Das war ein spannender Tag am Dienstag in einer kreativen Location (The Hub) in Berlin. Die “Next Banking Konferenz” hatte eingeladen, einen Blick in das Banking der Zukunft zu wagen. Die große Revolution wurde erwartungsgemäß nicht ausgerufen. Es sind jedoch viele zarte Blüten erkennbar, von denen durchaus einige das Zeug haben, dem Old Banking mehr als nur ein paar Geschäfte wegzunehmen. Noch ist es freilich nicht so weit.
Schade, dass traditionelle Institute mit einer Ausnahme die Veranstaltung gemieden haben. Es hätte einen noch fruchtbareren Dialog geben können. Erforderlich ist dieser Dialog angesichts der Entwicklungen im Bankensektor für beide Seiten. Die traditionellen Banken müssen sich aktiv mit neuen Entwicklungen befassen. Die Avantgarde des New Banking sollte aber die Probleme der klassischen Banken kennen, um frühzeitig alte Fehler zu vermeiden. Nur leider fehlten diese Teilnehmer der Veranstaltung.
So bleibt die Vermutung, dass sich viele Banken ähnlich verhalten, wie zu Zeiten als die Direktbanken aufkamen: “Ablehnen, kritisieren, nachmachen.” Das Copyright auf dieses Zitat gehört übrigens Matthias Kröner, der auf unterhaltsame Art mit den “Klassikern” abrechnete.
Die Ausnahme unter den traditionellen Institute machte übrigens die GLS Bank aus dem Genossenschaftssektor. Sie präsentierte sich sehr transparent und webfreundlich. Hier soll man sogar demnächst aus dem Netz erfahren, in welche Einzelanlagen das Institut ihr eigenes Geld investiert. Bisher gibt es das nur offline. Diese Form der Transparenz hat die Bank übrigens schon vor der Finanzkrise betrieben. Nun gilt sie als Vorzeigebank, die mittlerweile vor der Herausforderung steht, das starke Wachstum organisatorisch zu bewältigen.
Transparenz bleibt aber vorerst für klassische Banken ein Fremdwort, ähnlich wie kundenfreundliches Verhalten. Die entsprechenden Empfehlungen des Bundesverband Deutscher Banken für neue Leitlinien zur Stärkung des Anlegervertrauens im Retail-Geschäft hat das Auditorium übrigens mit einem süffisanten Lächeln quittiert.
Allerdings scheinen viele Institute angesichts der umfangreichen Regulierung und komplexer interner Abläufe und IT gefangen in ihren Geschäftsmodellen. Schnelle Reaktion auf neue Marktentwicklungen sind so kaum möglich. Für die Umsetzung neuer Ideen könnte es daher deutlich einfacher sein, ein neues Institut zu gründen, als schwerfällige Organisationsstrukturen und komplexe IT-Prozesse eines etablierten Instituts anzupassen. Aber auch für neue Institute gilt die Gravitationstheorie der Finanzmärkte und dazu gehören besondere Sicherheitsstandards. Continue reading Next Banking in Berlin: “Ablehnen, kritisieren, nachmachen”

