So sieht die wirkliche Praxis der Staatsbürgschaften aus

by Dirk Elsner on 11. Juni 2009

In den vergangenen Wochen hat uns die Berichterstattung den Eindruck vermittelt, die Entscheidungsfindung zu den Bürgschaften des Deutschlandfonds gehe zügig voran. Dies ist leider eine schöne Legende, die nur real für Großunternehmen Heidelberger Druck oder Opel wird. Für die ganz große Mehrzahl der Unternehmen mag das Verfahren vielleicht nicht mühseliger, dafür aber deutlich langwieriger verlaufen. Ich spreche dazu heute nicht von meinen eigenen Erfahrungen mit dem umständlichen und z.T. auch durch die Hausbanken selbst verzögerten Prozess, sondern verweise auf einen Beitrag der Financial Times Deutschland. Matthias Lambrecht erzählt die Geschichte eines Unternehmens, dem Automobilzulieferer Aksys, das letztlich beim Staat abblitzte:

“Einen Kredit über 22 Mio. Euro hätte Lieberoth-Leden gebraucht, um das Überleben aus eigener Kraft zu sichern. Das Geld sollte von der KfW kommen, ein Konsortium aus sieben Banken, angeführt von der Dresdner Bank, hätte für 40 Prozent der Summe gebürgt. Eine „Liquiditätsbrücke“ wollte der Manager damit bauen, um Aksys die Zukunft zu sichern. Mit reduzierten Kosten und angepassten Kapazitäten. Gesundschrumpfen sollte sich das Unternehmen, damit es den branchenweiten Umsatzeinbruch von fast 40 Prozent verkraften kann. Mit den Beratern von Roland Berger hat Aksys dazu ein Konzept erarbeitet. „Wir brauchten den Kredit, um die Restrukturierung zu finanzieren, um Fertigungsstraßen zusammenzulegen und die Abläufe zu optimieren“, sagt Lieberoth-Leden”

Zwei Monate soll allein der Prüfprozess bei der KfW gedauert haben. Das ist auch der Zeitraum, den ich jüngst ebenfalls von der Hausbank eines Mandanten meiner Beratung erhielt. Ich halte diese Entscheidungszeiträume für skandalös angesichts der Dringlichkeit bei vielen Unternehmen.

Aksys erhielt letztlich kurz und bündig eine Absage. Dazu Lambrecht weiter:

“Nur einen kurzen Anruf hat der Manager von der KfW bekommen, ein paar Tage später erhielten seine Banken einen Brief. „Eine Kreditvergabe ist risikomäßig nicht vertretbar, außerdem sind die formalen Programmkriterien nicht erfüllt“, steht dort. Punkt, Absatz. Zu Einzelfällen nehme die KfW keine Stellung, heißt es auf Nachfrage bei der Förderbank. Grundsätzlich sei die Bank zu einer sorgfältigen Prüfung der Risiken vor der Kreditvergabe verpflichtet, verteidigt eine Sprecherin das langwierige Verfahren in komplexeren Fällen.”

Ich rate dazu, sich nicht zwingend auf eine Zusage zu verlassen, sondern den Zeitraum bis zur Entscheidung der KfW zu nutzen, um weitere Finanzierungsalternativen  (siehe diese Übersicht für ausgewählte Maßnahmen) oder Kostensenkungsmaßnahmen (Übersicht hier) zu prüfen.

Dass der Zugang zu den staatlichen Bürgschaften nicht optimal läuft hat auch der Vorstandsvorsitzende der KfW, Ulrich Schröder, eingeräumt. Dazu ist im Handelsblatt zu lesen:

„So sei es für kleine Handwerksbetriebe schwierig, mit dem Kreditantrag einen Geschäftsplan für die kommenden drei Jahre einzureichen. Auch bei bestimmten Anforderungen bezüglich der Sicherheiten für die Konjunkturkredite könnte es für die Kleinunternehmen Änderungen geben. Ein weiterer Grund für den schleppenden Antragseingang von Kleinunternehmen könnte auch sein, dass die Hausbanken nicht wirklich motiviert sind, solche kleinen Kreditsummen bei der KfW zu beantragen, wenn die Dokumentation mühsam ist. Für die Banken sei das Verfahren genauso aufwendig wie bei größeren Unternehmen und Kreditsummen, sagte Schröder.“

Schröder spricht hier zuwar nur von kleinen Handwerksbetrieben. In der Praxis sind davon aber auch größere mittelständische Unternehmen betroffen sein, wobei ich bewußt die Größe offen lasse. Immerhin will die KfW nun Abhilfe schaffen. Wann dies in entsprechende Beschlüsse umgesetzt wird und in der Praxis ankommt, ist aber noch offen.

Die Unterstützung der KfW bzw. der staatlich verbürgten Kredite bleibt dringend und notwendig. Frank Wiebe hat es gestern im Handelsblatt treffend formuliert:

„Die größte Gefahr, die von unserem Bankensystem ausgeht, sind nicht die Risiken, die der Staat den Banken abnimmt – er tut das ja ohnehin sehr zurückhaltend. Sondern die größte Gefahr ist, dass die Banken nicht genügend Kredit zur Verfügung stellen, wenn die ersten Unternehmen wieder bereit sind zu investieren. Der Mangel an Liquidität ist viel gefährlicher als eine mögliche Inflation.“


Weitere Beiträge zu Staatshilfe

Wiwo: Wirtschaftsfonds Aksys, Heideldruck und Infineon – Erfahrungen mit Staatshilfen

HB: Heidelberger Druck: Finanzierung steht

FAZ: Wie Unternehmen an Staatskredite kommen

Wiwo: Wirtschaftsfonds Wie die Unternehmensrettung per Staathilfe funktioniert

HB: Schaeffler will auf Staatshilfe verzichten

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