Droht Murdoch abermals eine Zeitungskrise?

by Marsman on 8. August 2013

Gastbeitrag von Marsman

Wenn immer Murdoch oder etwas von seinen Medienunternehmen selber Gegenstand von Medienberichten ist, ist das nicht gut für ihn. Jetzt machte eine  geheim aufgezeichnete Konferenz die Nachrichtenrunde. Murdoch ist zu hören. Was er sagt kommt nahe ran an die mittlerweile sehr bekannten Gesprächsaufzeichnungen irischer Banker. Sie sind wirklich hörenswert. Hier die Nachrichten dazu auf Channel 4 vom 3. Juli samt einem Teil der Aussagen Murdochs. Weitere Texte der Aussagen gibt es beim Guardian.

Zu den für Murdoch nunmehr fatalsten Aussagen gehört wohl jene wonach  Zahlungen an Polizeibeamte seit hundert Jahren völlig normal wären. Damit eröffnet er zumindest Aktionären die Möglichkeit ihn wegen schlechter Geschäftsführung, der Tolerierung krimineller Praktiken zu verklagen.

RM: „We’re talking about payments for news tips from cops: that’s been going on a hundred years, absolutely…“

Weiter redete er davon dass  es bei  der News of The World einen extra Safe gab für solche Zahlungen, eine Aussage für die er jetzt vielleicht angeklagt wird. Er hatte zuvor der Parlamentarischen Untersuchungskommission gegenüber vehement bestritten dass er von solchen Zahlungen gewusst hatte und dadurch ein Strafverfahren gegen ihn persönlich vermieden.

RM: „I remember when I first bought the News of the World, the first day I went to the office … and there was a big wall-safe … And I said, ‚What’s that for?‘ „And they said, ‚We keep some cash in there.‘ „And I said, ‚What for?‘ „They said, ‚Well, sometimes the editor needs some on a Saturday night for powerful friends. And sometimes the chairman [the late Sir William Carr] is doing badly at the tables, (laughter) and he helps himself …‘

Dann kündigt er, ironisch  formuliert,  „white collar Terrorismus“ an. Als Rache für das was mit Rebekka Brooks geschehen ist: Murdoch was scathing in his assessment of the police, labelling them „totally incompetent“ and a „disgrace“, saying that he will hit back at what he believes is a persecution of his tabloid titles.

Geoff Webster, the Sun’s deputy editor, referring to the perceived police vendetta, said it would be „nice to hit back when we can“. „We will, we will,“ says Murdoch.

Mittlerweile interessiert sich natürlich auch die Polizei für diese Gespräche. Es ist sehr wahrscheinlich dass an verschiedenen Stellen über Strafanzeigen nachgedacht wird, daran gearbeitet wird. Eine Verhaftung Murdochs ist jetzt nicht mehr auszuschließen. Die Nachrichten über eine bloße Festnahme und Verhör von ihm wären an und für sich dann freilich verheerend für sein.

Medienunternehmen, insbesondere die vor kurzem neu ausgegliederte Verlagsparte und selbständig an der Börse notierendes Unternehmen. Dass die einstige Skandalzeitung News of The World 2011 so schnell eingestellt.wurde hatte mit dem Rückzug der Werbekunden zu tun. Es gab eine kurze und sehr erfolgreiche Twitterkampagne, die sich an die Werbekunden richtete.

So ähnlich könnte es jetzt bei der Sun sein dass die Werbekunden von sich aus Werbung in der Sun zurückfahren. Obendrein gibt es genug Leute die sicher gerne bei einer solchen Twitterkampagne mitmachen würden um bei der Entscheidungsfindung in den Marketingabteilungen nachzuhelfen. Es braucht wohl nur einen Anlass. Das Aus für die Sun kann also rapide kommen oder aber in einem beschleunigten Verfall.

Im Moment scheinen die Bilanzen insgesamt recht gut aus zusehen für News Corp, nicht zuletzt auch wegen Sky Deutschland.  Wie aber in diesem Investorenblog zeichnen die nötigen Abschreibungen ein düsteres Bild:

The company took a $231 million charge for the restructuring of its papers in Australia and the U.K. in the nine months ended March 31. It expects to take a charge in the quarter ended June 30 of between $1.2 billion to $1.4 billion in its News and Information Services business.

Die Auflage der Sun war vor einigen Jahren noch 3,5 Million, sie ist auf  rund 2 Millionen Auflage gesunken. Tendenz weiter sinkend. Mit schwindender Leserschaft haben auch seine australischen Zeitungen zu kämpfen. Ebenso wie das New Yorker Tabloid New York Post. Auch die Londoner Times hat dasselbe Problem.

In Deutschland wird dieser Medienskandal wohl nur am Rande bemerkt werden, auch wegen der äußert zurückhaltenden Berichterstattung in den Medien. In der englischsprachigen Welt schlägt ein Skandal um Murdoch etwas mehr Wellen.

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