Das seltsame Schreckgespenst der Deflation

by Karl-Heinz Thielmann on 6. Juni 2014

Seit Monaten prasselt eine Flut von Presseberichten und Ökonomenkommentaren auf uns nieder, die vor den katastrophalen Folgen einer möglichen Deflation in der Eurozone warnen. Warum dies so sein soll, wird allerdings nie genauer begründet. I.d.R gibt es nur nebulöse Hinweise auf die Weltwirtschaftskrise in den 30ern und die verlorenen Jahre im Japan der 90er. Es gibt nur wenige bekannte Ökonomen, wie z. B. Malte Fischer von der Wirtschaftswoche, die dies für zu oberflächlich halten und sich den allgemeinen Warnungen nicht anschließen wollen.

Doch was ist eigentlich Deflation und warum soll sie so gefährlich sein?

Grundsätzlich bedeutet Deflation, dass die Kaufkraft des Geldes steigt. Sie ist das Gegenteil von dem allgemein verbreiteten Phänomen der Inflation, also dem Kaufkraftschwund des Geldes. Bei Ökonomen herrscht deshalb große Angst vor Deflation, da sie einerseits daraus resultieren kann, dass aufgrund einer Wirtschaftskrise Druck auf das allgemeine Preisniveau aufkommt. Andererseits kann sie dazu führen, dass Menschen anfangen, Geld zu horten und damit dem Wirtschaftskreislauf zu entziehen. Dies würde wie ein Krisenverstärker wirken. Horrorvision aller Makroökonomen ist deshalb die sog. „Deflationsspirale“, in der sich Sparneigung und Wirtschaftskrise selbst verstärken, was im Endeffekt zum Kollaps führt.

Bei der aktuellen Diskussion um die Deflation fällt auf, dass es insbesondere um drei Themengebiete geht:

  1. Die Begriffsverwirrung zwischen niedriger Inflation und Deflation.
  2. Die theoretischen Begründungen, warum niedrige Inflationsraten bzw. Deflation so gefährlich sein sollen.
  3. Die empirischen Belege dafür, wann Deflation wirklich gefährlich war.

Diese Punkte werden im Folgenden erläutert.

Die Begriffsverwirrung zwischen niedriger Inflation und Deflation

Die Veränderung der Kaufkraft des Geldes wird i.d.R mit einem Verbraucherpreisindex gemessen. (Dies allein ist nicht ganz unproblematisch, soll aber an dieser Stelle nicht weiter vertieft werden, um den Text nicht zu sprengen. Wer sich hierfür interessiert, sei an dieser Stelle auf meine Aufführungen im Inflationsspezial von „Mit ruhiger Hand“ vom März 2014 verwiesen)

Inflation bedeutet grob gesagt einen Anstieg vom Wert des Verbraucherpreisindex, Deflation eine Verminderung. Keine Veränderung müsste also Preisstabilität implizieren, oder?

Dies mag sprachlogisch richtig sein, politisch wird Preisstabilität aber anders verstanden. So definiert die EZB Preisstabilität auf ihrer Website wie folgt: : „ein Anstieg des Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) für das Euro-Währungsgebiet von unter 2 % gegenüber dem Vorjahr“. Dementsprechend wird auch das geldpolitische Ziel, Geldwertstabilität zu erhalten, wie folgt beschrieben: „Dementsprechend verfolgt der EZB-Rat das Ziel, die Inflationsrate auf mittlere Sicht unter, aber nahe 2 % zu halten.“

Die politische Definition von Preisstabilität setzt also langsame Erosion der Kaufkraft durch die schleichende Inflation mit stabilen Preisen gleich, ein Euphemismus sondergleichen. Denn auf lange Sicht bedeutet auch diese eine erhebliche Verminderung des Geldwertes. So würde auch unter der amtlichen Definition von Preisstabilität ein € nach 20 Jahren um 1/3 an Kaufkraft verlieren; nach 50 Jahren wären bereits 64% weg; sowie nach 80 Jahren 80%.

Derzeit haben wir in Europa tendenziell rückläufige Inflationsraten; z. B. von aktuell 0,9 % p.a. in Deutschland bzw. beim von der EZB als Richtschnur verwendeten HVPI 0,6% p.a. Dies veranlasste viele bekannte Ökonomen – wie z. B. IWF Chefvolkswirt Blanchard – oder viel gelesene Kolumnisten – wie z. B. Wolfgang Münchau – dazu, vor „Deflationsgefahren“ zu warnen.

Tatsache ist aber, dass wir von einer echten Deflation – also einer Erhöhung der Kaufkraft – noch weit entfernt sind. Lediglich die Geldentwertung ist derzeit nicht so schlimm wie sonst üblich.

Warum sollen niedrige Inflationsraten so gefährlich sein?

Die Idee, warum niedrige Inflationsraten so gefährlich sein sollen, hängt eng mit der Vorstellung zusammen, dass es eine Art „optimale Inflationsrate“ für die Wirtschaft gibt, bei der sich Wirtschaftswachstum am reibungslosesten vollzieht. Diese Idee entstand in den 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts auf der Basis der damals vorherrschenden keynesianischen Makroökonomie.

Zum einen wollte man nicht mehr die starken Konjunkturschwankungen, wie sie noch für das 19. Jahrhundert typisch gewesen waren. Eine antizyklische Finanzpolitik wurde allgemein favorisiert, mit der vor allem die Beschäftigung stabilisiert wurde, selbst wenn hiermit inflationäre Wirkungen verbunden waren. Des Weiteren entdeckten sowohl die USA wie auch Großbritannien die Vorteile einer „soften“ Inflationierung (heute auch als „finanzielle Repression“ bezeichnet): Mit einer Geldentwertungsrate, die nur leicht unter oder sogar über den Zinsen von Staatsanleihen lag, ließ sich relativ reibungslos die aus dem Zweiten Weltkrieg stammende Staatsverschuldung zurückführen. Voraussetzung war, dass man dies sehr vorsichtig und kaum spürbar machte, um eine Eskalation der Inflationsspirale zu vermeiden, wie sie das Deutsche Reich zwischen 1914 und 1923 erlebte.

Die Theorie entstand, dass eine leichte Inflationierung eigentlich ganz gut für die Wirtschaft sei, weil sie Preisanpassungen erleichtere und Ausdruck gesunden Wachstums ist. Sie prägt bis heute noch das Denken der meisten führenden Ökonomen und ist dafür verantwortlich, dass heutzutage eine Geldentwertung von bis zu 2% p.a. als „Stabilität“ definiert wird.

Als Gründe für dieses Verständnis einer wünschenswerten Geldentwertung werden im Wesentlichen drei Argumente genannt:

  • Ohne Geldentwertung horten die Menschen Geld und entziehen es dem Wirtschaftskreislauf.
  • Preisanpassungen werden durch eine moderate Inflation erleichtert; insbesondere was Löhne angeht.
  • Um Vollbeschäftigung zu sichern, sind regelmäßig stimulierende Anreize durch die Geldpolitik sowie durch schuldenfinanzierte Staatsausgaben notwendig, die dann in der Summe inflationäre Nebenwirkungen haben.

Das Argument der Geldhortung ist sehr fragwürdig. Menschen horten dann Geld, wenn sie sich unsicher fühlen. Deswegen haben sie z. B. in vielen Ländern während der letzten Finanzkrise Geld trotz Inflation gehortet. Im Großbritannien des 19. Jahrhunderts wurde trotz Deflation kein Geld gehortet. Zudem könnten Notenbanken Geldhortung durch eine Expansion der Geldmenge ausgleichen.

Die Theorie erleichterter Preisanpassung durch Inflation basiert auf der Annahme einer grundsätzlichen Angst von Menschen, etwas bereits Erreichtes zu verlieren (Verlustaversion). Deshalb können Nominallohnsenkungen in der Praxis oft sehr schwierig werden. Statt dessen erscheint es einfacher, in einem inflationären Umfeld die nominalen Löhne konstant zu lassen und mittels Verminderung der Kaufkraft des Geldes eine implizite Reallohnsenkung herbeizuführen.

Ich kann die hinter dieser Theorie stehende Logik allerdings nicht nachvollziehen. Denn 1) sind Löhne sehr eng an die Produktivität gekoppelt, die durch Innovationen permanent steigt; 2) hat sich gezeigt, dass unflexible Arbeitsmärkte weniger mit mangelnder Anpassungsbereitschaft von Arbeitnehmern als mit gesetzlichen Regularien zu tun haben, die Lohnanpassungen verhindern; sowie 3) leiden Gewerkschaften längst nicht mehr unter „Geldillusion“ und machen deshalb einen „Inflationsausgleich“ immer zum zentralen Bestandteil ihrer Lohnverhandlungen.

Sehr problematisch ist die Absicht, durch inflationäre Politik Vollbeschäftigung zu sichern. Die Idee geht auf Keynes zurück, der defizitfinanzierte Ausgabenprogramme empfohlen hatte. Allerdings hatte er diese ursprünglich für Krisensituationen propagiert, in den eine Volkswirtschaft quasi in einer depressiven Schockstarre verharrt. Dann benötigt sie einen kräftigen Anschub, damit sie wieder in Gang kommt und die natürlichen Wachstumskräfte in der Folge wieder wirken können.

Die ihm nachfolgenden Ökonomen wollten aber noch einen Schritt weiter gehen: Mit defizitärer Fiskalpolitik sollte eine Art Feinsteuerung des ganz normalen Konjunkturzyklus möglich sein. Zudem hatte der britische Ökonom Phillips einen empirischen Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Inflationsentwicklung festgestellt (Phillips-Kurve).

Effektiv war dieser Versuch, den Zyklus auszuschalten, ein fürchterlicher Fehlschlag. Denn Keynes Krisenmedizin wirkte als Dauergabe wie eine zerstörerische Droge. Expansive Maßnahmen wurden in der politischen Praxis nie effektiv zurückgeführt, im Gegenteil gewöhnte sich die Wirtschaft an sie und ihre inflationären Wirkungen. Die Phillips-Kurve funktionierte nur bei Geldillusion, aber nicht mehr, wenn Arbeitnehmer sich ihrer Reallohnverluste durch Inflation bewusst wurden.

Das böse Erwachen folgte dementsprechend in den 70er Jahren, als sich die Erdöl exportierenden Länder zum Kartell OPEC zusammenschlossen und die Preise kräftig erhöhten. In den westlichen Industriestaaten kam es zu einem Ölpreisschock, der wiederum zu einer allgemeinen Erhöhung des Preisniveaus führte. Hierauf setzten genau die selbstverstärkenden Mechanismen einer akzelerierenden Inflation wieder ein, die schon das Deutsche Reich in den 20er Jahren mit der Hyperinflation ruiniert hatten. Die Inflation drohte diesmal aber nicht nur in einem Land, sondern in der ganzen Welt außer Kontrolle zu geraten.

Erst als 1979 der neu gewählte Chairman der US-Zentralbank Paul Volcker radikale Maßnahmen ergriff, um die Inflationsrate abzusenken (so erhöhte er den Leitzins auf bis zu 20%), konnte die Eigendynamik der Geldentwertung gebrochen werden.

Seitdem wurden die Inflationsraten in allen großen westlichen Industrienationen kontinuierlich zurückgeführt und liegen derzeit in diesen Ländern zwischen 1% p.a und 3% p.a. Nach wie vor erheblich ist die Inflation in Schwellenländern. In Brasilien (5,6% p.a.), Russland (6,1% p.a.) oder Mexiko (4,5%) hat sie ein bedenkliches Niveau. Außer Kontrolle zu geraten droht die Geldentwertung in der Türkei (7,8%), Indien (8,8%), Indonesien (8,2%) oder auch Nigeria (8,0%). Für diese bevölkerungsreichen Länder erweist sich Geldentwertung zunehmend als Problem. Dieses besteht vor allem in der mit Inflation verbundenen Enteignung sozial Schwacher, wie z. B. auch die jüngsten Unruhen in Brasilien zeigen. Als Wachstumshemmnis hat sich die Geldentwertung jedenfalls bisher nicht erwiesen, was sich aber mit einem Übergang zur Hyperinflation ändern könnte.

