HSV – Werder: Das Spektakel ist grünweiß (die besten Pressestimmen zum UEFA-Cup-Halbfinale)

by Dirk Elsner on 8. Mai 2009

Weil ich in Hamburg war (leider nicht im Stadion), jetzt mit etwas Verspätung mein Blogeintrag über das hanseatische Fußballspektakel Teil 3. Atemlos hat mich das Spiel, der Spielverlauf, die Schiedsrichterentscheidungen, die Stimmung und vor allem die Entscheidung durch Werders 12. Mann, einer Papierkugel, gemacht. Als Anhänger der Bremer Fußballkunst freue ich mich, dass Werder die Saison, die ich in der Liga bereits nach dem 3. Spieltag als Verkorkst, vergeigt, vergessen angesehen hatte, so eine fantastischen Ausklang findet. Nie hätte ich erwartet, dass die Mannschaft in zwei von zwei möglichen Finalspielen landet.

Aber jetzt genug genervt mit meinen Gedanken. Gleich folgt, was die Fachleute online schreiben. Aber zunächst ein kurzer Blick auf das, was es im Netz zu sehen gibt, wie diesen Videobeitrag mit Stimmen von kicker.tv oder dieses Video von der Papierkugel auf Youtube:

Spon: „Das Papier stand doch im Abseits“: Der HSV ist fast 122 Jahre alt, aber so was hat er noch nicht erlebt: Eine Papierkugel auf dem Spielfeld ist mitverantwortlich für das Uefa-Cup-Aus gegen Werder Bremen. Ursprünglich wohl Teil einer Fan-Choreografie, wird sie jetzt Kult – Folgen für die verantwortlichen Anhänger hat das alles nicht. … Denn es war letztlich eine Kleinigkeit, die die Begegnung zwar nicht entschied – aber ihren Teil dazu beitrug, dass der HSV im Uefa-Cup-Halbfinale gegen Werder Bremen ausschied. Eine Papierkugel. Eben noch unschuldig und unbekannt, nun Teil der fast 122-jährigen Vereinshistorie des Hamburger SV. Etwas mehr als 80 Minuten waren gespielt, als die „Papierkugel Gottes“ (Internet-Spott) ins Spiel eingriff.

SZ: Pokal-Papierkugel auf dem Weg zum Kultobjekt: 2,5 Millionen Euro kann die Papierkugel wert sein, die im UEFA-Cup-Halbfinale Werder Bremen den Weg ins Endspiel ebnete. Nach dem packenden Pokalfight sorgte die Papierkugel für mächtig Gesprächsstoff und entwickelte sich im Internet prompt zum Kultobjekt: Ein Video von der Szene kommentieren die Internetnutzer mit witzigen Sprüchen: «Das Papier stand doch im Abseits» schreibt ein Fußball-Fan. Und ein anderer scherzt: «Warum hat die Papierkugel eigentlich keine gelbe Karte bekommen? Ach ne, sie hat ja nur den Ball gespielt.»

Tagesspiegel: Eine Träne trübt den Triumph: Die Schreckgespenster für den Hamburger SV tragen schwarze Trikots mit grünem Brustring und grün-orangefarbene Socken. Darin verkleidet sind die Spieler von Werder Bremen, die die letzten Titelchancen des hanseatischen Traditionsvereins zunichte machten. Wie schon beim DFB-Pokal-Halbfinale vor 15 Tagen feierte der Erzrivale auch im Rückspiel des Uefa-Cup-Halbfinales im Hamburger Volkspark einen Triumph, der der Mannschaft von Martin Jol für Tage, ja Wochen beschäftigen dürfte.

