Ich kann die Aufregung um 1899 Hoffenheim und ihrem Hauptsponsor, Dietmar Hopp, nicht nachvollziehen. Da wird von allen Seiten ein Tanz veranstaltet, der überhaupt nicht notwendig ist. Ich wünsche mir da mehr Gelassenheit und vor allem etwas nüchterne Betrachtung der wirtschaftlichen Zwänge der Bundesliga.
Zunächst einmal sollte sich jeder Fußballfreund in Deutschland freuen, dass eine so erfrischend spielende Mannschaft wie Hoffenheim den Weg in die erste Liga geschafft hat. Es macht Spaß ihr zuzusehen. Es macht Freude, sie gewinnen aber auch sie (vor allem gegen Bremen) verlieren zu sehen.
Unter wirtschaftlichen Aspekten ist das, was in Hoffenheim passiert absolut in Ordnung und könnte eher Vorbild sein für zukunftsträchtige Modelle im deutschen Profifußball. Nicht nachvollziehbar ist für mich, warum sich ein Großteil der abstimmenden Spon-Leser gegen das Engagement von Milliardären im Profifußball aussprechen. Hier scheint es ein folkloristisches Bild vom Profifußball zu geben, das möglicherweise in die 70er passt aber keinesfalls zu den Ansprüchen, die Fußballfreunde heute in Deutschland haben.
Ohne Mäzene wie Hopp oder anderen größere Sponsoren bzw. Investoren wird der Fußball in Deutschland im europäischen Maßstab auf Dauer zweitklassig bleiben. Das zeigen die Diskussionen um die TV-Verwertungsrechte und um die 50+1-Klausel, die bisher die Mehrheit von vereinsfremden Anteilseignern verhindert.
Nach den persönlichen Attacken auf Dietmar Hopp und einer unglaublichen wie überflüssigen Neiddebatte werden wohlhabende Bürger aber wohl eher Abstand nehmen von einem Finanzierungsmodell wie bei Hoffenheim. Die Bundesliga wird sich daher andere Gedanken machen, wie sie an Geldtöpfe kommen kann, um auch im europäischen Maßstab mithalten zu können. Die Welt am Sonntag hatte dazu gestern verschiedener Möglichkeiten aufgezählt.
Diese Entwicklung zur weiteren finanziellen Professionalisierung mag von vielen Anhängern in Deutschland genau so verurteilt werden, wie die Investments eines Abramowitch oder einer Abu Dhabi Group in England. Aufzuhalten ist die Entwicklung jedoch nicht. Dafür ist Fußball zu einem viel zu wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden. Von den Verantwortlichen in den Vereinen, wirtschaftliche Selbstbeschränkungen zu erwarten, käme einer Forderung gleich, sich selbst die Hand abzuhacken.
Daher sollte sich die Diskussionen in Deutschland mehr gegenüber alternativen Finanzierungsmöglichkeiten öffnen und eher schauen, dass die vielbeneidete deutsche Fankultur trotz der weiteren Kommerzialisierung erhalten bleibt.
Man muss Herrn Hopp außerhalb von Hoffenheim und Umgebung nicht lieben und nicht bewundern. Man darf ihn aber respektieren, für das, was er in der Region und auch in Deutschland für den Fußball leistet. Etwas gelassener sollte Herr Hopp vielleicht umgehen mit den Schmähungen und sich vielleicht mal mit Uli Hoeneß oder Olli Kahn über ihre „Schmährufsammlungen“ unterhalten. Je mehr Schmähungen man im Fußball erhält, desto größer der Respekt der Gegner. Ich halte es daher ebenso wie Christoph Biermann in Spiegel Online für absurd, dass der Club oder sein Mäzen in den Stadien unter ein Beleidigungsverbot gestellt werden sollten.
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