Lesehinweis: Phase 2 im digitalen Wandel der Banken

by Dirk Elsner on 10. Oktober 2014

Wer sich in diesen Wochen mit dem digitalen Wandel der Finanzwelt beschäftigen will, der findet mittlerweile sehr viel Lesestoff. Allein in meiner fast täglich erscheinenden  Webschau mit Meldungen aus Wirtschaft, Finanzen und mehr empfehle ich täglich zwischen 5 und 10 Beiträge. Und das ist auch nur eine kleine Auswahl unter den täglich veröffentlichten Meldungen aus meinem RSS-Feed und den Empfehlungen aus meiner Twitter-Liste Digital Finance.

 

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Verwandeln die Baustellen Frankfurt in ein Fintech-Valley?

Doch trotz dieser beachtlichen Zahl von vorwiegend online erscheinenden Beiträgen, nehme ich in der Bankpraxis immer noch einen sehr gespaltenen Eindruck war. Ich thematisiere dies in meiner neuen Kolumne für das Wall Street Journal “Phase 2 im digitalen Wandel der Banken”.  Darin schreibe ich u.a.:

“Dennoch bleibt im Tagesgeschäft der Banken oft der Eindruck hängen, Fintechs oder Deutschlands einzige Fintech-Vollbank, die Fidor Bank, seien etwas für Nerds mit ihrem riskanten netzgestützten Geschäft. Außerdem höre ich aus der etablierten Finanzwelt häufig die Einwände, das Bankgeschäft werde doch schon seit Jahrzehnten digital abgewickelt, und immateriell seien Bankdienstleistungen bereits seit der Erfindung des Kontos. Man schaue zwar interessiert, was die Fintechs so anstellen, glaubt aber nicht an die Gefährdung eigener Geschäftsmodelle. Lieber verweist man auf Datenschutzbedenken, Sicherheitsrisiken, die mangelnde Finanzkraft vieler Newcomer sowie deren Unerfahrenheit mit regulatorischen Anforderungen. Außerdem habe man viele andere Themen, um die man sich zunächst kümmern müsse. Die Entwicklungsbudgets für die netzgestützte Digitalisierung des Bankgeschäfts wirken homöopathisch im Vergleich zu Regulierungsthemen oder die Anpassung an neue Marktsituationen wie etwa negative Guthabenverzinsung.”

Die Überschrift ist übrigens angelehnt an eine interessante Studie des Research der Deutschen Bank über “Die digitale (R)evolution im Finanzsektor”. Der Autor Thomas Dapp skizziert in der Studie ein 5-Phasen-Modell des digitalen Strukturwandels (S. 11).  Nach meiner Auffassung befinden wir uns in vielen Bereichen in Europa und insbesondere in Deutschland gerade einmal in der 2. Phase, was den digitalen Wandel im Banking betrifft.

Dapp rät übrigens den Banken, sich den Herausforderungen des digitalen Strukturwandels zeitnah zu stellen, insbesondere wenn sie den allein aus demografischen Gründen immer größer werdenden Teil ihre internetaffinen Kunden nicht verlieren wollen. Ob sein eigenes Haus auf ihn hört, ist nicht klar. Ich nehme die Deutsche Bank jedenfalls nicht  wahr, wenn es um den digitalen Wandel im Sinne von Thomas Dapp geht.

Unter den deutschen Großbanken ist hier die Commerzbank derzeit präsenter, wie eine Veranstaltung des MainIncubators, an der ich am Dienstag dieser Woche teilgenommen habe, zeigte. Die Bank will, so schreibt das Isabell Gomez für das Wall Street Journal, “Frankfurt in das „kontinentaleuropäische Zentrum für die innovative Startup-Szene im Finanzdienstleistungsbereich“ verwandeln, das auf ganz Deutschland ausstrahlt.” Mit dem Kick-off zu „Between the Towers“ hat sie dazu gleich eine regelmäßige Plattform ins Leben gerufen, zu der übrigens auch andere Banken eingeladen sind.

Bemerkenswert übrigens, wie John Bruggeman, aus dem Silicon Valley stammender Vorstandschef von Traxpay, auf dieser Veranstaltung den Standort Frankfurt für FinTechs lobte. Vielleicht entdeckt ja auch die Frankfurter Bankenszene bald diesen Geist. Vorerst suchen Banken aber noch nach den Antworten auf die Herausforderungen des digitalen Wandels. Eine vorgefertigte Blaupause dafür werden sie freilich nicht finden, weil nicht einmal die Fragen klar sind, die man sich heute stellen muss.

PS

Als Nachtrag sei hier auf einen guten Kommentar von Carsten Knop in der FAZ verwiesen. Knop schreibt darüber, dass die Deutschen sich zwar für Technik begeistern, die digitale Revolution in der Industrie aber verschlafen.

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