Erfahrungsbericht: Als „Neukunde“ bei der Agentur für Arbeit

by Dirk Elsner on 10. September 2008

Bevor ich schreibe, warum dieser Tag ein besonderer für mich war, sollte ich darauf hinweisen, dass ich meinem Gesellschafter vor zwei Wochen darüber informiert habe, keine gemeinsame Zukunft mehr in seinem Unternehmen mir vorstellen zu können. Bis vor sechs Wochen hatte ich als kaufmännischer Geschäftsführer eine mittelständische Unternehmensgruppe restrukturiert, in Einzelteilen verkauft und damit saniert. Am Ende dieser Sanierung hatte ich im Prinzip meinen bisherigen Arbeitsplatz überflüssig gemacht. Von den Gesellschaftern erhielt ich immerhin das Angebot, die Geschäftsführung einer Tochtergesellschaft zu übernehmen.

Ich stellte schnell fest, dass mich aber diese Aufgabe in dem Tochterunternehmen nicht reizt.  Notwendige strategischen Maßnahmen, um das Unternehmen weiter zu bringen, wurden von den Gesellschaftern aus verschiedensten Gründen immer wieder aufgeschoben. In derartigen Berufssituationen sollte man sich gut überlegen, ob man tatsächlich bei einem Unternehmen bleibt oder sich neu orientiert. Ich habe beschlossen, hier einen Schlussstrich zu ziehen.

Auch die freiwillige Beendigung eines Arbeitsverhältnisses verpflichtet, sich bei der lokalen Niederlassung der Agentur für Arbeit als arbeitssuchend zu melden. Ich gebe zu, ich war geprägt von Vorurteilen, und mir war etwas mulmig beim Gedanken, sich dort „vorzustellen.“ In meinem Wortschatz existierte die Agentur für Arbeit lediglich als die Behörde, die monatlich Auskunft über die Lage am Arbeitsmarkt in Deutschland gibt. Mein Bild über das Innenleben einer Arbeitsagentur entsprach am ehesten dem Ausdruck Arbeitsamt. Ich rechnete also mit einem neonbeleuchteten Flur, in dem auf langen Stuhlreihen sitzend frustrierte und deprimierte Menschen stundenlang darauf warten, von einem unfreundlichen Sachbearbeiter abgefertigt zu werden.

Überrascht war ich zunächst von der Freundlichkeit des Empfangs. Dort meldete ich mich an und wurde höflich in einen anderen Gebäudeteil geschickt, in dem ich in einer Sitzecke warten sollte, die eher an das Wartezimmer einer Kanzlei denn einer Behörde erinnerte. Außerdem wartete dort nur eine weitere Person. Ich hätte Lesematerial für circa 2 Stunden dabei, wartete aber insgesamt höchstens 10 Minuten.

Das Gespräch mit dem Sachbearbeiter verlief ebenfalls sehr unkompliziert. Ich war überrascht, wie modern deutsche Behörden mittlerweile geworden sind. Was mich noch mehr überraschte war, dass es sogar spezielle Beratungstermine für Führungskräfte gibt. Ich lernte also, dass der mich betreuende Sachbearbeiter gar nicht zuständig ist, sondern nur notwendige Formalitäten erledigt. Selbst der Papierkram hielt sich in Grenzen. Das mag auch daran liegen, dass ich mich nur als arbeitssuchend gemeldet habe und keinen Antrag auf Arbeitslosengeld gestellt habe.

Insgesamt stelle ich der Agentur für Arbeit eine gute Zwischennote aus. Bisher habe ich allerdings nur an der Oberfläche gekratzt und bin nicht in die Tiefen der Bürokratie vorgedrungen. Bewerten kann ich die Agentur für Arbeit wohl erst, wenn ich die Qualität der Beratung kennen gelernt habe und vor allem die Qualität der Angebote sehe.

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