Der Streit um Hoffenheim scheint die Republik zu teilen und eskaliert in diesen Tagen. In Blogs wird die Temperatur hochgestellt, wie in fixmbr, wo Christ fordert „Schmeißt Hoffenheim aus der Liga“ oder beim duenenwanderer, oder der Stehtribüne, die bei der Entscheidung der Spielorte für die Frauen-WM Klüngel vermuten. Zum Überkochen wird der Streit gebracht durch einen peinlichen und kleinbürgerlichen Briefwechsel zwischen Hoffenheim und dem Tagesspiegel. Die Mahlzeit wird genüsslich kommentiert vom Spiegel und der Netzeitung. In die Fußballforen dampft es ebenfalls deftig, wie z.B. im Spiegel Forum.
Dieses Menü, was dort von Hoffenheim aber auch den Gegnern des Vereins gekocht wird, ist ungenießbar geworden. Von Hoffenheim wünsche ich mir deutlich mehr Gelassenheit. Der Verein spielt einen wunderbaren Fußball, und das ist gut so. Die Sinsheimer sollten die Diskussionen und Anfeindungen einfach unkommentiert abperlen lassen, oder besser, es so machen wie José Mourinho. Spiegel Online zitiert den Trainer von Inter Mailand aus einer gestrigen Pressekonferenz mit folgendem Schlusssatz: „Wer mich nicht mag, mag mich eben nicht. Mir ist das egal.“
Die Hoffenheimgegner sollen von mir aus an Stammtischen weiter ihre überflüssige Neiddebatte mit Abramowitsch-Vergleichen führen. Wichtig ist diese Diskussion für den deutschen Fußball ohnehin nicht. Der Profifußball muß sich vielmehr Gedanken machen, wie er künftig in Europa wieder erstklassig werden kann. Das Modell Hoffenheim wird dabei eine Option sein neben weiteren Aktivitäten, die mehr Geld in die Kassen der Vereine spülen müssen.
Wenn man den „Wildwuchs des Kapitalismus“ beklagt und keine neuen Finanzierungsmodelle will, dann wird man akzeptieren müssen, dass weitere gute Spieler in Richtung Italien, England und Spanien ziehen. Dort wird längst mehr gezahlt, und es ist das Recht eines jeden Profis sich seinen Verein auch nach der Entlohnung auszusuchen. Über die Zweitklassigkeit des deutschen Vereinsfußballs darf man sich dann aber nicht beklagen.
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