Wahl in Griechenland: Mehr Medien-Panik geht fast nicht – Märkte gelassener

by Dirk Elsner on 15. Juni 2012

Der sicherste Weg, um als Ökonom ernst genommen zu werden, ist, stets Desaster vorherzusagen, egal was sich tatsächlich ereignet.” (Anatole Kaletsky)

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Börsen am letzten Tag vor der EURO-Apokalypse

Ich finde es in diesen Tagen unglaublich schwer, sich ein wirkliches Bild von den Konsequenzen der Wahlen in Griechenland zu machen. Medienschlagzeilen suggerieren einen großen Schock für die Finanzmärkte. Selbst die sonst eher zurück haltende FAZ macht mit Drama und dunklen Wolken auf in “Notenbanken bereiten offenbar Notoperationen vor”. Damit wird der Unterschied zu Spiegel Online fast marginal mit  “Notenbanken der Welt wappnen sich gegen Marktschock”. Auch Handelsblatt Online hatte die dunklen Wolken heute auf der Homepage im Einsatz und titelte “Europas Banken bereiten sich auf den Ernstfall vor”. Das Wall Street Journal wollte da nicht harmloser erscheinen mit “In Griechenland grassiert die Angst” und ebenfalls nicht SZ Online mit “Wahl der Angst”. Die FTD stemmt sich gegen den Sturm mit “Der Grexit – "Technisch beherrschbar, aber tragisch" und auch ZEIT Online widersteht dem Alarmismus und titelte heute vergleichsweise zurückhaltend auf der Wirtschaftsseite “Die Welt gegen den Klassenprimus Deutschland”.

Garniert werden die Berichte über wilde Spekulationen wie ein Ende des Euro Ausstieg eines Landes aus der Eurozone gestaltet werden kann oder gar was eine Rückkehr zur D-Mark bedeuten würde. Das liest sich zum Teil gruselig, zum Teil unterhaltsam. Allerdings würde ich mir aktuell weniger Alarmismus wünschen. Nicht deswegen, weil ich glaube, es gibt keine Risiken oder alles ist nur halb so schlimm ist. Tatsächlich glaube ich, dass derzeit kaum einer den Überblick hat. Das will nur kein “Experte” zugeben. Stattdessen werden wir wie 2008/09 mit so ziemlich jedem denkbaren Szenario zugeschüttet. Gefühlt würde ich sagen, dass 95% der düsteren Prognosen von damals nicht aufgegangen sind.

Wie dem auch sei. Ich gehöre vielleicht zu den unverbesserlichen Optimisten, die glauben, dass unsere Wirtschaftsordnung einen wie auch immer gearteten Schock überstehen wird, wenn es den überhaupt gibt. Dabei werden wir uns längst nicht so entspannt in Deutschland zurücklehnen können, wie das viele hoffen. Aber wir werden Handlungen und Ergebnisse sehen, mit denen heute niemand rechnet. Vielleicht habe ich mich zu sehr von Anatole Kaletsky´s Kapitalismus 4.0 anstecken lassen, der davon überzeugt ist, dass wir mit unser Wirtschaftsordnung bisher stets einen Weg aus den Krisen gefunden hat.

Wie dem auch sei. Die “Märkte” in Form der Preise an den Aktienbörsen gehen offensichtlich deutlich gelassener ins Wochenende (Stand Freitag Mittag), als die Medien. Und ich glaube nicht, dass es allein daran liegt, dass sie auf konzertierte Aktionen der Notenbanken und der G20 vertrauen. Denn die Erfahrung lehrt uns, die Halbwertzeit dieser Aktionen beträgt gerade mal einen halben Tag

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