Comdirect als erste Bank in Deutschland mit “persönlichem Finanzmanager” online

by Dirk Elsner on 9. September 2013

Das ist ja spannend. Als ich mich am Wochenende auf comdirect einloggte, wurde ich gefragt, ob ich zum “persönlichen Finanzmanager” wechseln wollte. Was ich dann sah, überraschte mich positiv. Die Bank ist dabei einen persönlichen Finanzmanager einzuführen und macht das offensichtlich zunächst einmal ohne große öffentliche Ankündigung. Zumindest habe ich keine Ankündigung gefunden. Dafür sind aber auf der Webseite der Bank detaillierte Informationen im FAQ-Bereich zu finden.

Ein “Persönlicher Finanzmanager” (Fachjargon Personal Finance Management, kurz PFM genannt) soll einen schnellen Überblick über die Kontendaten und vor allem über die Einnahmen und Ausgaben ermöglichen, sowie die Finanzplanung unterstützen. In einer Kolumne im Januar für das Wall Street Journal hatte ich beklagt, dass die Banken bisher viel zu wenig aus den Kundendaten machen und Drittanbieter, wie MINT, in diese Lücke springen. Damals schrieb ich u.a.:

“Für eine Zielgruppe wird aus den vielen Bankdaten allerdings vergleichsweise wenig gemacht: für die Kunden. Die erhalten mehr oder wenig trocken formatierte Schreiben, Kontoauszüge oder Depotaufstellungen, deren Schrifttypen oft noch den Charme der 1980er Jahre verbreiten.

Aber auch viele Darstellungen im Onlinebanking haben in den vergangenen Jahren, wenn überhaupt, nur kosmetische Änderungen erfahren. Da kann man sich bereits freuen, wenn man die Kontodaten nach Umsatzarten sortieren kann. Besonders Unternehmen helfen sich hier mit eigenen Anwendungen, die die Bankdaten einlesen können. “

Was kann man nun mit so einem “Persönlicher Finanzmanager” machen? Man kann etwa seine Ausgaben und Einnahmen bestimmten Kategorien zuordnen und auch grafisch aufbereiten lassen. Hat man nichts voreingestellt, dann macht die Bank Vorschläge. Es gibt grafische Anzeigemöglichkeiten sogar mit einem Drilldown bis hin zu den einzelnen Ausgaben. Man kann sich benachrichtigen lassen über besondere Positionen und Budgets planen, wenn man möchte.

Nun scheint die in Quickborn sitzende Comdirect das erste Institute in Deutschland zu sein, dass mit einem solchen Service aufwarten kann. Die Schweizer PostFinance hat bereits im vergangenen Jahr ein eigenes E-Cockpit an den Start gebracht. Wie die Comdirect allerdings auch nur für die bei dem Institut geführten Konten.

Bisher war so etwas nur über Drittanbieter und Softwareprogramme zu bekommen. Im Januar bemängelte ich, dass Banken hier Dienstleistern das Feld überlassen, obwohl sie selbst auf den Daten sitzen und ihren Kunden diesen Zusatzservice anbieten könnten. Sie lassen damit zu, dass der eigene Markenkern ausgehöhlt wird.

Die Comdirect setzt sich durch diesen Service, der eigentlich schon seit Jahren zum Standard von Banken gehören sollte, an die Spitze in Deutschland. Bedauerlich ist aber, dass man nicht weitere Bankverbindungen konsolidieren kann. Offensichtlich tun sich die Institute noch schwer, die Daten von der Konkurrenz zu holen, obwohl das nach entsprechender Autorisierung durch die Kunden problemlos möglich ist.

Auch vom nahtlosen Übergang der neuen Funktion zu der mobilen App ist noch nichts zu spüren. Der “Finanzmanager” ist zumindest in der Android Version nicht zu finden. Cross-Channel-Integration und “seamless experience“, wie es in Buzzsprech heißt, bleiben also noch Anforderungen für die nächsten Monate und hoffentlich nicht Jahre.

Die comdirect, die Mitinitiator des Bloggerpreises ist, den ich vergangenes Jahr erhalten habe, rückt damit auf zu der aus meiner Sicht weit vorne liegenden Fidor Bank und setzt sich knapp vor Cortal Consors, die gerade mit der “Hello Bank” den Weg zurück in die Zukunft des Retail Bankings versuchen.

Nachtrag vom 13.9.

Mittlerweile hat die Comdirect auch durch eine Pressemitteilung den Finanzmanager angekündigt:

Kostenloses Analysetool – Sämtliche Einnahmen und Ausgaben im Blick – Sparpotenziale entdecken – Erstmalig bei einer Bank in Deutschland

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