Hinter den Kulissen bei Clark

by Gastbeitrag on 14. September 2016

Gastbeitrag von Dr. Christopher Oster, Gründer und Geschäftsführer von Clark*

Ein Gebäude in der Frankfurter City, dritter Stock. Helle, große Fenster, viele Monitore, ein Sofa, Fahrräder, bunte Post-Its. Bilder wie aus dem Start-Up-Lehrbuch, aber hier tüftelt nicht der nächste e-Commerce-Shop oder ein Kochkisten-Abo. Hier entsteht die Zukunft der Versicherungsbranche. Willkommen bei Clark!

Clark ist ein InsurTech das verspricht, seinen Kunden die komplette Arbeit bei Verwaltung und Neuabschluss von Versicherungen abzunehmen. Immer mehr InsurTechs drängen auf den Versicherungsmarkt. Laut einer Studie von Barkow Consulting sind es in Deutschland bereits 25. Noch bewegt sich die klassische Versicherungsbranche fast komplett im analogen Bereich: 95 Prozent aller Verträge werden offline abgeschlossen. Doch das klassische Modell spricht die unter 40-Jährigen nicht mehr an. Die heutigen 20 bis 35-jährigen haben 40 Prozent weniger Versicherungen als ihre gleiche Altersgruppe vor acht Jahren, nur jeder Dritte ist mit seinem Versicherungserlebnis zufrieden. “Generation Y” ist unterversichert.

Clark und andere InsurTechs steuern mit digitalen und disruptiven Ansätzen dagegen. Der Grund, warum sie den etablierten Maklern den Rang ablaufen, ist die Kombination von old und new economy. Im Klartext: Clark ist ein eingetragener Versicherungsmakler und jeder Berater hat eine abgeschlossene Ausbildung, aber die Prozesse sind schnell und digital – typisch für ein Start-up. Vertragsanfragen werden automatisiert an Versicherungsunternehmen versendet. Auch die Kommunikation mit den Kunden erfolgt teilweise bereits vollautomatisiert.


Über die App und die Webseite von Clark können Kunden Versicherungen abschließen, wechseln und managen. Clark zeigt automatisch an, wenn jemand zu viel für seine Versicherung zahlt und schlägt auf Wunsch Alternativen vor. Das Unternehmen gibt es seit Juni 2015, die Kundenzahl liegt im fünfstelligen Bereich. Das Team aus rund 20 Mitarbeitern kümmert sich um alles: von IT, Marketing, Beratung bis zur Weiterentwicklung der App und Webseite.

Über User-Tests wird das Produkt stetig weiter entwickelt. Die Ergebnisse werden angepasst und umgesetzt – Dauer hierfür ist im Schnitt zwei Wochen. Die Umsetzung der großen Features sind meist nicht länger als vier Wochen. Generell liegt der Fokus von Clark auf der Technologie. Zwei Drittel des Clark-Teams besteht aus Software-Entwicklern. Sie sorgen dafür, dass die Versicherungsexperten sich auf die Kundenberatung fokussieren können und die Kunden minimalen Aufwand haben, wenn sie sich um ihre Versicherungen kümmern.

Einziger Medienbruch, von dem der Kunde nichts mitbekommt: Die Details der Versicherungsverträge werden oftmals noch von den Versicherungsunternehmen per Post an Clark versendet. Hier sind die Versicherungen und InsurTechs nicht auf dem gleichen Level der Digitalisierung. Dies wird sich durch Kooperationen und Zusammenarbeit in naher Zukunft ändern und verbessern.

Die Berater von Clark kommunizieren auf allen Kanälen mit den Usern: per Chat über Webseite und App, Facebook, Twitter, Mail oder ganz klassisch über das Telefon. Unterstützt werden sie bei ihrer Arbeit vom selbst entwickelten Robo-Advisor. Der Robo-Advisor analysiert die Informationen aus den Versicherungspolicen und Eingaben des Kunden und überprüft automatisch die Versicherungsverträge, um Sparmöglichkeiten oder Versicherungslücken aufzuzeigen. Die Algorithmen für den Robo-Advisor wurden von den Versicherungsexperten mit den Entwicklern zusammen entwickelt und als “if-this-then-that”-Formeln festgehalten. Vom Start der Entwicklung bis zum Live-Gang des Robo-Advisors hat es sechs Wochen gedauert. Bei Clark wird – wie in Start-Ups üblich – agil Software entwickelt, nur so kann in hoher Geschwindigkeit entwickelt werden.

In der Finanzbranche ist der Einsatz von Robo-Advisorn schon fast Alltag. Auch in der Versicherungsbranche wird sich diese Entwicklung durchsetzen. Algorithmus-basierte Beratung wird in drei bis fünf Jahren Standard auf dem Markt sein. Die Digitalisierung der Versicherungsbranche ist keine Zukunftsmusik mehr, sondern schon längst in vollem Gang.


* Christopher Oster ist Geschäftsführer und Gründer von Clark. Vor der Gründung begleitete er Wimdu als Co-Founder in der Rolle des COO und war für das operative Geschäft und die internationale Expansion des Angebots verantwortlich. Zuvor war er mehrere Jahre bei der Boston Consulting Group als Berater für Unternehmen der Finanzbranche aktiv. Sein Studium hat er als Master in Business Administration an der European Business School in Oestrich-Winkel abgeschlossen und promovierte an der WHU Otto Beisheim School of Management.

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