Die öffentliche Defensive der Deutschen Bank

by Dirk Elsner on 24. Januar 2014

In der aktuellen ZEIT (5/2014) fasst Arne Storn einmal mehr den selbst gemachten Druck auf die Deutsche Bank zusammen: “Alte Skandale, neue Ermittlungen und nun auch noch miserable Zahlen”. Ich will die Einzelthemen hier nicht noch einmal auswalzen.

Storn fällt dann etwas auf, was mich auch irritiert, nämlich, dass die Deutsche Bank auf den Druck ständig nur reagiert – statt selbst zu agieren.” Ob, wie Storn schreibt, “Bürger, Politiker und Medien starke Worte, Konsequenzen oder Signale des Wandels sehen” wollen, sei einmal dahin gestellt. Fakt dürfte aber sein, dass das größte deutsche Finanzinstitut sich selbst in die Enge getrieben hat und wie ein angeschlagener Boxer wirkt, der mit Fäusten sein Gesicht schützt.

Aus der Defensive, um im Bild zu bleiben, folgen dann zwischendurch ein paar wütende Attacken, wie die Aussagen Fitschens über den “Unsinn des too big to fail” und das Gefecht mit Finanzminister Schäuble. Die beiden Haken zeigten zwar eine gewisse Lebendigkeit, haben die Bank aber taktisch eher geschwächt.

Von der Bank kommt wenig bis nichts, so Storn in der ZEIT, “was die breite Öffentlichkeit erreichen und verstehen könnte.” Storn fasst dann die üblichen Reaktionen der letzten Monate zusammen: 

“Die Deutsche Bank gibt sich korrekt, das schon: Wir reden nicht über Mitarbeiter und Kunden, bitte verstehen Sie, wir warten das Ende der Untersuchungen ab, laufende Ermittlungen, dazu können wir nichts sagen. Wie ein Mantra wiederholt die Bank, sie kooperiere mit den Behörden – dann aber ist oft Schluss.”

Storn hätte noch die gefühlt ewige Wiederholung der “Einzeltäter-Hypothese” auf skandalträchtige Aktivitäten anführen können. Egal mit wem man spricht, niemand nimmt es der Bank ab, wenn von “Verhaltensweisen einzelner Mitarbeiter” die Rede ist. Storn versucht dann eine Diagnose, warum sich die Bank so defensiv verhält:

“Die Unsicherheit und die Sorge, öffentliche Äußerungen könnten die staatlichen Stellen zusätzlich verärgern, führen dazu, dass die Bank oft vage bleibt und für die Öffentlichkeit deshalb schwer zu greifen ist.”

Allerdings hält man sich in Finanzkreisen auch sonst eher lieber bedeckt mit zu vielen und konkreten Aussagen, weil man dem Markt und den Konkurrenten keine Angriffsflächen zeigen will. Und natürlich soll den Gegnern in Rechtsprozessen keine neue Munition geliefert werden.

“Die Deutsche Bank steckt tief in der Krise”, schrieb Spiegel Online am Anfang dieser Woche nach Vorlage der Quartalszahlen.  Die Bank selbst möchte mehr Zeit haben, um die Altlasten aufzuarbeiten.  Gleichzeitig gilt es aber umfangreiche regulatorische Anforderungen zu erfüllen und vermutlich auch immer ungeduldig scharrende Aktionäre zu beruhigen. Es sieht also nicht so aus, als ob die Defensive so schnell vorbei ist.

Nachtrag

Für die FAZ hat  den aktuellen Zustand um die Führung der Bank analysiert in:  Unter Druck – Die nervöse Deutsche Bank

Previous post:

Next post: