Merckle im Credit Crunch: Häme ist nicht angebracht

by Dirk Elsner on 11. Dezember 2008

Ausriss aus Website FAZ

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Ich denke, die Häme, die über Adolph Merckle, dem Eigentümer von Ratiopharm und Heidelcement, ausgeschüttet wird, ist nicht gerechtfertigt.

Merckle bleibt dennoch weiterhin Gesprächsthema in der Wirtschaftswelt, die gespannt verfolgt, ob und wie es ihm gelingt, die Finanzierung seiner Unternehmensgruppe sicherzustellen. Interessant ist der Fall vor allem deswegen, weil hier die Folgen der Kreditklemme hautnah für Aussenstehende greifbar werden. In einem persönlichen Interview mit der FAZ hat es sich zum Credit Crunch seiner Gruppe geäußert.

Hier die um das PR-Gemurmel bereinigten Kernpunkte: :

  • für die Finanzierung der Kapitalerhöhungen von Heidelcement wurden Aktien als Sicherheit bestellt, die nun erheblich an Wert verloren haben.
  • Das hat zur Folge, dass der Wert der Sicherheiten, welche die VEM Vermögensverwaltung (VEM VV) bei Banken hinterlegt hat, geschmälert wurde. Die kreditgebenden Banken hatten daher größere Nachschüsse und Kredittilgungen gefordert, die nicht geleistet werden konnten. Dadurch wurde die Liquiditätskrise bei der VEM VV ausgelöst.
  • Merckle hat auch Mittel aus seinem Privatvermögen als Sicherheit angeboten.
  • Am vergangenen Montag hat Merckle ein neues Angebot für einen Überbrückungskredit abgegeben

Interessant finde ich seine nachfolgende persönliche Kommentierung zum Meinungsumschwung in der Öffentlichkeit.

„Es macht mich traurig, dass in solchen Zeiten wie der jetzigen Finanzkrise die öffentliche Meinung über Handlungen und Personen schlagartig umschwingen kann. Dinge, die zuvor sehr positiv bewertet wurden, sind plötzlich allerschärfster Kritik ausgesetzt. Nehmen Sie doch nur das Wertpapiergeschäft unserer VEM VV. Jahrelang hat es dazu gedient, um Finanzierungen aufzustellen, die das Wachstum der Beteiligungsunternehmen ermöglichten. Und alle waren zufrieden damit. Keiner hat daran gezweifelt, dass dies der richtige Weg ist. Weil Arbeitsplätze geschaffen wurden und auch zur Entwicklung der Regionen beigetragen wurde. Unsere Motivation für Wertpapiergeschäfte war im vergangenen Jahr die exakt gleiche wie zuvor. Doch heute werde ich persönlich angegriffen und als Zocker dargestellt. Das allein wäre noch nicht so schlimm. Wirklich zum Problem wird es, wenn es daraufhin zu Rückwirkungen auf die Handlungsmöglichkeiten des Unternehmens kommt, weil die Erwartungen der Marktteilnehmer durch eine aktuelle, vielleicht nicht einmal lang anhaltende Stimmung beeinflusst wird.“

Ich denke über diese Aussagen sollte man wirklich einmal nachdenken. Wenn Menschen Merckle aufgrund seiner schief gegangenen Finanzgeschäfte verurteilen, dann müssen sie dieser Art der Finanzierung für Investitionen und Unternehmenskäufe generell ablehnen. Dann müssen sie aber auch einmal darüber nachdenken, welche Geschäfte es in den vergangenen Jahren ohne Risikofinanzierungen nicht gegeben hätte.

FAZ: Im Gespräch: Adolf Merckle „Ich habe schon viele Börsencrashs überstanden“

Handelsblatt: Milliardär in Nöten Merckle gibt Hoffnung nicht auf


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