Bankenrisiken: Schrecken ohne Ende auch durch katastrophale Kommunikationspolitik

by Dirk Elsner on 24. Februar 2009

Eigentlich hatte ich in diesem Quartal aus vielen Gründen ein Ende des Schreckens bei den Bankenrisiken erwartet. Aktuell sieht es allerdings nicht so aus. Sogar das Gegenteil ist der Fall. Banken und Finanzmärkte steigern sich in eine schier unglaubliche Hysterie, die zu allerlei nervösen Zuckungen führt. Schuld daran ist aus meiner Sicht eine nach wie vor katastrophale Informations- und eine desaströse Kommunikationspolitik. Beides ist zu unterscheiden.

Bei der Informationspolitik geht es darum, den Gläubigern, Eigentümern und Steuerzahlern den diffusen Nebel zu nehmen, der für eine immense Verunsicherung sorgt. Dazu gehört es über die Risiken, die potentiellen Verluste, aber auch über die angedachten Maßnahmen zu informieren, um die Banken zu stabilisieren.

Bei der Kommunikationspolitik geht es darum, wer eigentlich was kommuniziert und das überhaupt kommuniziert wird. Die Bankenchefs scheinen kollektiv in Deckung gegangen zu sein. Die Commerzbank schickt die zweite Garde zur Präsentation der wichtigen Jahresdaten und von Herrn Ackermann liest man ebenfalls nichts mehr. Er lässt nur seinen Chefvolkswirt weitere Verunsicherung streuen.

Im Norden der Republik haben Eigentümer und Vorstand die HSH Nordbank durch ihre von Politikinteressen getränkte Kommunikation an den Rand des Notausstiegs gebracht. Um die Hypo Real Estate führen Anteilseigner und Staat eine überflüssige Debatte, die das Unwort “Enteignung” sogar wieder salonfähig gemacht hat.  Im Genossenschaftssektor beharken sich mittlerweile die DZ und die WGZ-Bank, die eigentlich fusionieren wollten.

Kurios mutet an, dass unterdessen zwischen Sparkassen, Volksbanken und Auslandsbanken ein Wettbewerb um Geldeinlagen eingesetzt hat, der den Eindruck vermittelt, Lehman und Kaupthing hätte es nie gegeben. Aber auch international ist das Krisenmanagement nicht besser, wenn man sich die Diskussion um die Staatsanteile bei der Citigroup ansieht.

Das Verhalten der Banken und ihrer Eigentümer hat katastrophale Folgen, die sich vor allem in den wieder stark gestiegenen Risikoprämien für Kreditausfallversicherungen widerspiegeln. “Banks under pressure” schrieb gestern Alphaville, der Blog der Financial Times, der täglich die Anspannungen auf den Kreditmärkten kommentiert. Die Verunsicherung im Bankensektor führte gestern dazu, dass der iTraxx Financials, also der Index für die Kreditversicherungen, mit 159 Punkten einen neuen Höchststand erreichte. Der Index, der die Prämienforderung für die Credit Default Swaps misst, war zum Jahresanfang zunächst deutlich gefallen, was konkret bedeutete, die Ausfallrisiken für Banken wurden im Januar geringer eingeschätzt als noch Ende des Jahres. Mit dem Beginn der Berichtssaison hat sich dieser Trend nun umgekehrt.

Trotz der gewaltigen staatlichen Rollstühle, in die die Banken bei Bedarf gesetzt werden können, gelingt es den Instituten nicht, sich selbst zu stabilisieren. Dies ist vor allem auch deswegen so katastrophal, weil diese neuen Rekordprämien nun doch wieder zu weiteren Abschreibungsbedarfen der Kreditportfolios führen können, womit der sich der Abwärtstrend weiter beschleunigt. Eine Drama ohne Ende. Vor diesem Hintergrund habe sich auch meine Erwartungen ernüchtert. Ich hatte mich ja schon quasi festgelegt, dass die Banken ihren Tiefpunkt erreicht haben und es wieder aufwärts geht. Dabei hatte ich mich vor allem festgehalten an den gesunkenen Risikoprämien. Die sind nun zunächst einmal Geschichte.

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