Tod eines Praktikanten

by Karl-Heinz Thielmann on 20. August 2013

In den deutschen Medien (noch) fast unbeachtet, aber ein großes Thema in Großbritannien: Ein 21jähriger deutscher Student, der als Praktikant im Investmentbanking bei Bank of America in London beschäftigt war, ist nach einem dreitägigen Arbeitsmarathon ohne richtige Pause beim Duschen tot zusammengebrochen.

Laut britischen Presseberichten war dies nicht die erste solcher Nachtschichten. Nein, es ist in dieser Industrie sogar üblich, regelmäßig Tag und Nacht zu arbeiten, keine Rücksicht zu nehmen, auf sich selbst, auf die eigene Gesundheit. Der selbstaufopfernde Arbeitsmarathon ist quasi eine Art Initiationsritus, mit dem Yuppies für die höheren Weihen einer Investmentbanker-Karriere vorbereitet werden. Doch nun hat sich einer der Kandidaten anscheinend regelrecht totgearbeitet. Noch ist nicht ganz klar, ob noch andere Faktoren eine Rolle gespielt haben, geholfen hat das exzessive Arbeiten dem jungen Mann aber sicher nicht.

Dieses Ereignis wirft erneut ein Schlaglicht auf eine Industrie, die ihre Kunden als „Muppets“ ansieht, als leicht manipulierbare Puppen. Was oft vergessen wird, ist, dass auch innerhalb der Investment-Bankkonzerne die meisten Mitarbeiter zu den „Muppets“ gehören, die auf menschenverachtende Weise ausgebeutet werden. Für ein zugegebenermaßen überdurchschnittliches Gehalt lassen sie sich auf eine Arbeit ein, die viele schon die physische und psychische Gesundheit gekostet hat.

An Zynismus kaum zu überbieten war das Statement eines Vertreters von Bank of America im Nachgang des Todesfalles:

„The whole point about internships is to give students a positive experience and to get to know our firm and us to know them well, so we can work out who would be the best fit to join the company full-time after they graduate.“

Die großen Investmentbanken haben aus der Finanzkrise nichts gelernt, sie treiben es noch schlimmer als vorher. Das Eingehen von Risiken auf Kosten der Allgemeinheit und das Verschleißen von Kunden und Mitarbeitern lohnt sich nach wie vor viel zu sehr.

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