-2011 RSUs held by our directors and then current employees and approximately 55 million outstanding shares and approximately 55 million shares subject to stock options held by then current employees other than Mr. Zuckerberg;
  • 181 days after the date of this prospectus, 1,222,849,097 outstanding shares and approximately 18 million shares underlying other net-settled Pre-2011 RSUs;
  • 211 days after the date of this prospectus, 123,746,921 shares held by the selling stockholders other than Mr. Zuckerberg; and
  • 366 days after the date of this prospectus, 47,315,862 shares held by Mail.ru Group Limited and DST Global Limited and their respective affiliates.

In addition, as of March 31, 2012, options to purchase 49,390,599 shares of Class B common stock held by former employees were outstanding and fully vested and the Class B common stock underlying such options will be eligible for sale 181 days after the date of this prospectus. Furthermore, following our initial public offering, the remaining 60,000,000 shares subject to the partially exercised stock option held by Mr. Zuckerberg will be eligible for sale 181 days after the date of this prospectus. We expect an additional approximately 2 million shares of Class B common stock to be delivered upon the net settlement of RSUs between the date of the initial settlement of RSUs described above and December 31, 2012 will be eligible for sale in the public market immediately following settlement.

Quelle: bei SEC hinterlegter Börsenprospekt Facebook per 16.5.2012, S. 156

 

Stimmen zum Facebookstart

FTD: Facebook legt maues Börsendebüt hin

FAZ: War das alles, Mr. Zuckerberg?

WSJ: Bescheidener Start für Facebook-Aktien

Spon: Verpatzter Börsenstart Facebook und Nasdaq sind blamiert

Zeit: Ein glanzloser Start an der Börse

FAZ: Facebook geht beim Börsenstart die Puste aus

SZ: Soziales Netzwerk ist an der Börse – Facebook-Aktie startet mäßig

WSJ: Facebook-Optimismus an der Wall Street schnell verblasst

Zero Hedge: Fadebook

FAZ: Pro & Contra Ist Facebook Unsinn?

Bloomberg: Facebook Stalls in Public Debut After Record $16B in IPO

Bloomberg: Facebook Fails to Make Day-One Pop, Lags Behind Google

WSJ: Missing Out on Facebook Jackpot

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