USA investieren bisher 7,8 Billionen Dollar gegen Depression

by Dirk Elsner on 27. November 2008

Real GDP Contracts Most in 27 Years

Wie die Rezession abwehren?

Weitestgehende Einigkeit scheint mittlerweile darin zu bestehen, dass die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise die größte Krise seit der Weltwirtschaftskrise ist. Im dritten Quartal dieses Jahres reduzierten sich die Wirtschaftsaktivitäten um 0,5%. Für das vierte Quartal wird jetzt sogar mit 4 bis 5% Rückgang gerechnet.

Unglaubliche Summen werden in den USA in die Hand genommen, um das Ausbrennen der US-Konjunktur zu verhindern. Auf aktuell 7.800 Milliarden US-Dollar addieren sich Maßnahmen zum Ankauf verschiedenster Vermögensgegenstände, um eine weitere Verschärfung der Krise zu vermeiden.

Neuer 800 Mrd. Plan für neue Kreditrisiken

Gestern hatte das Finanzministerium einen Plan angekündigt, für 800 Milliarden US$ weitere Ausleihungen an die Wirtschaft bereit zu stellen. Dazu wurde die Botschaft ausgegeben, weitere Mittel stünden bereit, sollte diese Summe nicht reichen, um das Bankensystem wieder in Schwung zu bringen.

Von diesen 800 Mrd. US$ sollen 200 Mrd. US$ zum Aufkauf von Asset Backed Securities, die mit Krediten für Autokäufe, an Studenten, Kreditkartenforderungen und Kredite an kleine Firmen unterlegt sind. So sollen die Kreditgeber außerdem bewegt werden, weitere Kredite zu vergeben.

Für weitere 600 Mrd. US$ sollen Hypothekenkredite abgesichert werden, so dass die Zinsen für diese Ausleihungen wieder auf ein Normalmaß reduziert werden können und damit wieder ein Anreiz besteht, Hypotheken zum Erwerb von Immobilien zu nutzen. Experten glauben, dieser Schritt könne den Immobilienmarkt stützen.

Ob der wirklich wieder in Gang kommt, hängt auch davon ab, wie potentielle Käufer die Preiserwartungen einschätzen. Aktuell zeigen die Immobilienwerte stark deflationäre Tendenzen. Die Immobilienpreise fallen weiter. Der Case-Shiller-Index, der die Entwicklung auf dem Häusermarkt in 20 großen amerikanischen Städten abbildet, fiel im Vergleich zum vergangenen Jahr um 17,4 Prozent. Das ist der größte Zwölfmonatsverlust, seit die Messziffer 2001 erstmals erfasst wurde.

Gesamtvolumen der Staatsinterventionen: 7,8 Billionen Dollar

Die 7,8 Billionen Dollar errechnet die New York Times sich aus der Summe der direkten oder indirekten Finanzierungsmaßnahmen, die die US-Regierung in den letzten 12 Monaten eingeleitet hat. Darin enthalten sind 1,4 Billionen US$ für bereits gewährte Ausleihungen, Kapitaleinlagen und die Rettung von Unternehmen wie Bear Stearns, AIG, Fannie Mae und Freddie Mac. Weiter beinhaltet die Gesamtsumme weiter Billionen für Regierungsgarantien für Hypotheken, Bankeinlagen, Kredite und Geldmarktfonds. Allein für Hypotheken von Fannie Mae und Freddie Mac hat die amerikanische Notenbank im Wert von 600 Mrd. US$ übernommen.

Drei Pakete von Finanzierungsunterstützungen können unterschieden werden:

1. 1,7 Billionen für direkte Ausleihungen an Unternehmen gegen schwer zu liquidierende Wertpapiere

2. 3 Billionen für direkte Investitionen in Aktien und Unternehmenskredite sowie künftig Hypothekendarlehen

3. 3,1 Billionen für Garantien für Unternehmensanleihen, Geldmarktfonds und Geldeinlagen bei Banken

Andere Medien und Blogs nennen andere Summen, die um +/- 500 Mrd. Euro um diesen Betrag schwanken. Ohnehin ist es nicht unwahrscheinlich, dass die Garantie und Investitionssummen noch weiter gesteigert werden könnten.

Egghat hat die Summe von 8,5 Billioen US$ mal in Relationen gesetzt:

„Die Summe ist größer als die Kosten für den Irakkrieg. Größer als die Kosten für die Lösung der Sparkassenkrise. Größer als die Summe für den New Plan in der 30er Jahren. Größer als der Marshallplan. Größer als die Kosten für den Irakkrieg.  Größer als alles ZUSAMMMEN!“

„Das einzige Ereignis, dass in eine ähnliche Größenordnung kommt, war der zweite Weltkrieg. Der kostete die USA inflationsbereinigt (wie die anderen Zahl übrigens auch) etwa 3,6 Billionen Dollar.“

Zu berücksichtigen ist allerdings, dass diese Summen keine Ausgaben darstellen sondern nur den Kauf von Vermögenswerten umfassen. Die tatsächlichen Kosten können erst dann beziffert werden, wenn die Abschreibungen auf die Assets realisiert werden sollten.

Mittelfristige Wirkung noch nicht absehbar

Die kurzfristigen Wirkungen dieser Maßnahmen sind klar: Das Kreditsystem ist so vor dem Kollaps bewahrt worden. Unklar ist aber, wie diese Maßnahmen mittelfristig auf die Wirtschaft wirken und welche langfristigen Effekte daraus entstehen können. Ein großer Teil der bereit gestellten Mittel sind Garantien. Dabei fließt kein neues Geld in den Kreislauf, wie Zeitenwende feststellt. Er werden lediglich die Banken entlastet, die so weniger Risiken in ihren Bilanzen haben und so wieder mehr Kredite vergeben könnten. Ob sie dies auch tun, ist allerdings offen. Gezwungen werden können sie dazu nicht.

Notwendige Rahmenbedingung aber nicht hinreichend für neue Investitionen.

Die Garantien sind für die Kreditvergabe selbst eine notwendige Bedingung, allein aber nicht hinreichend. Für die Neukreditvergabe muss es auch jemanden geben, der einen Kredit benötigt für Investitionen oder Konsum. Neue Kredite können aber nicht nach den gleichen riskanten Maßstäben vergeben werden, wie in den vergangenen Jahren. Daher muss es zwangsläufig zu einer Reduktion der Neukreditvergabe kommen.

Allerdings ist klar, dass etwas getan werden muss. Andernfalls rechnen Regierung und Zentralbank in den USA mit einer Depression, bei der die Arbeitslosigkeit über 10% klettern kann und die Wirtschaft Jahre bis zu einer Erholung benötigen könnte.

Weitere Lektüre zum Thema

NYT: U.S. Plans $800 Billion in Lending to Ease Crisis

FTD: Wie es um die US-Wirtschaft steht

FTD: Neues US-Hilfsprogramm: Fed flutet Kreditmärkte mit 800 Milliarden

FTD: Der Kampf der USA gegen die Deflation

US-Regierung stemmt sich gegen Rezession

Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de

Comments on this entry are closed.

Previous post:

Next post: