Eine lange Fußballsaison findet in diesen Tagen ihr Ende. Während Fußballfans den letzten Entscheidungen mehr oder weniger stark entgegenfiebern, beginnt in den Vereinen das Controlling der abgelaufenen Saison. Nachlesenswerte Blicke hinter die Kulissen der Spieldatenanalyse liefern die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) mit ihrem Artikel Die Bundesliga im Datenrausch und das Deutschlandradio Kultur mit dem Beitrag “Der gläserne Fußballstar.”
Da erfährt man z.B., dass Spielanalytiker mit Hilfe ihrer Computerprogramme ein Fußballspiel in 10.000 bis 100.000 Datensätze zerlegen. Die Daten geben Aufschluss über die Anzahl der Sprints eines Spielers, die Schusswinkel bei Freistößen, Ballkontakte, Laufwege und mehr. Man lernt, dass sich auf diesem Geschäftsfeld mittlerweile mehrere Anbieter tummeln, die unterschiedliche Schwerpunkte beachten und mit unterschiedlichen Erhebungsmethoden arbeiten. So kann es übrigens auch zu Abweichungen bei bestimmten Werte, wie etwa der Anzahl gewonnener Zweikämpfe kommen.
Der Autor der FAS wirft außerdem einen selbstkritischen Blick auf die Medien im Umgang mit den Spieldaten und schreibt:
“Aber in der Öffentlichkeit wird nur an der Oberfläche der Spielanalyse gekratzt. Da werden Daten bewusst populistisch eingesetzt.“ Von Sportlern – und von Medien. So musste sich Jürgen Klinsmann kurz vor seiner Entlassung von einigen Journalisten anhand ausgewählter Lauf- und Zweikampfwerte vorrechnen lassen, dass sich die Bayern-Spieler seit seiner Ankunft nicht jeden Tag verbessert, sondern verschlechtert hätten.”
Die Bundesliga setzt zur Datenerfassung nicht etwa Menschen, sondern modernste Techniken ein: So zeichnen beim Hamburger SV acht Wärmebildkameras jede Bewegung der Spieler auf. Zehn Mal pro Sekunde werden die Fußballer auf dem Spielfeld erfasst. Später kann das taktische Verhalten der Mannschaft in einer 2D-Simulation nachvollzogen werden. Die Unternehmen lassen sich ihre Dienstleistungen für zwischen 20.000 und 100.000 € pro Saison vergüten.
Und nicht nur die Bundesliga setzt auf professionelles Spieldaten-Controlling, auch die Nationalmannschaft nutzt seit Februar diesen Jahres ein solches System (siehe DFB präsentiert Spieler-Datenbank). Übrigens, die ehemalige ran-Datenbank ist mittlerweile professionalisiert und in einem Fußballdatenunternehmen aufgegangen. Die Impire AG beliefert nach eigenen Angaben TV-Sportredaktionen von ARD, ZDF, Sat.1, DSF und Premiere sowie diverse Internetportale, Tageszeitungen und Special-Interest-Zeitschriften. Pro Spiel werden hier mehr als 2.000 Ereignisse festgehalten. Allein diese Daten könnten locker ausreichen, die fußballlose Zeit im Sommer mit Datenanalysen zu verbringen.
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