SZ: Bremen ringt Hamburg nieder: In einem dramatischen Halbfinale setzt sich Bremen mit 3:2 gegen Hamburg durch. Doch eine Schiedsrichter-Entscheidung senkt Werders Chancen im Endspiel. Werder Bremen hat sich zum Alptraum des Nord-Rivalen HSV entwickelt: Nach dem K.o.-Sieg im DFB-Pokalhalbfinale vor zwei Wochen warf Schaafs Team die Hamburger nun auch aus dem Uefa-Cup-Endspiel. Beim 3:2 (1:1)-Sieg nach dem 0:1 im Hinspiel trafen vor 51.500 Zuschauern Diego, Claudio Pizarro und Frank Baumann, Ivica Olics beide Gegentreffer waren zu wenig.

Es passt zur verrückten Geschichte dieses dauerbefeuerten Nordderbys, das am kommenden Sonntag in der Bundesliga in Bremen in seine vierte und letzte Runde binnen 19 Tagen geht, dass ausgerechnet ein ehemaliger Bremer zur tragischen Figur wurde. Denn der entscheidende Schuss des Peruaners Pizarro zum 2:1 wäre gewiss nicht ins Tor gegangen, wenn nicht Frank Rost gepatzt hätte. Hamburgs 35-jähriger Torsteher reagierte schlicht zu spät und öffnete seinem Ex-Verein die Tür zum zweiten Cup-Endspiel einer so wankelmütigen Saison.

Bild: Besonders bitter für alle Hamburger: Die Kugel, die von einem Fan aufs Feld geschmissen wurde, war ein zerknülltes Blatt einer Fan-Choreographie. Die größte bisher inszenierte Show der HSV-Vereinsgeschichte vorm Anpfiff wurde acht Minuten vor Spielende zum bitteren Eigentor…

FAZ: Papierkugeln, Pech und ein verdienter Sieger: Man sollte nicht zu viel über Glück und Pech im Fußball sinnieren, das führt zu nichts. Doch beim Blick zurück auf dieses epische norddeutsche Halbfinale im Uefa-Pokal lohnt es sich. „Der Junge kann nichts dafür, es war einfach Pech“, sagte Martin Jol, nachdem er die Szene angeschaut hatte, die zum Bremer 3:1 führte. Aber das Zustandekommen dieses vorentscheidenden Treffers war mit dem kurzen Wort Pech eigentlich noch unzutreffend charakterisiert. Es lief die 83. Minute, es stand 2:1 für Bremen beim Hamburger SV, als der dänische Verteidiger Michael Gravgaard den Ball unbedrängt mit dem linken Fuß zurück zu Torwart Frank Rost spielen wollte. Der Ball aber rollte über etwas auf dem Rasen, sprang hoch, gegen Gravgaards Schienbein und ins Toraus. Den folgenden Eckball für Bremen verwertete Baumann zum 3:1 (dass ihn Trochowski dabei anschoss, passte ins Bild). „Wir dachten zuerst, es war eine Flasche Coca-Cola“, sagte Jol später, „aber es war eine Papierkugel.“

„Wir haben ein heroisches Gefecht geliefert“, sagte Jol, „aber wir hatten einfach kein Glück.“ Wahrscheinlich hätte Bremens Torwart Tim Wiese den Strafstoß auch abgewehrt, und das Kapitel von Glück und Pech wäre noch etwas länger geworden. So aber verstrichen die Sekunden. Werder Bremen gewann 3:2 beim Hamburger SV, hatte die 0:1-Hinspielniederlage vergessen gemacht und spielt am 20. Mai in Istanbul im Finale gegen Schachtjor Donezk. Beim HSV werde man erst in einigen Jahren begreifen, welche historische Chance man vertan habe, sagte Vorstand Bernd Hoffmann.

Welt: Der Hamburger SV hat jetzt ein Werder-Trauma: Es passte zu dieser tragischen Slapstick-Einlage, dass die Hamburger Serie, in dieser Saison noch kein Tor nach einer Ecke kassiert zu haben, wenige Sekunden später Geschichte war. Piotr Trochowski schoss bei seinem Rettungsversuch auf der Torlinie Bremens Frank Baumann an – 3:1. Die Entscheidung. Das Team von Martin Jol kam nicht mehr zurück. … Nach dem dritten von vier Nordderbys binnen 19 Tagen ist es also eingetreten: das Hamburger „worst-case“-Szenario. Durch den 3:2-Auswärtssieg im Uefa-Cup hat Werder Bremen dem ewigen Rivalen, bei dem sich Ivica Olic eine Knieprellung zuzog (der Verdacht auf Kreuzbandriss bestätigte sich nicht), die zweite Titelchance geraubt. Zum zehnjährigen Dienstjubiläum kann Thomas Schaaf vom zweiten Double nach 2004 träumen – dem etwas anderen doppelten Titelgewinn.

