Roubinis Vision des Horrors für die amerikanische Wirtschaft

by Dirk Elsner on 24. November 2008

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Prof. Nouriel Roubini

Die Bild nennt ihn „Dr. Doom“, die Baseler Zeitung „Crash-Propheten“ und sicher sind noch weitere Spitznamen im Umlauf für Nouriel Roubini. Im Hauptberuf ist er Professor an der New York University und bekannt für seine Untergangsszenarien der amerikanischen Wirtschaft. Ich vermag nicht zu überprüfen, welche seiner Prognosen in der Vergangenheit zutrafen, seine aktuellen Erwartung lesen sich jedenfalls plausibel aber man wünscht sich, er möge irren.

Der Blog Naked Capitalism hat die verschiedenen Vorhersagen zusammen getragen. Der deutsche Wirtschaftsblogger Egghat hat sie übersetzt (Danke Egghat für das OK, dass ich die Aufstellung übernehmen darf)

Hier sind 20 Gründe, warum nach Prof. Nouriel Roubini die Lage so hoffnungslos ist.

  1. Der US Verbraucher ist „shopped-out“, weil er die letzten Jahr über seine Verhältnisse gelebt hat.
  2. Der US Verbraucher ist „spar-los“ nachdem die bereits niedrige Sparquote vom Anfang des Jahrzehnts bis 2006 auf bzw. leicht unter Null gefallen ist. Die Sparrate muss wieder auf ein nachhaltigeres Niveau steigen.
  3. Der US Verbraucher ächzt unter seiner Schuldenlast, die von 70% des verfügbaren Einkommens Anfang der 90er auf 100% in 2000 und 140% in 2008 gestiegen ist.
  4. Nicht nur die absoluten Schuldenhöhe ist gestiegen, auch die monatliche Belastung ist von 11% auf 15% der verfügbaren Einkommen gestiegen, u.a. weil die Zinsen gestiegen sind.
  5. Der Wert des Immobilienvermögens ist beim aktuellen Minus der Hauspreise von 30% um 6 Billionen Dollar gefallen. In 2010 wird der Preisverfall wohl an die 40% betragen. Der Vermögenseffekt durch diesen Rückgang wird 12 bis 14% der Haushaltsvermögen ausmachen und damit deutlich mehr als die Rückgänge in der Vergangenheit die nur 5 bis 7% im Durchschnitt betrugen.
  6. Mortgage equity withdrawal (MEW=Erhöhung der Hypothek für Konsumzwecke) ist von 700 Milliarden Dollar im Jahr 2005 auf weniger als 20 Milliarden Dollar im 2. Quartal 2008 eingebrochen. Bei weiter sinkenden Immobilienpreisen fällt dieser Faktor aus.
  7. Der Wert der Aktienanlagen der US-Haushalte hat sich nahezu halbiert. Auch das wird den Konsum bremsen.
  8. Die Kreditklemme wird schlimmer, wie die „Flow of Funds“-Daten und die Bankenumfrage der Fed bestätigen. Die Kreditklemme begann bei Krediten niedrigster Qualität und frisst sich immer höher. Zuerst waren Risiko-Hypothekenkrediten betroffen, dann Hypotheken besserer Qualität und schlussendlich auch Kreditkarten-Kredite, Autofinanzierungen und Studentenkredite. Kredite werden knapper UND teurer.
  9. Das Verbrauchervertrauen ist auf Werte wie in den Rezessionen 1973-75 oder 1980-1982 gefallen.
  10. Die Reallöhne und -einkommen der breiten Bevölkerung stagnierten in den letzten Jahren. Zuwächse gab es nur bei den Besserverdienenden. Jetzt wo das BIP und die Realeinkommen fallen, wird der reale Verbrauch scharf zurückgehen.
  11. Die Fed wird die Nullgrenze bei den Leitzinsen erreichen, weil sich die Wirtschaft einer Deflation nähert. Darauf deuten die Gütermärkte, die Arbeitsmärkte und die Rohstoffmärkte hin. Deflation bedeutet, dass die Preise sinken und Verbraucher die Ausgaben in die Zukunft verschieben, weil alles immer billiger wird, weil die Zinsen höher als die (negative) Preissteigerung sind (sich sparen also lohnt) und weil der reale Wert der Schulden steigt.
  12. Die Beschäftigung ist die letzten 10 Monate in Folge gefallen und die Geschwindigkeit, mit der die Arbeitsplätze wegfallen, steigt. Im aktuellen Zyklus sind erst rund 1 Millionen Arbeitsplätze verloren gegangen, die Bedingungen am Arbeitsmarkt haben sich aber laut allen verfügbaren Frühindikatoren massiv verschlechtert. Massive Arbeitsplatzverluste und die Angst davor werden die aktuellen und zukünftigen Lohnzuwächse dämpfen und den Verbrauch weiter senken.
