Rennen um die düsterste Prognose

by Dirk Elsner on 12. Dezember 2008

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Unklarer Blick in die Ferne

Schöner Kommentar von Claus Hulverscheidt in der Süddeutschen mit der Überschrift „Wettlauf der Pessimisten“. Er schreibt mir aus der Seele zu den Konjunkturprognosen:

zum Beispiel

„Im Schnitt erwarten die Experten einen Rückgang um etwa eineinhalb Prozent. Das ist eine dramatische Zahl – für manche aber offenkundig noch nicht dramatisch genug, denn wie schon in früheren Abschwungphasen läuft derzeit ein bizarres Wettrennen: das um die negativste Konjunkturprognose. Am Mittwoch sagte das Essener Institut RWI minus 2,0 Prozent voraus, am Donnerstag folgte prompt das Ifo-Institut mit minus 2,2 Prozent. Damit lägen die Münchener vorn – gäbe es nicht Norbert Walter. Der Chefökonom der Deutschen Bank hatte schon vor Tagen erklärt, er könne sich auch einen Rückgang um sage und schreibe vier Prozent vorstellen. Zwar fügte er an, dass die Wahrscheinlichkeit dieses Szenarios nur bei 30 Prozent liege. Walter, der gern in Funk und Fernsehen auftritt, ist aber erfahren genug um zu wissen, dass solche Fußnoten in der Berichterstattung meist wegfallen.“

Letzte Woche schrieb ich u.a. zu den Prognosen

„Ich finde dies unverantwortlich, weil eine Institution, wie die Deutsche Bank mit solchen durch die Medien gern verstärkten Meldungen erheblich die Erwartungsbildung bei Konsumenten und Unternehmen beeinflusst und verschlechtert. Und das wird nicht ausbleiben. Die Medien haben diese Steilvorlagen nämlich gern aufgenommen und schießen sie noch etwas weiter. So schreibt das Handelsblatt “Ökonomen sehen Wirtschaft vor dem Kollaps und Spiegel Online titelt “Düstere Konjunkturprognosen: Bundesrepublik droht Rekord-Rezession”. Bild fragt: Droht die Brutal-Rezession?“

Claus Hulverscheidt formuliert gekonnter in der SZ:

„Derlei Geschwätz ist unverantwortlich, weil es die Menschen weiter verunsichert und so die Krise verschärft. Es ist zudem ärgerlich, dass ausgerechnet zwei Bank-Volkswirte die Oberpessimisten spielen, Vertreter jener Branche also, die den ganzen Schlamassel mit angerichtet hat. Immerhin, es gibt Hoffnung: Nach einer Analyse der Financial Times Deutschland schwankt nicht nur die Konjunktur, sondern auch Walters Treffgenauigkeit: 2003 war er „Prognostiker des Jahres“, 2005 belegte er nur Platz 54.“

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