Kreiszeitung: Istanbul, wir kommen! Mit der Hypothek des 0:1 aus dem Hinspiel waren die Bremer, die vor zwei Wochen schon das Halbfinale im DFB-Pokal in Hamburg gewonnen hatten, in die Partie gegangen. Und nach nur 13 Minuten rückte Istanbul in noch weitere Ferne: Ivica Olic erzielte das erste Tor des Abends und erhöhte damit in der Addition auf 2:0 für den HSV. Die Hypothek für Werder wuchs – dabei hätte es wenige Wimpernschläge zuvor noch genau andersherum laufen können.

Spon: SCREENSHOT DES TAGES  Die Papierkugel Gottes: In diesem einen Fall sind sich Fans aller Seiten, Spötter und Kritiker einmal einig: Das Uefa-Cup-Halbfinale zwischen dem HSV und Werder Bremen wurde unter anderem von einer Papierkugel entschieden. Die ist längst „Kult“ und das auch im Netz – auf allen Seiten, die den Bremern grün sind. Bereits am Donnerstagabend um 21.27 Uhr begann dort die kultische Verehrung des neuesten Stars der deutschen Fußballwelt – der Papierkugel, auch genannt „Papierkugel Gottes“. Inzwischen ist der Eintrag zu einem veritablen, nahezu sachlichen Wiki-Beitrag angewachsen.

Bild: HSV im Tal der Tränen! Fehlt das Sieger-Gen, Herr Jol?„Zwei Mal im eigenen Wohnzimmer in einem Halbfinale raus gegen Werder Bremen – das ist ein harter Schlag.“ HSV-Boss Bernd Hoffmann ist tief getroffen. Wie Trainer, Spieler und Fans. Aus im Uefa-Cup, Aus im DFB-Pokal – und in der Meisterschaft muss um den Einzug nach Europa gezittert werden.

Und weitere Artikel:

Spielbericht im Kicker:

Focus: Schaaf: „Mannschaft hat sich den Erfolg verdient“

Wütende Hamburger randalieren nach Fußballspiel

Hamburger Abendblatt: Jol: „Ich kann Bremen nicht mehr sehen!“

Mopo: Bremen bucht UEFA-Cup-Finale: 3:2 gegen HSV

Hamburger Abendblatt: Finale HSV-Abrechnung fällt trotzdem positiv aus

Mopo: HSV – WERDER BREMEN DERBY-KURZPÄSSE

Hamburger Abendblatt: Eisenstangen-Attacke auf Werder-Fans

Kreiszeitung: Pizarro: Erst ein Malheur, dann wieder große Klasse

Bild: Allofs: „Die Papierkugel kommt ins Werder-Museum“

Bild: Werder bittet um Gnade für Diego

HSV.de: „Wir müssen die Enttäuschung zusammen verarbeiten“

Stern: Bremen triumphiert im Drama und fährt nach Istanbul

HB: Papierkugel sei dank: Bremen sticht HSV aus

BN: Frank Baumann, der stille Held

Bildgalerien

Bild: Videozusammenfassung

SZ: Uefa-Cup: Hamburg – Bremen „Das ist mein Stadion!“ (Bilder)

Welt:  Werder Bremen besiegt Hamburger SV (Video)

Zeit: Diego, der Famose

Mopo: Fotostrecke HSV – Werder Bremen

Bildergalerie | Nordderby: HSV vs. Werder Bremen

Bild: Stimmen vom Spiel

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