Explodierender Ölpreis zerstört Markterholung und legt wieder Rückwärtsgang ein

by Dirk Elsner on 22. September 2008

Heute Mittag gegen 15.30 Uhr haben wir noch entspannt auf die Kurse geschaut und uns gefreut über die weitere Erholung an den Aktienmärkten. Vielleicht würde alles nicht einmal halb so schlimm werden, wie noch vor wenigen Tagen befürchtet, mögen viele gedacht haben. Mit Eröffnung der Wall Street setzte dann eine Abwärtsbewegung ein, die noch immer nicht beendet ist. Der DAX nähert sich mit Riesenschritten wieder der 6.000er-Marke.

Der Hintergrund: Der Ölpreis ist binnen weniger Stunden um mehr als 25 Dollar gestiegen. Das ist die stärkste Steigerung, die es je an einem Tag gegeben hat. Als Ursache wird die Schwäche des Dollars selbst genannt, der wiederum durch das US-Rettungspaket für die Finanzmärkte stark belastet wird. Erhielt man vor einer Woche für einen Euro nur 1,41 US$, sind es heute bereits 1,48$.

Ob das die einzige Ursache für den Ölpreisanstieg ist darf bezweifelt werden. Aktuell werden nämlich starke Preisdifferenzen zwischen den Futures für Oktober und November beobachtet. Hier werden große Spekulanten am Markt aktiv sein. Vermutlich haben sich große Leerverkäufer mit Oktoberkontrakten eindecken müssen, um nicht noch weitere Verluste aufzubauen. Man muss jetzt schauen, auf welchem Niveau Arbitragegeschäfte für eine Anpassung sorgen.

Hans Ruedi Ramsauer von Zeitenwende.ch sieht als Ursache den Anlagenotstand des weiterhin reichlich vorhandenen Kapitals in der Welt.

Persönlich habe ich zwar auch auf Besserung gehofft, jedoch auch mit weiteren Störungen an den Märkten gerechnet. Dass eine solche Störung jetzt ausgerechnet vom Öl kommt, überrascht mich und macht mich skeptisch hinsichtlich der weiteren Entwicklung an den Finanzmärkten.

Nachtrag:

Um 23.30 Uhr sehe ich den Future für WTI bei Bloomberg nur noch mit 108.940 notieren. Das ist zwar immer noch 6% mehr als am vergangenen Freitag, aber keine 25% mehr. Verrückte Märkte oder ein Short Squeeze, bei dem sich einige Großspekulanten ihre Leerverkäufe der letzten Woche heute mit Ölfutures eindecken mußten, weil die Preise gegen ihre Erwartungen gestiegen sind.

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