  13. Die Steuergutscheine im Gesamtwert von mehr als 100 Milliarden Dollar vom Anfang des Jahres haben nichts genützt. Nur 25% davon wurden ausgegeben, weil die Verbraucher Angst vor dem Arbeitsplatzverlust hatten und das Geld lieber zur Schuldentilgung von Hypotheken und Kreditkartenschulden benutzt haben. Eine weitere Steuergutschrift würde genauso verpuffen wie die erste.
  14. Die Rezession 1990/91 und 2001 hatten kein weltweites Ausmaß. Dieses Mal erwartet der IWF aber genau das.
  15. Die Inflation, die sich erst in den letzten Monate beruhigt hat, hat die verfügbaren Einkommen der Wenigverdiener überproportional gesenkt, da diese einen prozentual größeren Teil ihres Einkommens für Benzin, Energie und Lebensmittel ausgeben. Der Preisverfall der letzten Monate wird diese Haushalte zwar um etwa 150 Mrd. Dollar entlasten, aber die Einkommensverluste und der sinkende Konsum werden viel größer und damit entscheidender sein.
  16. Der handelsgewichtete Außenwert des US-Dollars hat sich seit 2002 verschlechtert und so die Handelsbilanz verschlechtert und die Kaufkraft der US-Verbraucher für Importe geschmälert.
  17. Der Konsum sorgt für 71% der gesamten Wirtschaftsleistung der USA. Ein deutlicher und nachhaltiger Rückgang des Konsums bis (mindestens) zum vierten Quartal 2009 legt eine stärkere Rezession nahe als normal. Ein Rückgang der Konsumausgaben gab es in der Rezession 2001 gar nicht und man muss bis zur Rezession 1990/91 zurückschauen, um ein negatives Quartal zu finden.
  18. Geldpolitische Maßnahmen (sprich Leitzinssenkungen) werden den Kauf von langfristigen Konsumgütern und Häusern nicht beleben, weil diese Güter in Massen verfügbar sind und daher die Zinsen keine Rollen mehr spielen, sondern nur die deflationär sinkenden Preise. Zinssenkungen sind dann so wirksam wie der Versuch einen „Faden zu schieben“. In der letzten Rezession senkte die Fed die Leitzinsen von 6,5% auf 1% und die langfristigen Zinsen sanken um 2 Prozentpunkte. Trotzdem sanken die Investitionen um eine Summe, die 4% des BIPs entspricht, weil es vorher eine Flut von Investitionen gab, die abgebaut werden mussten (kurz: Niemand investierte mehr, weil im Aufschwung vorher viel zu viel investiert wurde). Aktuell gibt es viel zu viele Immobilien, langlebige Verbrauchsgüter und Autos. Es wird Jahre dauern, bis diese Schwemme abgebaut ist.
  19. Auch wenn die Leitzinsen fallen, steigen die wirklichen Zinsen wegen der erhöhten Risikoaufschläge defacto eher. Zusammen mit der eingeschränkten Verfügbarkeit dämpft das nachhaltig die Fähigkeit der Haushalte Kredit aufzunehmen und zu konsumieren.
  20. Um die Sparrate der Haushalte zurück auf das Niveau des letzten Jahrzehnts zu bringen (6% des BIPs), muss der Konsum um fast eine Billionen Dollar sinken. Wenn dieser Rückgang innerhalb von 12 Monaten stattfinden sollte, würde das BIP allein durch direkte Effekte um 7% sinken. Mit den üblichen Zweiteffekten (weniger Umsätze, weniger Mitarbeiter im Einzelhandel, die dann wiederum weniger Geld haben), kann das BIP leicht um 10% sinken. Dieser Rückgang des BIPs durch erhöhte Sparquoten hat Keynes als „Spar-Paradox“ bezeichnet. Würde diese Anpassung über zwei Jahre ablaufen, gäbe es zwei Jahre mit jeweils 5% Minus (Anmerkung: In der schwersten Rezession in der Nachkriegsgeschichte 1957/58 sank das BIP nur um 3,7% vom Hoch). Man kann nur hoffen, dass diese Anpassung noch länger gestreckt wird. Bei einer Anpassung über 4 Jahre würde das BIP um 4 bis 5% sinken, würde damit aber immer noch die tiefste Rezession seit dem zweiten Weltkrieg darstellen. In der Rezession 2001 gab es nur einen Gesamtrückgang um 0,4%, in der Rezession 1990/91 um 1,3%. Die jetzige Rezession könnte also gut dreimal so lang und dreimal so tief werden wie die letzten beiden Rezessionen und schlimmer als alle anderen Rezessionen seit dem 2. Weltkrieg.

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Technoman November 24, 2008 um 13:31 Uhr

ne menge punkte sind das, brauch ich an net um abzusehen wie schwarz es mit der wirtschaft wird.

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