Nicht jede Finanzevolution ist Fintech: Die Renaissance des Schuldscheins

by Dirk Elsner on 31. März 2016

Im Schwerpunkt handeln die Entwicklungen im Finanzsektor, über die ich gern hier und in meinen Kolumen schreibe, von den durch die Finanztechnologie (Fintech) angetriebenen Veränderungen. Aber genauso wenig wie man Innovation im Finanzwesen nur auf Digitalisierung reduzieren sollte, bedeutet Evolution nicht stets das Entstehen von Neuem. Manchmal ändern sich die Bedingungen so, dass eine fast ausgestorbene Art wieder eine neue Blüte erlebt.

So vermuten Wissenschaftler, dass wir Menschen vor mehr als 120.000 Jahren beinahe ausgestorben wären, weil wir nicht an die Umweltbedingungen der damaligen Kaltphase angepasst waren. Wie wir wissen, haben wir die Eiszeit überlebt und uns breit gemacht auf diesem Planeten.

Und so ähnlich geht es mit einem Finanzinstrument, das allerdings nie wirklich vom Aussterben bedroht war, dem Schuldschein. Es ist nicht viel über dieses klassische Finanzierungsinstrument zu lesen. Das heißt aber nicht, dass er keine Rolle spielt. Das arbeite ich in meiner neuen Kolumne für Capital heraus, die unter dem Titel erschienen ist:

Renaissance des Schuldscheins

Bei der Recherche zum der Kolumne hat mich überrascht, wie wenig dieses Instrument wahrgenommen wird. Ein Crowdfunding für Herthe BSC im Umfang von einer Millionen Euro versteht die Süddeutsche dagegen als “Kampfansage an die traditionellen Banken.” Allein das Geschäftsvolumen aller in einem Jahr abgeschlossenen Crowdfundings und P2P-Lendings müsste etwa um das 200fache wachen, um das Volumen des Schuldscheinmarktes in Deutschland zu erreichen.

Ich kann auch hier nur noch einmal betonen, was ich oft in diesem Blog geschrieben habe. Die Bedeutung der Bankfinanzierung hat in den letzten Jahren seit der Finanzkrise abgenommen. Unternehmen finanzieren sich lieber untereinander bzw. über verbundene Unternehmen als durch Bankkredite. Die Entwicklungen des Schuldscheinmarktes scheint diesen Trend zu bestätigen. Das ist keine Behauptung von mir, sondern leitet sich ab aus den jährlichen Erhebungen der Deutschen Bundesbank über die “Ertragslage und Finanzierungsverhältnisse deutscher Unternehmen” (zuletzt hier für das Jahr 2014).

Um noch einmal den Bogen zu den Fintechs zu schlagen. Ich habe bei meiner Recherche leider kein einziges Unternehmen aus dem Bereich der Finanztechnologie finden können, dass diesen Markt adressiert. Eigentlich erstaunlich wenn man bedenkt, dass das Finanzierungsvolumen in Deutschland hier im vergangenen Jahr etwa 200 Mal höher lag als der ausgezahlte Betrag aller Crowd- beziehungsweise P2P-Finanzierungsplattformen zusammen.

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