Compliance – Mehr als bloßes Regeln befolgen

by Gastbeitrag on 24. April 2014

Gastbeitrag von Daniel Konrad

Mia san mia. So lautet das bayerische Selbstverständnis – stets schwankend zwischen tiefer Überzeugung und arrogantem Übermut. Der FC Bayern München tritt mit diesem Motto auf dem Fußballplatz auf. Und so regiert der Vorstand auch die Bayern München AG.

Gerne nutze ich die Gelegenheit hier auf Dirk Elsners Compliance Beitrag zu antworten. Hierzu hatte sich ein spannender Thread entwickelt, den man hier nachlesen kann.

Der Vorstand regiert den FCB wie einen Wald-und Wiesenverein und nicht wie einen millionenschweren, internationalen Konvzern. Trotz der anfänglichen Ermittlungen gegen Hoeneß und der Vorstrafe gegen Rumenigge bleiben beide Personen Vorstände im höchsten Gremium der FC Bayern München AG. Rummenige ist es bis heute – Hoeness trat selbst zurück als er verurteilt wurde. Hier stimme ich Dirk Elsners Diagnose zu, nicht aber seiner Schlussfolgerung: “FC Bayern-Aufsichtsräte dokumentieren die Absurdität der Compliance-Organisationen”.

Unternehmen, insbesondere börsennotierte international verflochtene Konzerne, unterliegen einer Vielzahl an nationalen und internationalen Gesetzen und Verordnungen. Dazu kommen Verpflichtungen, die sich das Unternehmen selbst auferlegt hat und an die es gebunden ist. In erster Linie ist es die Aufgabe des CEO oder Geschäftsführers, Schaden vom Unternehmen abzuwenden und dafür zu sorgen, dass eben diese Gesetze eingehalten werden. Diese Aufgabe hat der Geschäftsführer immer schon gehabt. Inzwischen kann er sie teilweise delegieren – an den Chief Compliance Officer. Durch Compliance wird die Pflicht des CEOs institutionalisiert, reguliert und Risiken werden konkreter als früher im Unternehmen analysiert. Der Chief Compliance Officer hat eine formal wirkungsmächtige Position mit CEO-Zugang, um das Thema Compliance im Unternehmen zu verankern Der Bundesverband Deutscher Compliance Officer hat ein Diskussionspapier zum Berufsbild des Compliance-Officers vorgelegt. Es handelt sich um eine junge Position und Profession in Deutschland. Daher verweise ich auf eine Studie aus den USA mit konkreten Zahlen zu Kosten und Nutzen von Compliance.

Das Ponemon Institut und Tripwire führten 2011 eine Studie über „Die tatsächlichen Compliance-Kosten“ durch und bestimmten anhand einer repräsentativen Umfrage bei 46 multinationalen Unternehmen die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen der Compliance-

Aktivitäten. Insgesamt wurden dazu 160 Fachbereichsleiter in diesen Unternehmen befragt.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Kosten für Non-Compliance im Vergleich zu den durchschnittlichen Compliance-Kosten von 3,5 Millionen USD sehr viel höher sind. Bei den Unternehmen, die an der Studie teilgenommen haben, beliefen sich die Kosten für Non-

Compliance auf durchschnittlich 9,4 Millionen USD. Investitionen in die Compliance, können dazu beitragen, Probleme wie Unterbrechung der Geschäftsprozesse, nachlassende Produktivität, Gebühren, Strafmaßnahmen und weitere rechtliche und außergerichtliche Kosten zu vermeiden.

Große Unterschiede bestehen auch hinsichtlich der Regulierungstiefe zwischen Finanzindustrie und übriger Industrie. Einzig die Pharmaindustrie begann ebenfalls frühzeitig mit Compliance. Durch den Regulierungsoverload ist es in der Finanzbranche zu einem Compliance-Tsunami gekommen.

Dabei ist Compliance mehr als Regeln befolgen. Um Compliance zu verankern und Reputationsschäden zu vermeiden, sollte ein Unternehmen die Compliance-Kommunikation verstärken. Dabei hilft der FleishmanHillard PIKE-Ansatz:

Priorisieren

Die Relevanz des Themas sollte  durch „Tone from the top“ gesteigert werden. Der CEO bekennt sich zu Compliance und verdeutlicht den Mitarbeitern damit deren Bedeutung. Gleichzeitig stärkt dies die interne Rolle des CCOs. Ziel ist es, ihn als Ratgeber, der in juristisch unklaren Situationen Hilfestellung bietet, zu positionieren und nicht als „Watchdog“.

Implementieren

In der Firma wird ein Werteprogramm etabliert, das kaskadenförmig von den Führungskräften an die Mitarbeiter weitergegeben wird. Die Werte werden im Unternehmen gemeinsam entwickelt. Compliance ist eine gelebte Wertepraxis. Dazu müssen auch die Silos HR, Recht und Kommunikation eingerissen und besser vernetzt werden. Zu einem effektiven Compliance-Management-System gehört auch eine wirksame, praktizierte Sanktionspraxis.

Kultivieren

Compliance muss natürlicher, selbstverständlicher Teil der Unternehmenskultur werden.  Damit muss das Thema auch seinen Platz in der CEO-Kommunikation haben. Ein interner Newsletter sowie weitere Elemente interner Kommunikation helfen dabei das Thema Compliance im Arbeitsalltag zu verankern und zu kultivieren. Dabei sollte der CCO stets zum Thema Compliance informieren und eine offene Tür für Mitarbeiter und ihre Anliegen haben.

Evaluieren

Jede Kommunikationsmaßname sollte auf ihre Wirksamkeit hin überprüft werden. Das gilt auch für die Compliance-Kommunikation. Regelmäßige Evaluationstool helfen, den Erfolg der Maßnahme zu messen. Gegenfalls müssen einige Maßnahmen nachjustiert werden, um das Ergebnis zu verbessern.

Compliance-Kommunikation trägt zur Sensibilisierung und zur Aktivierung der Mitarbeiter für das Thema bei. Sie ist damit ein wirksames Instrument zur Prävention und trägt zur Steigerung der Reputation, u.a. durch Corporate Social Responsibility bei. Kommunikation spielt im gesamten Compliance-Prozess eine Schlüsselrolle. Ein wirksames Compliance-Management ist eine Frage der richtigen Kultur. Denn Compliance ist mehr als bloße Regelbefolgung.

Daniel Konrad ist Berater bei FleishmanHillard. Zu seinen Schwerpunkten zählt Litigation-PR sowie Fragen rund um das Thema Compliance. Er twittert unter @dan_konrad schreibt auch für den True-Affairs-Blog.

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