Krise den Beigeschmack der Katastrophe nehmen

by Dirk Elsner on 6. März 2009

Im Editorial der März-Ausgabe des Magazins IT-Mittelstand zitierte Guido Piech Max Frisch: “Die Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.” Das sind schlaue Worte von einem, der schon seit fast 18 Jahren tot ist und von dieser Wirtschaftskrise nichts ahnen konnte. Und das sind Worte, über die wir aktuell nachdenken sollten, wenn wir von düsteren Botschaften zugeschüttet werden.

Der noch am Mittwoch gesehene Hauch von Frühling an den Börsen und in einigen Wirtschaftsmeldungen ist am Donnerstag erst einmal wieder eingefroren. Wäre ja auch zu schön gewesen. Dennoch halte ich an meiner These fest, dass die Wirtschaft auf eine Initialzündung zu warten scheint. So habe ich am Donnerstag auf der Cebit nicht die erwartete trübe Stimmung erlebt, die uns die Wirtschaftspresse und viele Analysten immer wieder einhämmern. Auch waren die Messhallen gefüllt wie eh und je. Von Untergangsstimmung keine Spur.

Klar, es herrscht eine gewisse Ernüchterung, die aber zunehmend durch einen neuen Pragmatismus ersetzt wird. Immer mehr Unternehmen arrangieren sich mit der Krise und versuchen aus ihr das Beste zu machen. Kostenstrukturen werden überprüft, die Abläufe werden verschlankt, die Einkaufspreise werden heruntergehandelt und Projekte (über-)geplant. In guten Jahren aufgebauter Ballast wird über Bord geworfen.

Einige meiner Gesprächspartner, die sicher nicht repräsentativ für die Gesamtwirtschaft sind, berichten wieder über eine verbesserter Auftragslage im Vergleich zum Dezember und Januar. Eine weitere interessante Tendenz ist, dass es auch Unternehmen gibt, die die Krise nutzen, um ihre Position gegenüber Wettbewerbern zu verbessern. Das funktioniert in erster Linie über den Preis und kann sogar erfolgreich sein, wenn die eigene Kasse gut gefüllt ist und die Wettbewerber schwächeln.

Größere Projekte werden vorbereitet, häufig hapert es allerdings noch an der Finanzierung. Diese Aussage habe ich in den letzten Tagen häufiger gehört und weniger gelesen. Unternehmen ringen mit ihren Banken um Finanzierungen. Banken zeigen sich aber weiterhin zugeknöpft, wenn es um größere Finanzierungen geht. Da draußen im Dschungel der Wirtschaft gibt es also genug Mut und Initiative, um die Krise zu überwinden.

An was es allerdings weiterhin fehlt, sind Banken, die sich mehr bewegen und vor allem ein paar positive Schlagzeilen  oder zumindest die Vermeidung negativer Aussagen insbesondere von Meinungsführern aus Wirtschaft und Politik. Das jedenfalls bringt viel mehr als eine Leitzinssenkung, die ohnehin durch Trichets Aussagen konterkariert wurde, denn er rechnet mit einer “langen Phase eines großen wirtschaftlichen Abschwungs.” Hier wären positivere Worte hilfreicher gewesen.

Wer wieder einmal ein paar Lichtblicke benötigt, der kann sich auf Deutsche Startups.de anschauen, was trotz Wirtschaftskrise in der Gründungsszene so alles los ist. Ich habe die Seite erst in dieser Woche wirklich angeschaut. Ein Schnack mit einigen Machern der lesenwerten Site während des Aktiencamps am vergangenen Wochenende hatte mich neugierig gemacht.  So kann man heute lernen, wie es bei WhoFinance, einer Bewertungsplattform für Finanzberater aussieht oder über etwas über den Start von plista, einem Personalisierungs- und Empfehlungsdienst, erfahren.

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