34$ für Fachaufsatz zur Finanzkrise!

by Dirk Elsner on 22. Dezember 2008

Den Sonntag Nachmittag wollte ich nutzen, um abseits der hektischen auf Tagesaktualität bemühten Onlinemedien nach etwas anspruchsvolleren Publikationen zur Finanz- und Wirtschaftskrise zu suchen. Mir fällt in diesen Wochen aber auf, dass vergleichsweise wenig Publikationen von deutschen Wirtschaftswissenschaftlern zur aktuellen Krise zu finden sind. Äußert sich ein Betriebs- oder Volkswirt, dann meist in Form von Interviews, wobei hier stets die üblichen Verdächtigen zur Wort kommen, wie z.B. der 30-Sekunden-Problemlöser Prof. Wolfgang Gerke.

Es ist nicht so, dass man nicht fündig wird, wie z.B. bei einigen Forschungsinstituten. Bei zahlreichen Beiträgen wird der interessierte Leser aber kräftig zur Kasse gebeten, wie z.B. bei einem interessanten Aufsatz von Prof. Dr. Renate Neubäumer mit dem Titel: „Ursachen und Wirkungen der Finanzkrise — eine ökonomische Analyse“. Der Aufsatz ist erschienen in der Zeitschrift Wirtschaftsdienst und kann für 34$ vom Springer Verlag geladen bezogen werden.

Das ist viel Geld dafür, dass Frau Neubäumer den Artikel während der Arbeitszeit geschrieben hat und von Steuergeldern bezahlt wird und die Zeitschrift selbst von einer Stiftung öffentlichen Rechts herausgegeben wird. Nach eigenen Angaben schlägt der Wirtschaftsdienst eine Brücke zwischen Wissenschaft und Praxis, er informiert die Leser kompetent und in verständlicher Sprache über aktuelle wirtschaftspolitische Themen. Die Zeitschrift erscheint bereits im 88. Jahr und gehört damit zu den traditionsreichsten wirtschaftswissenschaftlichen Fachzeitschriften.

Nur schade, dass man als normaler Steuerzahler so kräftig zur Kasse gebeten wird. Immerhin, wenn man Glück hat, gibt es auch Artikel, die frei lesbar sind, wie z.B. „Finanzkrise – Schadensbegrenzung
in der Realwirtschaft“
. Einen anderen Artikel, wie den von Prof. Siegfried F. Franke, Ordinarius für Wirtschaftspolitik und Öffentliches Recht an der Universität Stuttgart, hätte ich auch gern gelesen. Aber „Vertrauen als Basis der Marktwirtschaft“ wird ebenfalls mit 34$ berechnet.

Ich finde es ärgerlich und seit Jahren skandalös, dass die mit Unterstützung öffentlicher Mitteln verfassten Publikationen nicht frei zur Verfügung gestellt werden. Gleichwohl würde ich eine Betrag bis 2 € sogar akzeptieren, aber mit Sicherheit nicht 34 $, was aktuell immer noch über 24 € sind. Wie sollen die Erkenntnisse so breiter durchsickern, wenn sie nur in Fachzirkeln kursieren.

Dieser Beitrag ist übrigens kostenlos steht unter Creativ Commons Lizenz 3.0, d.h. er kann unter diesen Bedingungen frei verwendet werden. Wer weitere Fachtexte sucht, den verweise ich gern auf die Übersichtsseite des Blick Logs zur FinanzkriseBlogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de

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