Von der Deflation zur Inflation?

by sharewise on 5. November 2008

Ich hatte an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass wir aktuell ein Deflationsproblem haben und dies auch der Grund dafür war und ist, dass sowohl Aktien als auch Immobilien als auch Rohstoffe zuletzt so deutlich unter Druck standen. Die Logik, die hinter dem Problem der Deflation stand und steht, ist dabei relativ klar, aber nichts desto trotz möchte ich sie an dieser Stelle einmal erläutern:

  1. Durch Fehlspekulationen, hauptsächlich am amerikanischen Immobilienmarkt, sind viele Banken weltweit in eine Krise geraten.

  2. Durch die Krise etlicher Banken, ist das Vertrauen der Banken untereinander gegen Null gesunken und die Institute haben sich untereinander kein Geld mehr geliehen. Dadurch gerieten auch die Institute, die sich wenig bis gar nicht am amerikanischen Immobilienmarkt verspekuliert haben, unter Druck.

  3. Insgesamt haben wir somit eine sich verschärfende Bankenkrise gesehen, die sich sodann auch auf die Realwirtschaft auswirkte, denn wenn sich die Banken untereinander schon nicht mehr vertrauten und kein Geld mehr verliehen haben, so wurde erst Recht anderen Unternehmen kein Geld mehr geliehen.

  4. Da dieses Problem weltweit auftrat, kam es so innerhalb kürzester Zeit zu einer Rezession und zwar nahezu weltweit. Und in einer Art „Weltwirtschaftkrise“ fallen die Unternehmensgewinne und damit Aktien. Zugleich fallen auch die Rohstoffpreise, denn die Wirtschaft produziert in der Krise weniger und braucht somit weniger Rohstoffe. Und auch die Immobilienpreise fallen, denn wenn immer mehr Menschen immer weniger Geld haben und zugleich aufgrund der Immobilienkrise das Angebot eher noch größer wird, fallen eben die Immobilienpreise.

An sich ist dies alles auch kein Problem, denn die Wirtschaft verläuft eben in Zyklen und dazu gehören eben auch mal rezessive Entwicklungen. Das Problem dabei ist nur, dass man stets darauf achten muss, dass es weder zu einer Inflationsspirale (die in einer Hyperinflation enden kann) noch in eine Deflationsspirale hineingerät. Wie das im Falle einer Deflation aussehen kann, zeigt das Beispiel Japan in den 90er Jahren.

Bedingt durch ständig fallende Sachpreise, stellen Verbraucher und Unternehmen Investitionen ständig zurück, weil sie ja „gelernt“ haben, dass die Preise immer niedriger werden. Wegen der stets sinkenden Nachfrage, wird auch stets weniger produziert. So setzt sich dann ein Deflationskreislauf in Gang, aus dem es kaum ein Entrinnen mehr gibt wie Japan gezeigt hat.

Darum war und ist es richtig, dass die Regierungen in aller Welt ihre Banken mit Rettungspaketen unterstützt haben, denn es ist wichtig erst gar nicht in eine solche Deflationsspirale zu geraten. Und ich denke dank der Rettungspakete wird das nun auch vorerst nicht geschehen. Allerdings bergen diese riesigen Summen, die man in das angeschlagene Finanzsystem gepumpt hat, nun mittelfristig starke Inflationsgefahren. Nicht umsonst weist Ex-FED-Präsident Alan Greenspan in seinem Buch „The Age of Turbulence: Adventures in a New World“ daher darauf hin, dass man langfristig mit erhöhten Inflationsgefahren und somit mit deutlich höheren Zinsen rechnen muss. Noch heißt unser Problem Deflation, aber die Erfahrung zeigt, dass meistens auf eine Deflation eine starke Inflation folgt. Und diesen Trendwechsel – von der Deflation zur Inflation – rechtzeitig zu erkennen, ist nun die Aufgabe gewiefter Investoren…

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