Anlegerstampede an den Börsen: Rennen die Investoren jetzt gegen die Wand?

by Dirk Elsner on 30. Oktober 2008

Stampede der Investoren

Stampede der Investoren

Nachdem in der vergangenen Woche noch viele Berichterstatter und Analysten mit dem Armageddon gerechnet haben und die Herde der Marktteilnehmer sich intensiv auf diese letzte Schlacht vorbereitet hat, sieht es plötzlich so aus, als hätte es diese nie geben sollen.

Risikokapital kommt zurück

Das Risikokapital kriecht schnell wieder aus den Löchern, in die es sich in den vergangenen Wochen vergraben hat. Sichere Anlagen werden wieder aufgelöst, und die Gelder fließen in großen Summen an die Aktienmärkte zurück. Kurszuwächse über 25% werden zur Regel. Belohnt werden damit vor allem die Investoren, die bereit waren, in der vergangenen Woche zu kaufen. Der Euro erholt sich, der Yen gibt nach und selbst der neuerdings als Konjunkturindikator verwendete Rohölpreis hat sich von seinen Tiefstständen  erholt.

Freude oder Skepsis

Es ist nicht so, dass ich mich nicht über die Markterholung freue. Ich bin zwar weder ein Trader noch Börsenzocker sondern Langfrist-Buy-and-Holder, aber natürlich sehe ich es gern, wenn sich die düstere Stimmung langsam wieder aufhellt. Aber die vergangenen Wochen haben gelehrt, Skepsis zu wahren, wenn auch nur ansatzweise so etwas wie Euphorie aufkommen will.

Bei Investor Inside lese ich von der gleichen Skepsis. In seinem Tagebuch schreibt der „Börsensüchtige“:

„Die Gier ist es wohl gewesen, die gestern die Kurse getrieben hat, oder viel mehr die Angst etwas zu verpassen! Das ist wohl eine der größten psychischen Fallen zumal wenn man vorher Verluste erlitten hat und umso schneller sein Geld wieder haben will. Die Angst dann beim nächsten Aufschwung nicht dabei zu sein ist noch viel größer als Geld zu verlieren.“

Die Herde der Investoren hat sich vor dem Abgrund gedreht und galoppiert einer Stampede gleichend nun mit Macht in die andere Richtung. Und vielleicht ist Stampede genau die richtige Bezeichnung für das, was nun zu beobachten ist. Dies ist nämlich ein spontaner Zusammenschluss von (meist wilden) Tieren, die plötzlich zusammen zu laufen beginnen, ohne einen erkennbaren Grund oder eine eindeutige Richtung.

Wohin läuft die Herde?

Ob die Herde nun gegen die Wand läuft und wieder umkehrt, um doch noch die letzte Schlacht zu schlagen, ist offen. Aktuell reicht aber das Ausbleiben schlechter Nachrichten, um die extrem negativen Erwartungen wieder zu verbessern. Mit negativen Nachrichten über das US-Verbrauchervertrauen und den Rückgang des US-Bruttoinlandsproduks war ohnehin gerechnet worden, so dass dadurch kein Marktteilnehmer mehr geschockt ist.

Es werden uns aber weitere negative Meldungen in den nächsten Wochen erreichen, denn die die Finanzkrise wird tiefe Spuren im Oktober hinterlassen. Hier bin ich noch nicht so sicher, ob schon alles verarbeitet ist. Die oben skizzierten positiven Entwicklungen können auch schnell, sogar noch heute, wieder kassiert werden.

Stimmung muss nachhaltig besser werden

Letztlich wird aber viel von der Stimmung abhängen, die wichtige Marktteilnehmer nachhaltig und nicht kurzfristig verbreiten. In Deutschland könnte die Stimmung z.B. positiv beeinflusst werden, wenn Banken ohne sich zu „schämen“ die rettende Hand der Regierung nehmen und ihre Kreditvergabe wieder normalisieren. Es gibt weiterhin viele Unternehmen, die wachsen und investieren wollen. Dazu brauchen sie aber neben Vertrauen vor allem Kapital.

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