In diesem allgemein inflationären Umfeld gab es in den vergangenen Jahren nur ein großes Land, das über längere Zeit eine Phase mit minimalen oder sogar negativen Inflationsraten durchmachte: Japan. Diese Periode ging mit einer Strukturanpassungskrise einher, deswegen gilt die asiatische Wirtschaftsmacht als eindringliches Warnbeispiel für die potenziellen zerstörerischen Wirkungen der Deflation. Doch ist es wirklich gerechtfertigt, dieses Einzelbeispiel so zu verallgemeinern?

Die Empirie: Wann war Deflation wirklich gefährlich?

In der wirtschaftlichen Weltgeschichte gab es verschiedenste Phasen von unterschiedlich intensiver Inflation, aber auch einige lang anhaltender Preisstabilität. Die heutige Periode mit relativ moderaten und kontinuierlichen Inflationsraten um die 2% p.a. ist historisch gesehen relativ ungewöhnlich. Historisch ist sie nur mit der Periode der „Preisrevolution“ des 16. Jahrhunderts vergleichbar, als Veränderungen im Geldumlauf und die Goldimporte aus den spanischen Kolonien eine permanente Erosion des auf Gold basierten Geldwertes in ganz Europa verursachten.

Soweit rekonstruierbar (für viele antike Kulturen sowie das Mittelalter bis ca. 1270 liegen keine brauchbaren Daten vor) können lediglich 3 Phasen „echter Geldwertstabilität“ identifiziert werden, bei denen der Geldwert über einen längeren Zeitraum konstant war bzw. Inflationsphasen und Deflationsperioden sich abwechselten:

  • Die vorchristliche Römische Republik und die ersten Jahrzehnte des Kaiserreichs.
  • Das Zeitalter des Venezianischen Golddukaten im 14. und 15. Jahrhundert.
  • Das Großbritannien des 18. Und 19. Jahrhunderts.

Allen diesen Perioden war Folgendes gemeinsam:

  • Das Geld wurde von Ländern herausgegeben, die militärisch und ökonomisch anderen weit überlegen waren und ein relativ effizient organisiertes Staatswesen hatten.
  • In allen Nationen waren die Interessen einer kommerziell orientierten und erfolgreichen Elite die treibenden politischen Faktoren. Ob römische Patrizier, venezianische Kaufleute oder britische Frühkapitalisten, sie alle hatten anscheinend die Vorteile eines stabilen Geldes für ihre eigenen Geschäfte erkannt. Venedig und London begründeten mit ihrer glaubwürdigen Währung auch den Status als führende Finanzplätze ihrer Zeit. Dies ist ein Erbe, das in London auch 100 Jahre nach dem Ende des stabilen Pfundes noch überdauert hat.
  • Bei allen Ländern war die Währung durch Edelmetalle gedeckt. Die anhaltende Knappheit dieser Metalle war allerdings Voraussetzung für die Wertstabilität. Rom und Großbritannien konnten als militärische Supermächte ihrer Zeit die Knappheit einigermaßen kontrollieren. Die Venezianischen Golddukaten waren in einer Zeit tendenziellen Goldmangels erfolgreich, die aber mit der Eroberung Südamerikas durch Spanien und der danach folgenden Goldschwemme zu Ende ging. Obwohl sich der Goldgehalt des Venezianischen Golddukaten bis 1797 nicht änderte, verlor er ab 1500 zunehmend an Kaufkraft.
  • Sowohl in Rom wie in Großbritannien waren außer Kontrolle geratene staatliche Finanzierungsdefizite der Grund dafür, dass die stabile Währung erst verwässert und dann ganz aufgegeben wurde. In beiden Ländern ist bemerkenswert, dass sich beide mit dem Verlust ihres dominierenden militärischen Status in Hochinflationsregionen gewandelt haben, wobei ihr politischer Niedergang mit einer zunehmenden Inflationierung des Geldwertes einherging.

Die Abwesenheit von Inflation war also historisch gesehen eher ein Erfolgsindikator als ein Negativum. Doch wie sieht dies in der Welt nach 1900 aus?

Im Jahr 2004 untersuchten die Ökonomen Andrew Atkeson und Patrick J. Kehoe empirisch, ob sich eine Verbindung zwischen Wirtschaftskrisen und Deflation zeigen lässt. Sie analysierten die Zusammenhänge zwischen Wachstumsdaten und Inflationsdaten in 17 Ländern in den vergangenen 100 Jahren. Ihr Ergebnis war eindeutig: Bis auf die Wirtschaftskrise 1929-34 gibt es keinerlei evidenten Zusammenhang zwischen Deflation und Wirtschaftskrisen. Auch für Japan konnten sie zeigen, dass sich die dortige Entwicklung auf andere Faktoren als Deflation zurückführen lässt.

Wer also die große Depression der 30er Jahre als Beweis für die Gefahren der Deflation heranzieht, macht sich der unzulässigen Verallgemeinerung eines historisch sehr spezifischen Einzelfalls schuldig.

Fazit:

Es gibt weder eine stichhaltige empirische Evidenz noch eine überzeugende theoretische Begründung, warum Deflation wirtschaftlich gefährlich sein soll.

Interessant ist natürlich, warum so viele angeblich so kritische Wirtschaftsjournalisten und hochgebildete Ökonomen so penetrant etwas wiederholen, was offensichtlich falsch ist. Dies ist der Stoff, aus dem Verschwörungstheorien gestrickt sind. Da ich aber nicht an die große Medienverschwörung glaube, kommen mir nur drei Begründungen in den Sinn:

  • Das unkritische voneinander Abschreiben bei Ökonomen und Journalisten
  • Ökonomen interpretieren empirische Ergebnisse vorwiegend so, dass sie in eine vorgefasste Meinung hineinpassen.
  • Die Interessen der Schuldner werden effizienter vertreten als diejenige der Gläubiger.

Auf die ersten beiden Punkte möchte ich aus Platzgründen hier nicht weiter eingehen (bzw. bzgl. des zweiten auf meinen Beitrag „Glanz und Elend der Ökonomie“ verweisen).

Interesse an einer Inflation haben vor allem Schuldner, weil mit ihr eine reale Entwertung ihrer nominale Entwertung ihrer Verbindlichkeiten einhergeht. Interesse an einer Deflation bzw. echter Preisstabilität haben Gläubiger, weil nur so ein realer Werterhalt ihrer Forderungen möglich ist.

Größter Schuldner war und ist der Staat. Es ist deshalb auch kein Zufall, dass selbst Perioden geringer Geldentwertung meistens mit erheblichen staatlichen Haushaltsdefiziten verbunden sind. Denn alle Staatsausgaben, die durch Schulden finanziert sind, wirken expansiv und damit auch inflationär. Dies kann in Krisenzeiten wünschenswert sein, normalerweise wird aber nur private Aktivität verdrängt (Crowding Out).

Aus Anleger- und Konsumentensicht wünschenswert wäre eine Inflationsrate von 0% p.a. Insbesondere auf längere Sicht hat selbst eine geringe Entwertungsrate des Geldes einen deutlichen Wertverfall zur Folge. Angesichts der globalen Finanznöte fast aller bedeutenden Staaten, denen eine leichte Inflationierung bei gleichzeitig niedrigen Zinsen die Finanzierung sehr erleichtert, besteht aber wenig Aussicht auf Besserung. Das heutzutage als „Geldwertstabilität“ vermarktete Inflationsziel der Zentralbanken von 2% p.a. ist deswegen vor allem als eine politische Festlegung zu sehen. Es ist ein pragmatischer Kompromiss aus der Notwendigkeit eines konkreten Inflationszieles, dem Interesse der Anleger an einem konstanten Geldwert und dem Interesse eines chronisch defizitären Staatswesens an Inflation.

Leider wird dies wahrscheinlich nie ehrlich kommuniziert. Stattdessen müssen wir mit dem Mythos leben, dass es eine Art optimale Inflationsrate gibt, die auch noch als Preisstabilität verkauft wird. Diese Argumentation ist aus Sicht von Politikern und Notenbankern sehr bequem, aus Sicht von Anlegern und Konsumenten aber ärgerlich. Dumm nur, dass diese im Gegensatz zu den Schuldnern so gut wie keine Lobby haben.

 

Für diesen Beitrag wurden Textelemente aus dem Artikel „Die Inflation, das unbekannte Wesen“ übernommen, der in „Mit ruhiger Hand“ Nummer 23 vom 3. März 2014 erschienen ist, einer Schwerpunktausgabe zum Thema Inflation.

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