Covid-19-Notes (Tag 84): #Kreditklemme #Fallzahlen #CoronaSchock #Vorhersagen

by Dirk Elsner on 11. Juni 2020

Doch eine Kreditklemme?

Hm, eigentlich hatte ich vermutet, dass es bei dieser Krise bisher noch keine Kreditklemme gibt. Aber im Handelsblatt ist heute zu lesen, dass die EZB laut ihrem Chefvolkswirt Philip Lane alles in ihrer Macht stehende tue, um eine Kreditklemme im Zuge der Coronakrise abzuwenden. Scheint also doch Geldhäuser zu geben, die die Vergabe von Darlehen an Verbraucher und Firmen einschränken, weil sie selbst liquide Mittel zur Sicherung ihrer Zahlungsfähigkeit benötigen.

Durchaus möglich, dass die Aussagen zur nicht vorhandenen Kreditklemme sich nur auf Deutschland beziehen und die Lage in einigen Ländern Europas sich anders darstellt. Daneben ist allerdings ohnehin schwer, eine Kreditklemme nachzuweisen. Banken argumentieren üblicherweise, dass sie Darlehen aus Risikogründen nicht vergeben können und nicht, weil ihnen selbst die Mittel fehlen.

Sollen wir beunruhigt sein? Erstmals seit Wochen Deutschland mit steigenden Fallzahlen

clip_image002Waren wir doch zu sorglos und haben uns in Sicherheit gewogen? Die FAZ berichtet heute auf Basis von Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI), “dass die Zahl der akut Infizierten in Deutschland erstmals seit zwei Monaten wieder gestiegen ist. Am Donnerstag wurden demnach 555 neu Infizierte von den Gesundheitsämtern gemeldet, während die Zahl der Genesenen bei rund 400 lag. Damit haben sich seit Beginn der Corona-Krise 185.416 Menschen in Deutschland nachweislich mit Sars-CoV-2 angesteckt.”

Und erstmals nach einigen Wochen zeigt die Landkreiskarte des RKI wieder einen roten Bezirk, also einen Landkreis mit mehr als 50 neu Infizierten pro 100.000 Einwohner in den letzten 7 Tagen. Es ist der Landkreis Aichach-Friedberg.

 

 

 

 

 

 

 

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BIP – 9,4% – Wirtschaft in Deutschland erholt sich nur langsam von Corona-Schock

Das jedenfalls glaubt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in einer aktuellen Analyse. Darin heißt es:

“Die Corona-Krise hat der deutschen Wirtschaft tiefe Wunden zugefügt, die trotz einer beherzten Wirtschaftspolitik nur langsam heilen dürften – dies halten die KonjunkturforscherInnen des DIW Berlin für das wahrscheinlichste Szenario der wirtschaftlichen Entwicklung. Im laufenden zweiten Quartal wird die hiesige Wirtschaftsleistung noch erheblich stärker einbrechen als im ersten Vierteljahr. Damit steckt Deutschland in der tiefsten Rezession der Nachkriegsgeschichte. Gegenüber dem vergangenen Jahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt um 9,4 Prozent sinken, wie aus der neuesten Konjunkturprognose des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) hervorgeht.”

Wie schon mehrfach erwähnt sind Prognosen in diesen Zeiten durch hohe Unsicherheit gekennzeichnet. Die vorstehende Prognose unterstellt, dass die Ausbreitung des Corona-Virus nachhaltig eingedämmt werden kann. Das wahrscheinlichste Szenario für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft ist nach Einschätzung des DIW Berlin derzeit ein U: Das bedeutet, nach einem scharfen Einbruch folgt eine Durststrecke, bevor es erst allmählich bergauf geht. “Einkommenseinbußen und Unsicherheit drücken auf die gesamtwirtschaftliche Nachfrage. Kommt eine zweite Infektionswelle mit erneuten Einschränkungen, ließen sich deutlich steigende Insolvenzen und Einkommenseinbußen kaum vermeiden. Ein solches L-Szenario könnte sich zu einer Banken- und Staatsschuldenkrise ausweiten. Auf eine zügigere Erholung ließe sich nur hoffen, wenn bald ein Impfstoff in ausreichender Menge zur Verfügung steht. Dann könnte es, wie in einem V, auch schneller bergauf gehen.”

Die Verbraucher selbst sind in Deutschland einer aktuellen Umfrage, über die das Handelsblatt berichtet, “bisher deutlich besser durch die Coronakrise gekommen als viele andere Europäer. Rund ein Drittel der Haushalte in der Bundesrepublik mussten infolge der Pandemie Einkommenseinbußen in Kauf nehmen, wie die Umfrage der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) ergab. In Italien klagten dagegen 57 Prozent und in Spanien sogar 61 Prozent der Befragten darüber, dass sie wegen der Coronakrise weniger Einkommen zur Verfügung hätten.”

Tesla steigt trotz Corona auf mehr als 1000 Dollar.

Eigentlich ist das Thema ja Off-Topic. Andererseits wird viel über die Krise der Autoindustrie gesprochen, angeblich ausgelöst durch Corona. Ob das wirklich der Grund ist, darf aber mittlerweile ganz stark bezweifelt werden. Der Tesla-Aktienkurs ist nämlich auf mehr als 1000 Dollar gestiegen. Das Unternehmen ist damit an der Börse mehr Wert als die deutschen Automobilhersteller BMW , Daimler und Volkswagen zusammen.

Problematische Warnungen

Viele Menschen glauben, Experten müssten bestimmte Entwicklungen gut vorhersagen können. Das ist aber ein großer Irrtum. Experten machen tatsächlich gar keine guten Vorhersagen, wie Philip E. Tetlock und Dan Gardner in ihrem Buch “Superforecasting – Die Kunst der richtigen Prognose” herausgearbeitet haben.

Wie schwierig Warnungen vor einer Pandemie sind, hat der Spiegel herausgearbeitet. 2009 hat die Weltgesundheitsorganisation WHO vor der Schweinegrippe mit 2,0 bis 7,4 Millionen Toten gewarnt, das sogar bei einem milden Verlauf.

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