Unverantwortliche Prognose von Norbert Walter und der Deutschen Bank: Wie sollen da Konsum und Investition anspringen?

by Dirk Elsner on 5. Dezember 2008

horror

Deutsche Elite sorgt für Unterbelichtung der Wirtschaft

Heute kommt es wieder einmal ganz dick. Die Eigendynamik der Hiobsbotschaften erreicht einen neuen Höhepunkt. Unsere „Wirtschaftselite“ überschüttet uns mit schlechten Nachrichten. Lösungsvorschläge sind Mangelware oder wirken komplett hilflos. „Konsum und Investition müssen wieder anspringen“, wird gefordert, um die Wirtschaftskrise zu stoppen. Wie das gehen soll, wissen sie natürlich auch nicht. Aber sie mögen es,  im Stundentakt, die Lage noch dunkler zu zeichnen.

Der smarte Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, toppt dabei alle bisherigen Prognosen, in dem er jetzt mal auf einen Konjunktureinbruch um bis zu vier Prozent setzt. Das „Kleingedruckte“ dieser Prognose (bis zu 4% mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit von 1/3) wird dabei in die Schlagzeilen gar nicht erst eingearbeitet.

Ich finde dies unverantwortlich, weil eine Institution, wie die Deutsche Bank mit solchen durch die Medien gern verstärkten Meldungen erheblich die Erwartungsbildung bei Konsumenten und Unternehmen beeinflusst und verschlechtert. Und das wird nicht ausbleiben. Die Medien haben diese Steilvorlagen nämlich gern aufgenommen und schießen sie noch etwas weiter. So schreibt das Handelsblatt „Ökonomen sehen Wirtschaft vor dem Kollaps und Spiegel Online titelt „Düstere Konjunkturprognosen: Bundesrepublik droht Rekord-Rezession“. Bild fragt: Droht die Brutal-Rezession?

Unternehmen und Verbrauchern helfen solche Prognosen und Meldungen nicht. Im Gegenteil. Solche Aussagen von Meinungsbildner wie Walter tragen erheblich dazu bei, dass die Wahrscheinlichkeit für das Eintreffen solcher Prognosen steigt. Da muss sich dann keiner wundern, dass sich die Deutschen vor dem Wirtschaftseinbruch fürchten.

Die Bundesbank prognostiziert da übrigens wesentlich weniger spektakulär. Sie erwartet preis- und kalenderbereinigt für 2009 einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,8 Prozent. Dies wäre aber immer noch besser als das Ergebnis aus dem Rezessionsjahr 1993 und dem Jahr der Ölkrise im Jahr 1975. Nach meinen Erinnerungen gabe es weder 1975 noch 1993 auch nur annähernd etwas, was man als Kollaps bezeichnen kann.

Wo bleiben die angeblich so klugen Köpfe unserer Wirtschaft, die mal eine Kampfansage gegen den Wirtschaftsabschwung und die schlechte Stimmung vermitteln? Norbert Walter jedenfalls habe ich schon lange von der Liste kluger Köpfe gestrichen. Er sitzt jetzt in seinem Büro und freut sich über die öffentliche Aufmerksamkeit seiner düsteren Prognose. Wahrscheinlich kann er die zusätzlichen Anfragen, die nun bei ihm eintreffen, gar nicht alle beantworten. Seine eigene Wohlfahrt hat er so erhöht, der Wirtschaft hat er aber erheblichen Schaden zugefügt.

Leider wird auch kaum die Qualität von Prognosen der Deutschen Bank in Frage gestellt. Die Finanzkrise selbst hat sie in diesem Ausmaß nicht erwartet. Noch im Mai hatte der Chef der Bank, Dr. Josef Ackermann, vom Ende der Finanzkrise gesprochen. Die Prognosekompetenz des Instituts darf daher erheblich angezweifelt werden. Dieses Anzweifeln wünsche ich mir nun auch von den Medien, die solche Horrorprognosen jetzt kritiklos verbreiten.

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