Großbritannien bleib(t) in der EU

by Dirk Elsner on 23. Juni 2016

Ich lege mich mal vor dem Beginn des EU-Referendums in Großbritannien fest. Die Briten wollen in der Europäischen Union bleiben. Und das freut mich. Ich mag nicht nur den englischen Fußball, sondern auch das Land und die Menschen. England wäre mit dem Austritt aus der EU (übrigens nicht aus Europa) zwar nicht weg, aber die EU wäre irgendwie ärmer.

 

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Die Brücke nach Europa bleibt unten

Ich bin mir mittlerweile sicher, dass es nicht zu einem Austritt kommen wird. Das ZDF sprach zwar gestern Abend immer noch von einem Kopf-an-Kopf-Rennen, das dürfte aber vor allem der medialen Inszenierung folgen und nicht der Realität entsprechen. Dennoch, die Umfragen (hier eine Übersicht der FT) sehen knapper aus als die Wahrscheinlichkeiten.

Die Vorhersagemärkte sehen die Wahrscheinlichkeit für einen positiven Ausgang des Referendums bei etwa 70%  75%, entsprechend 30% 25% Wahrscheinlichkeit dafür, dass sich die EU-Gegner durchsetzen. Die Finanzmärkte preisen seit etwa einer Woche ein, dass der Brexit nicht stattfinden wird. Ob das erschreckende Attentat auf die  britische Politikerin Jo Cox Cox die Märkte beflügelte, wie das Handelsblatt vermutete, kann dahingestellt bleiben.

Und was ist, wenn die Abstimmung für den Austritt nun doch kommt. Ich wäre dann tatsächlich überrascht, bin allerdings auch kein Prophet. Zunächst würde sich kaum etwas ändern, denn es würde ein vergleichsweise langwieriges Prozedere bis zur Umsetzung des Austritts folgen (ich hatte das einmal hier skizziert). Kulturell und ökonomisch würde sich wahrscheinlich weniger ändern, als das Schwarzmaler erwarten. Mich haben daher auch die extremen Reaktionen der Finanzmärkte bis vor einer Woche überrascht. Vor allem die deutlich gestiegenen Risikoprämien für die Anleihen einiger Banken haben mir Sorgen gemacht.

Ich hoffe jedenfalls sehr, dass sich die Briten heute für die EU entscheiden. Ob der Warnschuss der Briten, die Funktionselite in Brüssel wachgerüttelt hat und über Reformen durch bürokratischen und undurchsichtigen Strukturen nachdenken lässt, bleibt zu hoffen, ist aber wohl nicht zu erwarten.

 

 


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