Gastbeitrag von Andrea Haaser*
Nicht nur große Konzerne, auch kleine und mittlere Unternehmen partizipieren am internationalen Markt. Wie die EU-Studie zur „Internationalisierung der europäischen KMU“ (auf der Grundlage einer Befragung von 9.480 KMU in 33 europäischen Ländern) hat ein Viertel der KMU in den 27 EU-Mitgliedstaaten Handelsbeziehungen in andere Länder, zu 76 % in die anderen Länder der EU.
International tätige KMU schaffen siebenmal mehr Arbeitsplätze, sind dreimal innovativer als andere Firmen und weisen eine stärkere Wachstumstendenz auf.
All diese Indikatoren zeigen, dass die Teilnahme am internationalen Markt für eine deutlich verbesserte Business-Performance sorgt. Selbst wer erst sein eigenes Unternehmen gründen will, sollte dabei den Blick auch auf den internationalen Markt richten.
Wie gründe ich ein Unternehmen mit Chancen im Ausland?
Die Internationalisierungschancen von KMU unterscheiden sich stark nach Wirtschaftssektor, Technologien, Marktgröße oder Einbindung in globale Wertschöpfungsketten. Informationen, wie das geplante Unternehmen international tätig werden kann, erhält man am besten bei der Europäischen Kommission in Brüssel. Diese unterstützt grundsätzlich Bestrebungen von KMU, Abnehmer, Businesspartner oder Investmentmöglichkeiten im Ausland zu finden. Auch die Bedingungen in den einzelnen Ländern, eine Offshore Firma gründen zu können, erfährt man hier.
Praktische Hilfe erhalten KMU auf Bundes- und Landesebene durch Exportkreditversicherungen, Auslandsmesseförderprogramme, Investitionsschutzabkommen, Vermarktungshilfsprogrammen und Delegationsreisen des BMWi. Wer ein eigenes Unternehmen gründen will, das auch Marktchancen im Ausland haben soll, sollte sich diese wichtigen Informationen und Hilfen nicht entgehen lassen.
Eigenes Unternehmen gründen und dann auf den internationalen Markt ausrichten
Wer die Frage „Wie gründe ich ein Unternehmen?“ erfolgreich beantwortet hat, sollte bei der weiteren Entwicklung der Firma das Ausland nicht aus dem Auge verlieren. Die Informationen und Kontakte sind leichter zu beschaffen, als mancher Unternehmer denkt. Jede IHK verfügt auch über eine Kontaktstelle für internationale Geschäfte, ob nun ein Lieferant, ein Abnehmer oder ein Handelsvertreter gesucht wird. Darüber hinaus bietet das Web viele Informationen. Wer mit seinen Fragen nicht allein bleiben will, legt ein Profil in der Export Community beim Außenwirtschaftsportal iXPOS des Bundeswirtschaftsministeriums an kann Geschäftswünsche veröffentlichen, suchen und finden.
Wer eine Offshore Firma gründen will, kann mit den Einrichtungen der deutschen Außenhandelskammer (AHK) auch direkt an 120 Standorten in 80 Ländern der Welt oder mit den Kompass-Niederlassungen kooperieren. Das internationale B2B-Firmenverzeichnis „Kompass“ enthält derzeit Informationen über Produkte, Dienstleistungen und Manager von ca. 3,5 Mio. Firmen in 63 Ländern. Wer liefert was?, die Lieferantendatenbank, ABC der Deutschen Wirtschaft, die Lieferantensuchmaschine für den Mittelstand, die BDI-Einkaufsdatenbank für den Binnenmarkt und das Bundesfirmenregister stehen ebenfalls kostenlos zur Verfügung.
Eigenes Unternehmen gründen und im Ausland repräsentieren
Die beste Variante, Möglichkeiten im Ausland in Augenschein zu nehmen, ist immer noch ein Messe-Auftritt vor Ort. Die Kosten dafür sind gering, denn Bund und Länder unterstützen KMU mit Messegemeinschaftsständen. Viele Landesmessegesellschaften machen zudem junge Unternehmer mit einem Training "Fit for Fair". Das Land Berlin z.B. hilft KMU mit dem Programm „Neue Märkte erschließen“ gezielt beim Markteinstieg im Ausland mit Messeauftritten, Teilnahme an Kongressen, Unternehmenspräsentationen, Teilnahme an Delegationen und nicht rückzahlbaren Zuschüssen für Vorhaben für die Erschließung neuer Märkte. Dazu gehören auch Vertriebskonzepte oder bei die Einstellung von Außenwirtschaftsassistenten.
Auf Bundesebene erhalten einige Branchen besondere Förderung, z.B. junge innovative Unternehmen, Firmen aus der Ernährungsbranche oder der Export von Technologien im Bereich der erneuerbaren Energien.
Wer ein eigenes Unternehmen gründen und im Ausland aktiv werden will, sollte diese Förderungen einfach einkalkulieren. Die Chancen sind hervorragend, denn nur 16 % aller deutschen KMU wissen überhaupt, dass es diese Förderungen gibt.
Offshore Firma gründen – die Reichweite verstärken
Natürlich bekommt ein Unternehmer nicht alles abgenommen, was den Einstieg in den internationalen Markt betrifft. Eine gründliche Recherche seiner Möglichkeiten und die fachliche Einschätzung muss er schon selbst treffen. Wenn aber die Entscheidung für ein Partnerland gefallen ist, gehören auch einige psychologische Aspekte zum Erfolg.
Mit deutschen Produkten haben Sie überall auf der Welt einen Vertrauensbonus. Achten Sie darauf, dass Ihr Angebot möglichst konform mit den Vorstellungen geht, die in dem betreffenden Land über Deutschland herrschen. Strahlen Sie in der persönlichen Wirkung ruhig ein wenig Ordnungsliebe und den Hang zum Fachsimpeln aus – das wird von Ihnen erwartet. Je genauer Sie mit Ihrem Angebot und seiner Präsentation den deutschen Auslandsnimbus treffen, umso besser.
Zeigen Sie im Gegenzug Interesse für das Land, seine Sprache und die Kultur. Berücksichtigen Sie die jeweils geltenden Etikette. Arbeiten Sie immer mit einem Muttersprachler zusammen. Das schützt vor Missverständnissen und schafft Vertrauen. Dieser Grundsatz gilt auch für Mailings, Telefonate und Pressemitteilungen.
Nutzen Sie das Internet. Wählen Sie eine geeignete Plattform, die in dem jeweiligen Land populär ist. So schaffen Sie auch Nähe zur Zielgruppe.
* Zur Autorin:
Andrea Haaser betreut die Webseite vomfachmann.de und versteht sich als Tippgeberin für die vielen Fragen des Geschäftslebens. So, wie sie ihre Erfahrung in die Angebote einfließen lässt, veröffentlicht sie auch gern hilfreiche Hinweise für Existenzgründer und Firmen, die ihr Spektrum erweitern wollen.
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